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Vielbefahren: Die T-Kreuzung Schleißheimer-/Friedenstraße kann keinen weiteren, durch ein Parkhaus verursachten Verkehr verkraften – die Staus würden laut einem Gutachten bis in die Innenstadt reichen. 

Neue Untersuchung

Ohne Parkhaus auch kein Kino?

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Das Bauamt war immer skeptisch, Teile des Stadtrats hatten es von vornherein abgelehnt, und nun belegen auch noch Zahlen, dass das geplante Parkhaus am Dachauer S-Bahnhof keine gute Idee ist. Was mit der Fläche nun passieren soll? Keiner weiß es. Auch der – eigentlich schon beschlossene – Kino-Umzug in die Stadtmitte wackelt.

Dachau – Die Diskussionen darüber, wie groß das P+R-Parkhaus östlich der Bahn, auf der Fläche der heutigen Kleingartenanlage, werden soll, wurden im vergangenen Jahr lange und hitzig geführt. Am Ende hieß es: 600 Stellplätze sollen es werden, daneben soll ein Multiplexkino mit weiteren 116 Parkplätzen entstehen (wir berichteten).

Doch diese Pläne sind nun hinfällig. Die Stadtverwaltung hatte immer gewarnt, dass die Schleißheimer Straße, auf der es sich zu Stoßzeiten heute schon staut, kein Parkhaus verkraften kann. Und zwar: gar kein Parkhaus, egal welcher Größe.

Im Juli hatten sich die Anzeichen der Verkehrsproblematik bereits angedeutet, als das mit einer genaueren Berechnung beauftragte Planungsbüro Gevas einen ersten Vorbericht abgeliefert hatte. Daraufhin hatten die Stadträte im Verkehrsausschuss das Parkhaus von 600 auf 300 bis 350 Plätze verkleinern wollen. Doch entsprechend der nun vorliegenden, vollständigen Verkehrsuntersuchung steht fest: Auch 300 ein- und ausfahrende Autos wären zu Stoßzeiten zu viel für die Schleißheimer Straße, der Verkehr würde sich weit zurück in die Innenstadt stauen. Selbst bei 100 Autos würde der Verkehr an der Stelle kollabieren.

Die einzige Möglichkeit, zumindest ein kleineres Parkhaus zu ermöglichen, wäre gewesen, ein Linksabbiegeverbot stadtauswärts in die Friedenstraße zu verhängen und damit die Friedenstraße quasi zur Einbahnstraße zu machen; dies hatten die Stadträte jedoch mit Verweis auf die an der Straße gelegenen Krippen, Schulen und Anlieger abgelehnt.

Und nun? Laut Bauamtsleiter Moritz Reinhold wird der „Erkenntnisgewinn immer größer“, dass die Stadträte sich für die rund 10 000 Quadratmeter große Fläche dringend etwas anderes einfallen lassen sollten. Franz Vieregg (ÜB) gab ihm in der jüngsten Verkehrsausschusssitzung recht: „Ein Parkhaus für 100 Autos bringt nix. Also müssen wir umdenken!“

Oberbürgermeister Florian Hartmann schien froh, das Parkhaus-Projekt nun auch offiziell beerdigen zu können, denn: „Parkhäuser brauchen wir vor der Stadt, nicht in der Stadt.“ Genutzt hätten die P+R-Anlage nämlich ohnehin nur auswärtige Pendler, die dann von Dachau aus mit der S-Bahn nach München weiter gefahren wären.

Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau) sprach von einer von Anfang an „unrealistischen Planung“. Nun habe man „ein Jahr lang Geld für eine Planung ausgegeben, mit dem wir auch den Radverkehr hätten fördern können“. Tatsächlich, so bestätigte Reinhold auf Nachfrage, hätten die bisherigen Gutachten in der Sache eine fünfstellige Summe gekostet.

Statt des Parkhauses nun Wohnbebauung zu ermöglichen, sieht Reinhold dagegen kritisch. Die „wertvolle Fläche“ solle seiner Meinung nach lieber der „Stadtgesellschaft“ zugutekommen – beispielsweise in Form öffentlicher Einrichtungen oder Gewerbe. Grundsätzlich „bin ich offen“, betonte er.

Während die Nachbarn der geplanten P+R-Anlage nun aufatmen dürften – sie hatten eine massive Verschattung beziehungsweise eine aufwendige Einhausung des Parkhauses befürchtet – könnten Kinofans nun das Nachsehen haben. Nicole und Christopher Lutz, die derzeit in Dachau-Ost das Cinema betreiben, wollten neben das Parkhaus ein fünfstöckiges Multiplexkino bauen; der Bauausschuss hatte die Planung schon Anfang 2018 genehmigt. Die aktuelle Sachlage ist für die Lutzens laut Reinhold daher nun „leider unglücklich“. Die Stadt versuche aber dennoch ihr Möglichstes, den Kino-Umzug von Dachau-Ost in Richtung Stadtmitte doch noch zu retten. Cinema-Chef Christopher Lutz ist über die Situation merklich unglücklich, gibt sich aber bedeckt: „Zum Stand unserer Planungen möchte ich gerade nichts sagen.“ Erst wolle er sich „anhören, was die Stadt uns nun anzubieten hat“.

Im Frühjahr wird sich der Verkehrsausschuss erneut mit dem Thema auseinandersetzen. Bis dahin will die Stadt den Verkehr in der Friedenstraße mittels Kennzeichenerfassung untersuchen, „um Klarheit zu haben, was da eigentlich passiert“. Auf Basis dieser Daten will man sich dann überlegen, wie die Stadt ihr Filetstück in Bahnhofsnähe in Zukunft sinnvoll nutzen könnte.

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