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Ihr Job ist der Verkehr : Andreas Knorr (rechts) und Alexander Steinhard analysieren Unfälle, versuchen Unfallschwerpunkte zu entschärfen, verbessern die Verkehrssicherheit – und haben ein offenes Ohr für Anliegen der Bürger.     

 Experten der Polizei

Das sind die neuen Verkehrsprofis im Landkreis Dachau

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Seit einigen Monaten hat die Dachauer Polizei neue Verkehrsexperten: Andreas Knorr ist der Sachbearbeiter Verkehr, Alexander Steinhard sein Stellvertreter. Und die beiden haben schon einige Vorschläge zur Verbesserung des Straßenverkehrs.

 

Dachau– „Ein großer Vorgänger hat einen langen Schatten“, sagt Andreas Knorr. Im Oktober trat der 38-jährige Polizeihauptkommissar die Nachfolge von Richard Wacht an, der 25 Jahre lang als Verkehrsexperte der Dachauer Polizei jeden Unfall im Landkreis analysierte und jede Straße, jede Kreuzung im Landkreis kennt. Das Gute ist: „Richard Wacht ist mit seinen Erfahrungen und seinem Wissen immer für uns greifbar“, sagt Andreas Knorr. Gut ist auch: Knorr lebt selbst in Dachau, ist viel mit dem Radl unterwegs – und kennt sich hier bestens aus. Seine Vorschläge zur Verkehrsverbesserung in Dachau: eine komplette Einbahnregelung in der Altstadt und die Stärkung des Radverkehrs. Doch dazu später.

Andreas Knorr übernahm zusammen mit seinem Stellvertreter Alexander Steinhard, Nachfolger von Karl-Heinz Kellerer, die Leitung des Sachgebiets Verkehr. Vier Verkehrserzieherinnen und eine Verkehrsangestellte in Ausbildung ergänzen das Team. „Sie unterstützen uns tatkräftig und managen die Jugendverkehrsschule selbstständig, sind hochmotiviert, das ist nicht selbstverständlich“, sind sich Knorr und Steinhard einig.

Überhaupt verstehen sich die beiden bestens. „Wir sind beide sehr zufrieden, dass wir miteinander arbeiten dürfen“, so Steinhard. Kennengelernt haben sie sich vor einem Jahr bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz: die Absicherung des Volksfesteinzugs, zusammen mit Richard Wacht, zur Einarbeitung.

Andreas Knorr, geboren in Dachau, wuchs in Westerndorf, Gemeinde Haimhausen, auf. Nach der Polizeiausbildung ging er zur Kripo in München, wo er unter anderem mit Branddelikten und Vermissungen befasst war. Nach acht Jahren dann der Wechsel in seine Heimatstadt: „Ich wollte mich verändern, und es war der Gedanke da, dass ich hier daheim bin“, erzählt der 38-Jährige. Er freue sich über die neue Herausforderung. Und seine Kinder Paula (10) und Moritz (6) freuen sich, „dass ich wieder eine Uniform anhabe“, sagt Andreas Knorr und lacht.

Die Tätigkeit im Verkehr sei sehr vielfältig, man könne auch schnell in Situationen kommen, in denen man sehr gefordert sei, etwa bei schweren Unfällen. Wichtig ist dem Polizeihauptkommissar, der künftig bei Veranstaltungen auch mit dem Polizeimotorrad unterwegs sein wird, außerdem der Kontakt mit den Menschen.

Alexander Steinhard, 33 Jahre alt, kommt aus Friedberg. Der Polizeihauptmeister arbeitet seit acht Jahren bei der Dachauer Polizei, seit dem Ende seiner Ausbildung. „Eigentlich wollte ich nur so lange bleiben, wie vorgeschrieben ist, aber mir hat es so gut gefallen, dass ich geblieben bin.“ Bis 2018 war Steinhard im Streifendienst, somit kennt er den Landkreis Dachau bestens. Dann wurde er langsam in das Sachgebiet Verkehr eingearbeitet, als Nachfolger von Karl-Heinz Kellerer, Wachts Stellvertreter. „Mich hat der Bereich Verkehr und Unfälle immer schon interessiert“, sagt Steinhard. Ein Jahr lang durfte er seinen Vorgänger begleiten, „damit das Handwerkszeug erhalten bleibt“. Er habe viel mitgenommen aus dieser Zeit – da macht es auch nichts, dass er nicht hier lebt. Er hat einen dreijährigen Sohn und wohnt in Mering.

Die Aufgaben von Andreas Knorr und Alexander Steinhard sind die Auswertung der Verkehrsunfallzahlen, das Erkennen von Unfallschwerpunkten, die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Jüngstes Beispiel: die Kreuzung in Eschenried. Hier wurde gemeinsam mit der Unfallkommission, mit den Kommunen, dem Staatlichen Bauamt und dem Landratsamt nach mehreren schweren Unfällen eine Ampel installiert. „Seitdem gab es keinen Unfall mehr“, so Knorr.

Dann wären da noch die Anliegen der Bürger, Beispiel Schlossberg: Knorr und Steinhard veranlassten aufgrund der Beschwerden Kontrollen (wir berichteten).

Und die Verkehrsexperten beraten Kommunen, etwa beim Aufstellen von Verkehrszeichnen. Jüngstes Beispiel: Knorr und Steinhard plädieren für eine komplette Einbahnregelung in der Altstadt, „dadurch könnte man viele brenzlige Situationen entschärfen“. Wenn sich die Busse in der Altstadt begegnen und aneinander vorbeitasten, „verstopft es richtig. Es dauert es oft minutenlang, bis sich das auflöst“, so Knorr. Die Stadt Dachau bat die Polizei bereits um ihre Einschätzung, nun ist es an der Politik, sich damit auseinander zu setzen.

Auch für die Radfahrer machen sich Knorr und Steinhard stark: „Die Verkehrsfläche ist sehr begrenzt im städtischen Bereich, man muss sie sinnvoll aufteilen“, so Steinhard. Und nachdem immer mehr Rad gefahren werde, mache es Sinn, den Radverkehr zu stärken und den Radfahrern mehr Raum zu geben. Ein gutes Beispiel für die radfreundlichen Planungen in der Stadt ist die Münchner Straße, so Knorr: „Hier fühlen sich Auto- und Radfahrer besser als vorher.“ Ein Problem gebe es allerdings noch an der Gaststätte Drei Rosen. „Da hört der Fahrradstreifen plötzlich auf, da wird es eng“, so Knorr.

Was überall hilft: „Mehr Rücksicht aufeinander nehmen“, auch in diesem Punkt sind sich Knorr und Steinhard einig. Der Autofahrer könne sehr stur sein, Radfahrer genauso – „jeder muss Rücksicht nehmen, der sich draußen bewegt, so steht’s auch im Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung“.

„Aber“, schiebt Knorr hinterher, „man darf nicht nur schimpfen. Es gibt genug Fälle, die zeigen, wie toll Verkehrsteilnehmer reagieren, nach Unfällen Erste Hilfe leisten, einander helfen!“

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