Vor Corona: Verkehrserziehung auf dem Gelände der Schule Dachau-Süd.
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Vor Corona: Verkehrserziehung auf dem Gelände der Schule Dachau-Süd.

Landkreis-Programm

Corona: Verkehrsunterricht bleibt auf der Strecke

Die Verkehrsübungsplätze im Landkreis sind verwaist. 970 Viertklässler haben keinen vollständigen Fahrradunterricht erhalten - aufgrund der Corona-Pandemie. 

Landkreis – Die Corona-Pandemie führt zu einem regelrechten Fahrradboom, immer mehr Menschen legen tägliche Wege mit dem Radl zurück. Einen wichtigen Grundstein fürs sichere Radfahren legte bei vielen wohl die Verkehrserziehung in den vierten Klassen der Grundschulen. Dort winkt den Mädchen und Buben nach erfolgreicher Prüfung in Theorie und Praxis als Beleg für ihr Können der begehrte Fahrradführerschein. Allerdings: Das wichtige Sicherheitstraining, das an den Grundschulen im Landkreis die Jugendverkehrsschule (JVS) der Polizeiinspektion Dachau organisiert, wurde heuer wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt.

„Bis zum Schuljahresende wird die Jugendverkehrsschule der Polizei Dachau die Fahrradausbildung der vierten Klassen in der gewohnten Weise nicht mehr durchführen“, erklärt Polizeihauptkommissar Andreas Knorr, der als Sachbearbeiter Verkehr die JVS koordiniert. Keine spezielle Landkreis-Problematik, die schulische Radfahrausbildung wird laut Deutscher Verkehrswacht aktuell in keinem Bundesland mehr angeboten.

Die Theorie lernen die Kinder im Unterricht, unter Anleitung von vier Polizeibeamtinnen und einer angestellten Verkehrserziehungsfachkraft wird Abbiegen geübt, das richtige Verhalten an Kreuzungen gelernt. Die Fahrradausbildung umfasst drei Übungseinheiten, theoretische und praktische Prüfung.

Die vier Verkehrsübungsplätze in Dachau-Süd, Karlsfeld, Markt Indersdorf und Odelzhausen sind verwaist. Das fünfköpfige JVS-Team der Polizei Dachau hat im Herbst noch 24 Klassen mit 540 Mädchen und Buben ausgebildet. 23 weitere Klassen starteten im Frühjahr, sie konnten das Programm nicht fertig absolvieren. 24 Klassen haben noch gar nicht angefangen.

Fazit: „970 Viertklässler haben keine komplette Jugendverkehrsschule durchlaufen“, so Knorr. Und daran wird sich nichts mehr ändern. Denn während das Schulwegtraining der Vorschulkinder vor Ferienbeginn an den Kindergärten stattfindet, wird die Verkehrserziehung der Viertklässler nicht mehr aufgenommen.

An den Schulen wird dies bedauert, „aber es geht nicht anders“, sagt Ulrike Schneider-Güll, Rektorin der Grundschule Petershausen, deren Schüler noch nicht auf dem Verkehrsübungsplatz geübt haben. „Mitten drin“ im Kurs waren die Viertklässler der Grundschule Dachau-Ost. Das Üben im Schonraum Verkehrsübungsplatz sei für die Kinder schon wichtig, erklärt Schulleiterin Andrea Noha, „aber es gibt ja auch keinen Sportunterricht“.

Doch wie geht es weiter für die Viertklässler? Eine Praxis-Schulung zum „Toten-Winkel“ bietet die JVS an, um die Kinder für diese besondere Gefahrensituation zu sensibilisieren, erklärt Polizeihauptkommissar Andreas Knorr. Mit einem Lkw und einer speziellen Plane wird den Schülern veranschaulicht, wo die gefährliche Zone liegt. Die Kinder erlebten, „was der Lkw- oder Busfahrer im Spiegel sieht und wie etwa helle Kleidung die eigene Sicherheit erhöht.“ Dieses Angebot will die Grundschule Petershausen wohl nutzen. In Dachau-Ost hat man sich bereits dagegen entschieden.

Ein spezielles Hygienekonzept hätte es gebraucht, nach jedem Kind müsste das Führerhaus desinfiziert werden, „der organisatorische Aufwand ist riesig“, sagt Rektorin Noha. Auch sei das Thema mit anderen Medien im Unterricht behandelt worden. Um nun aber Kindern mehr Sicherheit in der Radfahrpraxis zu vermitteln, „sind die Eltern mehr als gefragt“, sagt Polizeihauptkommissar Knorr, selbst Vater einer schulpflichtigen Tochter.

Auch die Rektorinnen sehen die Eltern in der Verantwortung. Verkehrsexperte Knorr empfiehlt gemeinsame Fahrradausflüge, „nehmen Sie sich Zeit zum Üben“. Von jeher könnten Kinder die nötige Sicherheit auf dem Rad nur durchs gemeinsame Radeln erlangen, würden nebenbei in die Gefahren des Verkehrs eingeführt.

Ein wichtigerer Aspekt. Denn es sind immer mehr Radler unterwegs, auf den Straßen wird es enger, die Zahl der Fahrradunfälle steigt. 2019 wurden im Landkreis allein neun Kinder bei ebenso vielen Schulwegunfällen verletzt. Umso wichtiger, dass sich alle an die Regeln halten. Knorrs Appell an die Eltern: „Seien Sie ein Vorbild.“

Petra Schafflik

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