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Ein Transporter der Tierschützer in der Langwieder Straße.

Großaktion in der der Langwieder Straße

Veterinäramt beschlagnahmt 45 vernachlässigte Tiere

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Dachau - Das Veterinäramt hat einem Anwohner der Langwieder Straße in Dachau Freitagnachmittag alle Tiere weggenommen: Hühner, Wachteln, Hunde, Katzen, Kaninchen – alle laut Veterinäramt in sehr schlechtem Zustand.

Normalerweise ist in der Langwieder Straße nicht viel los. In der Straße hinten in Dachau-Süd nach der Moosstraße liefen höchstens ein paar Hühner über die Straße. Gestern war kein Durchkommen mehr: Autos von Tierschutzverein, Polizei und Landratsamt blockierten die Durchfahrt. Menschen in blauen Ganzkörper-Schutzanzügen sammelten das Federvieh ein.

Das Veterinäramt beschlagnahmte in einer mehrstündigen Aktion die Tiere eines Anwohners in der Langwieder Straße. 30 Hühner und Hähne, fünf Wachteln, vier Dackel, drei Hütehunde, zwei Katzen, ein Kaninchen und zwei Pferde: All diese Tiere fanden die Mitarbeiter des Veterinäramts, der Polizei und Tierschützer auf dem Grundstück vor: und zwar „in sehr schlechtem Zustand und erheblich vernachlässigt“, wie Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamts, mitteilte.

Tiere waren erheblich vernachlässigt

Alle Tiere wurden in eingefangen und abtransportiert – bis auf die beiden Pferde. Die verschenkte der Eigentümer spontan während des Einsatzes an Verwandte. Es war ein Hinweis aus der Bevölkerung, dem das Veterinäramt am Donnerstag nachgegangen war, so Reichelt. Die Tierärzte „nahmen das Objekt und die Tiere von der Straße aus in Augenschein“. Sie gelangten zu der Überzeugung, dass die Tiere erheblich vernachlässigt werden.

Am Freitagvormittag dann wurde im Landratsamt die Entscheidung getroffen, dass die Tiere dem Eigentümer, einem älteren Mann, weggenommen werden sollten, erklärte Reichelt. Innerhalb von kurzer Zeit wurden 15 ehrenamtliche Helfer vom Tierschutzverein Dachau und einige weitere von der Gewerkschaft für Tiere in Streiflach bei Germering organisiert.

Der Einsatz auf dem Grundstück in der Langwieder Straße in Dachau-Süd begann dann um 14 Uhr: Zusammen mit drei Hundeführern der Polizei, einer Polizeistreife zur Unterstützung sowie den Tierschützern rückten die Mitarbeiter des Veterinäramtes an. Es dauerte mehrere Stunden, bis alle Tiere eingefangen und abtransportiert waren. „Zwei Pferde waren auch vor Ort, die der Eigentümer aber verschenkte“, so Reichelt.

Ungeeignetes Futter

Noch während der Aktion seien die neuen Eigentümer, Verwandte des Anliegers, gekommen und haben die Pferde abgeholt. Es sei gewährleistet, dass die Tiere nun artgerecht untergebracht werden. Die Amtstierärzte und Tierschützer haben laut Reichelt „unhaltbare hygienische Zustände vorgefunden, „der Zustand der Tiere war sehr schlecht, es hat klare Anzeichen für eine erhebliche Vernachlässigung gegeben.“ Zudem sei das Futter nicht geeignet gewesen.

Dem widerspricht eine Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: Sie sei immer mit den Kindern an dem Grundstück vorbeigegangen und habe den Eindruck gehabt, dass es den Tiere gut gehe. „Sie haben nicht krank ausgesehen“, sagt die Nachbarin. Die Pferde seien immer auf der Weide gestanden. „Die Kinder haben sich gefreut, wenn sie die Tiere gesehen haben.“

Tierschützer wollen alles machen, "was die Tiere brauchen"

Die Hühner, Wachteln, Hunde, Katzen und das Kaninchen werden nun im Tierheim versorgt, wie Silvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins, bestätigt. Sie war selbst auch bei der Aktion vor Ort. Sie ist froh über ihre tatkräftigen Helfer, die sie unterstützt haben: „Es war nicht einfach, 15 Leute zusammenzutrommeln und aus der Arbeit zu holen.“ Nun werde alles gemacht, „was die Tiere brauchen“, meinte sie erschöpft am Abend.

Gegen den Eigentümer der Tiere sei sofort vor Ort ein Tierhalteverbot ausgesprochen worden, so Reichelt. Außerdem wurde Strafanzeige wegen erheblicher Vernachlässigung der Tiere nach dem Tierschutzgesetz gestellt. So bald werden wohl keine Hühner mehr über die Langwieder Straße laufen.

Miriam Kohr und Nikola Obermeier

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