Zur Open-Air-Filmpremiere in der Lagerstraße auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte kamen rund 150 Besucher.
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Zur Open-Air-Filmpremiere in der Lagerstraße auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte kamen rund 150 Besucher.

Präsentation des neuen Dokumentarfilms „Das Konzentrationslager Dachau“

Viele Fragen klingen nach

  • Nikola Obermeier
    VonNikola Obermeier
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„Wie können wir uns ein Bild davon machen, was hier geschehen ist?“ So lautet die Leitfrage des neuen Dokumentarfilms „Das Konzentrationslager Dachau“. Nach 50 Jahren gibt es nun einen neuen Film, den die Besuchern der KZ-Gedenkstätte im Kinosaal ansehen können. Er löst die Dokumentation aus dem Jahr 1969 ab. Etwa 150 Besucher versuchten bei der Film-Präsentation unter freiem Himmel, in der Lagerstraße auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte, Antworten auf die Frage zu finden.

Dachau - Heimliche Fotografien, die Häftlinge unter Lebensgefahr aufgenommen haben. Zeichnungen von Häftlingen, die den grausamen Alltag im Lager darstellen. Überlieferte Objekte und Dokumente von Häftlingen, die die Historie versuchen begreifbar zu machen. Aufnahmen von Hunger, Krankheit und Misshandlung schwer gezeichneter Überlebender und von toten Häftlingen, aufgenommen von den amerikanischen Befreiern des KZ. Und vor allem Zeitzeugen, die mit emotionalen Berichten tief beeindrucken. All diese Elemente verbindet eine Stimme aus dem Off, ordnet sie quellenkritisch ein und erzählt die Geschichte des Konzentrationslagers. Die Filmemacher Maya Schweizer, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens Wedemeyer näherten sich aus unterschiedlichen Perspektiven den Ereignissen an.

Podium nach der Filmvorführung

In einem Podiumsgespräch im Anschluss an die Filmvorführung standen sie mit Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte, und Dr. Stefanie Pilzweger-Steiner, wissenschaftliche Referentin der Gedenkstätte, für Fragen zur Verfügung.

Der Film wahrt einen „respektvollen Umgang mit Menschen an der Grenze zwischen Leben und Tod“, sagte Hammermann. Sie stellte einige Schwierigkeiten dar, mit denen die Filmemacher sich konfrontiert sahen: „Wie kann ein Film entstehen, der für alle von Interesse ist?“ Der Film richte sich an ein heterogenes Publikum, „viele Schüler aus dem bayerischen Raum, die im Rahmen des Schulunterrichts die KZ-Gedenkstätte besuchen“, aber genauso Einzelbesucher vor allem aus dem gesamten englischsprachigen Raum.

Ein weiteres Element: „Dieser Film soll nicht überwältigen“, so Hammermann. Keine Musik ist zu hören. „Musik verändert Bilder, und wir wollten die Emotionalität aus der Fülle an Details herausarbeiten“, so Clemens von Wedemeyer. Zudem seien die Bilder selbst fürchterlich schwer erträglich, „wir waren uns sicher, dass wir keine Musik brauchen“, so Benjamin Meyer-Krahmer. Maya Schweizer hob die „Momente der Stille“ hervor, die zwischen Text- und Bildebene sowie vielen Erklärungen sehr gut und wichtig seien.

Besucher stellen viele Fragen

Ein Besucher der Film-Premiere hatte den Eindruck, dass „Material, das zu gewaltvoll und hart“ war, weggelassen wurde. „Warum darf so ein Film nicht emotional sein?“, fragte er. Diesem Eindruck trat Meyer-Krahmer entgegen. Nicht dieses Material wurde herausgelassen. Der Anspruch sei gewesen herauszufinden, „wie man das Material kontextuieren kann“. Die tote Häftlinge werden nicht als anonymisierte Körper gezeigt, sondern im zeitlichen Kontext durch den Sprecher eingeordnet. Gezeigt wird auch, wie amerikanische Soldaten den Todeszug aus dem KZ Buchenwald voller Leichen entdeckten, sowie Aufnahmen von Dachauern, die gezwungen wurden, die Toten in den Leichenkammern des Krematoriums anzusehen. „Wir folgen der Chronologie und zeigen diese Bilder gleich am Anfang“, so Meyer-Krahmer. Grundsätzlich wollte man die Emotionalität nicht forcieren, sondern Alltagsszenen zeigen. Stefanie Pilzweger-Steiner ergänzte, dass „wir über den Ansatz hinaus sind, solche Bilder nur zu zeigen, um zu schocken“.

„Warum kommt der Kräutergarten nicht vor?“, lautete die Frage einer Premierenbesucherin. Wedemeyer erklärte, dass „wir nicht auf alles eingehen konten, es ist ein Überblicksfilm“. Hammermann machte verständlich, dass die Einführung des Kräutergartens komplexe Erklärungen erforderlich gemacht hätte – zu Lasten anderer Themen. Und letzlich brauche man die Möglichkeit, dass nach dem Betrachten des Films – in dem der Prozess des Erforschens, aber auch die Grenzen des Begreifbaren beschrieben wird – viele Fragen nachklingen.

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