Festangestellte sind so schwer zu finden, wie Perlen in einer Muschel: Taxiunternehmer Michael Fricke (links) und Alex Brachos.
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Festangestellte sind so schwer zu finden, wie Perlen in einer Muschel: Taxiunternehmer Michael Fricke (links) und Alex Brachos.

Dachau

Vier Taxi-Firmen haben das Handtuch geworfen

Ein Drittel der bayerischen Taxifahrer haben in den vergangenen zwei Jahren aufgehört und sich einen anderen Job gesucht. In Dachau ist die Situation nicht ganz so dramatisch.

Dachau – Der Vorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen in München, Thomas Kroker, hatte sich öffentlich darüber beklagt, dass wegen der Pandemie in den vergangenen beiden Jahren rund ein Drittel der Fahrer aufgehört hätten, wobei viele von Paketdiensten abgeworben worden seien. In Dachau ist die Situation besser. Dennoch: Vier von 26 Taxiunternehmen warfen in dieser Zeit das Handtuch.

Dachau: Vier von 26 Taxi-Unternehmen haben Handtuch geworfen

Von den genannten 26 Betrieben arbeiten fünf mit Festangestellten, die anderen sind Einzelunternehmen. Zwei der vier Geschäftsaufgaben erfolgten aus Altersgründen, zwei aus wirtschaftlichen Gründen. Michael Fricke, Vorsitzender der Taxi-Vereinigung Dachau e.V., bilanziert, dass die Situation aufgrund der Pandemie weder besser noch schlechter geworden sei. Zumindest was den Nachwuchs angeht.

Denn den zu finden, „war vorher schon schwer“, so Fricke, der selbst seit zwölf Jahren Taxi fährt und seit fünf Jahren das Taxiunternehmen „Taxi XXL“ in Dachau leitet. Neue Festangestellte zu generieren sei gar so schwer, „wie Perlen in einer Muschel“ zu finden. Er selbst konnte seine komplette Belegschaft halten. „Dank der vielen, treuen Stammkunden“, ist der Firmenchef dankbar. Allerdings hätten die Dachauer Taxiunternehmern „massive Umsatzeinbußen“ hinnehmen müssen, diese seien aber nicht so hoch gewesen wie bei den Kollegen in München, so Michael Fricke.

Situation der Taxi-Fahrer in Dachau: Nicht ganz so dramatisch

Alex Brachos, der seit 1983 als Taxifahrer auf den Straßen unterwegs ist und seit 1985 mit der Firma „Taxi Brachos“ eigenständig ist, hat seine beiden Aushilfsfahrer nicht halten können. Er arbeitet jetzt wieder als Ein-Mann-Betrieb. Dank der Corona-Sofortmaßnahmen der Regierung konnte er zwar durchhalten. Der 61-Jährige hatte aber zwischenzeitlich überlegt, in Dachau das Handtuch zu werfen und nach Griechenland zu gehen. Denn für 100 Euro zehn Stunden lang im Taxi zu sitzen und die Zeit vor allem mit Warten zu verbringen, war für den gebürtigen Griechen zermürbend. In Rente gehen wollte er aber nicht. Also machte er weiter und hofft, dass wieder bessere Zeiten kommen.

Mersad Becirovic fährt seit 15 Jahren Taxi und liebt seinen Beruf. Ans Aufhören dachte er nie, auch nicht während der Pandemie. Als Angestellter bei „Taxi Sedigly“ in Dachau bekam er Kurzarbeitergeld. Ungefähr 40 bis 50 Prozent verdiente er weniger. Aber „ein bisschen was“ ging auch in schweren Zeiten. Jetzt hat sich seine Situation wieder verbessert. „Aber so wie früher kommt es nicht mehr“, glaubt der 52-jährige Taxifahrer.

War das Neun-Euro-Ticket ein Grund für den Rückgang der Taxifahrten, wie der BR berichtete? „Das ist ein ganz anderes Publikum“ und daher keine Konkurrenz, meint Mersad Becirovic. Im Gegenteil: Er hole Leute ab, die keinen S-Bahn-Anschluss mehr bekämen.

Ans Aufhören dachte er nie: Taxifahrer Mersad Becirovic, der seinen Beruf liebt.

Wer als Taxifahrer in Dachau aufgehört hat, der ist laut Fricke vor allem als Busfahrer zu den Stadtwerken Dachau abgewandert und nicht, wie der Landesverbandschef Kroker sagte, zu Paketdiensten. Die Gründe liegen für Fricke klar auf der Hand: bessere und sichere Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten.

Fricke meint, dass die Bereitschaft der Dachauer, ein Taxi zu rufen, wegen des im Dezember 2020 eingeführten Zehn-Minuten-Takts bei den Dachauer Stadtbuslinien deutlich zurückgegangen sei. Auch der Standort an der KZ-Gedenkstätte sei ungünstig. „Da bräuchten wir etwas Gescheites“, fordert der Dachauer Taxichef. Mehr Platz für Taxis und: sie müssten besser gesehen werden können.

Jetzt in den Ferien könne es zu Engpässen für die Kunden kommen. Denn viele Fahrer sind „Familienväter, die sich etwas dazu verdienen wollen oder müssen“, so Fricke. Und die seien im August natürlich mit der Familie unterwegs.

Simone Wester

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