Rechtsradikaler „Volkslehrer“ hetzte an KZ-Gedenkstätte: Preis für jene, die ihm mutig entgegentraten

Der rechtsradikale „Volkslehrer“ Nikolai Nerling wollte im Jahr 2019 auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau ein Propaganda-Video drehen. Nun wird denen, die dies verhinderten, ein Preis für Zivilcourage verliehen.
Dachau – Der Dachau-Preis für Zivilcourage 2021 wird an Eva Gruberová und die jugendlichen Zeugen aus dem Gymnasium Kirchseeon im Prozess gegen Nikolai Nerling verliehen. Wie die Stadt Dachau mitteilte, bestätigte der Stadtrat der Stadt Dachau den Vorschlag der aus Dr. Martin Schmidl, Prof. Dr. Sybille Steinbacher und Dr. Achim Wendler bestehenden Jury.
Eva Gruberová war im Februar 2019 auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau gegen den (nach eigener Aussage „rechtsradikalen“) sogenannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling eingeschritten, der geplant hatte, dort ein Propagandavideo für seinen YouTube-Kanal zu drehen. Für ihr mutiges Eintreten handelte sich die Gedenkstättenreferentin eine Anzeige von Nerling wegen Beleidigung ein – „mit allen damit verbundenen persönlichen und psychischen Belastungen“, so Oberbürgermeister Florian Hartmann in einer Pressemitteilung. Zudem wurde Gruberová zum Ziel von persönlichen Attacken in mehreren Videos des „Volkslehrers“.
KZ-Gedenkstätte Dachau: Rechtsradikaler Volkslehrer will Video drehen - Referentin schreitet ein
In der Folge kam es im November 2019 und im November 2020 zu zwei Gerichtsverhandlungen gegen Nikolai Nerling, bei denen Eva Gruberová und eine Gruppe von Schülern des Gymnasiums Kirchseeon, die die Gedenkstättenreferentin am Tag des Vorfalls gerade durch die KZ-Gedenkstätte geführt hatte, als Zeugen vorgeladen wurden. Eva Gruberová und die Jugendlichen stellten sich diesen stark belastenden Prozessen, konfrontiert mit einem der bekanntesten deutschen Rechtsextremen und seinem Anwaltsteam. Sie hatten den Mut, in einer öffentlichen Verhandlung gegen Nikolai Nerling auszusagen.
Nikolai Nerling: Volkslehrer verbreitet rechte Hetze - Schüler sagten gegen ihn aus
Mit der Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage 2021 möchten die Stadt Dachau und die Jury die couragierte Haltung der Preisträger würdigen und gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität mit ihnen setzen. Der Preis wird am Freitag, 10. Dezember, verliehen. Er ist mit 5000 Euro dotiert und wird in Verbindung mit einer Medaille im Rahmen einer Feierstunde verliehen.
Die Stadt lobt den Dachau-Preis für Zivilcourage im zweijährigen Turnus aus. Einzelne Personen oder Gruppen werden ausgezeichnet, die sich mit Mut, Fantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und von diskriminierten Minderheiten einsetzen. Der Dachau-Preis soll Zivilcourage und Mitmenschlichkeit im Alltag auszeichnen. Im Wissen um die Schreckensgeschichte, die mit dem Namen der Stadt Dachau verbunden wird, soll dieser Preis ein Zeichen setzen gegen das Wegsehen, das Schweigen und die Gleichgültigkeit.
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