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Im Herzen der Stadt Dachau: die Pfarrkirche St. Jakob, die in den Jahren 1625 bis 1629 erbaut wurde.

Neuer Film über Dachaus Pfarrkirche St. Jakob

Von Macht, Pracht und ganz viel Gefühl

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Als Film „von Dachauern für Dachauer“ bezeichnet Filmemacher Dieter Hentzschel sein neuestes Werk über die Pfarrkirche St. Jakob. Am Freitagabend war Premiere. Die Einnahmen aus dem DVD-Verkauf sollen der Pfarrei zugute kommen, die im vergangenen Jahr viel Geld für die Sanierung des Kirchturms hatte ausgeben müssen.

Dachau – Man mag es kaum für möglich halten, aber nachdem nach vierjähriger Bauzeit das bis dahin größte Gebäude Dachaus eingeweiht worden war, wies der Haushalt des Magistrats doch tatsächlich ein Plus aus! Wovon der heutige Oberbürgermeister nur träumen kann, war im Jahr 1629 Fakt. Wer die mit Sicherheit immens hohen Rechnungen für den Bau der neuen Pfarrkirche ausgeglichen hat, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Spannend ist der Blick in die alten Haushaltbücher allemal.

Günter Strittmatter (links) vom Kirchenvorstand St. Jakob fungierte als Produzent der 45-minütigen Doku, Hentzschel (rechts) beschreibt seine Rolle als die des „Regisseurs, Kameramanns, Beleuchters, Tontechnikers und Cutters“.

Doch das Rätsel um die Kirchenfinanzierung ist bei weitem nicht das einzige interessante Detail, das der 45 Minuten lange Film „Im Herzen von Dachau – St. Jakob 1629 – 2017“ offenbart. Unter der Regie des Dachauer Filmemachers Dieter Hentzschel befragt Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter darin Menschen, die auf verschiedenste Art und Weise mit der Kirche zu tun haben: unter anderem Pfarrer Wolfgang Borm, Kirchenmusiker Christian Baumgartner, Gästeführerin Anni Härtl oder Nachbarin Claudia Flach. Härtl beispielsweise erklärt, warum die Kirche überhaupt dem Heiligen Jakobus, dem Schutzpatron der Fuhrleute, geweiht war (Antwort: Angesichts des steilen Karlsbergs war göttlicher Beistand bei der Auffahrt durchaus nötig).

Doch nicht nur die Geschichten um die Geschichte des Bauwerks sind interessant. Ebenso fesselnd sind die Bilder selbst, etwa die Drohnenaufnahmen über den Dächern der Altstadt, die eindrucksvoll die Kirche als bauliches und religiöses Zentrum der Großen Kreisstadt ausweisen. Fast schon erschreckend ist dagegen, wenn Unger-Richter den Kirchturm besteigt – und deutlich wird, wie sanierungsbedürftig das alte Gemäuer ist.

Gerade die Baufälligkeit des Kirchturms ist jedoch der Grund dafür, warum dieser Film überhaupt entstand. „Uns ging es darum, Spenden zu generieren“, erklärte Kirchenvorstand Günter Strittmatter am Freitagabend bei der Filmpremiere im Pfarrsaal die Entstehungsgeschichte des Werks. Angesichts drohender Sanierungskosten von 1,4 Millionen Euro, die zu einem Drittel die Pfarrgemeinde schultern muss, habe man sich vor einem Jahr überlegt, mittels dieses Films neue Einnahmequellen zu schaffen. Dass dabei gleichzeitig noch ein einzigartiges Zeugnis der Stadtgeschichte entstand, sei ein angenehmer Nebeneffekt der rund zehnmonatigen Drehzeit von Januar bis Oktober 2017 gewesen.

Vor allem letzteren Aspekt hob auch Pfarrer Wolfgang Borm hervor: „Heute geht alles so schnell. Oft vergisst man, Zeugnisse zu schaffen.“ Wenn man bedenke, wie interessant es sei, heute in alten Büchern aus vergangenen Zeiten zu blättern, sei klar: „Unsere Nachkommen werden es in ein paar Jahrzehnten bestimmt sehr schätzen, diesen Film zu sehen!“ Man solle Hentzelschs Arbeit daher auch als „Mahnung an uns selber sehen, wacher Zeugnisse zu schaffen“.

Hentzschel und Kreisheimatpflegerin Unger-Richter ging es bei ihrer Zusammenarbeit aber vor allem darum herauszufinden: Was wäre Dachau ohne St. Jakob? Und ist ein Kirchturm, in Zeiten von Smartphones und Smartwatches und allerhand sonstigen elektronischen Gerätschaften, überhaupt noch zeitgemäß? Die Antwort von Pfarrer Borm, den Darstellern des Films als auch der Besucher der Filmpremiere war eindeutig: „Unsere Kirche ist ein Zeichen für Heimat. Dachau ohne St. Jakob wäre nicht vorstellbar!“

Der Film

„Im Herzen von Dachau – St. Jakob 1629 – 2017“ ist zum Preis von 10 Euro in der Buchhandlung Wittmann sowie bei Trachtenmode Schiela erhältlich. DVDs des Films gibt es auch bei Günter Strittmatter unter 0 81 31/82 28 1.

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