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Der TSV-Chef und der OB: Wolfgang Moll und Florian Hartmann (v.l.) waren in der Vergangenheit beim Thema Aussiedlung nicht immer einer Meinung

TSV 1865 Dachau: Mitgliederversammlung

Von Plänen und Willensbekundungen

Dass die Mitgliederversammlung des TSV 1865 Dachau am Freitag äußerst unterhaltsam war, hatte mehrere Gründe. Das Hauptthema war natürlich die Aussiedlung des Vereins.

Dachau – 117 Mitglieder hatten den Weg trotz des herrlichen Wetters in die Katakomben der altehrwürdigen TSV-Zentrale an der Jahnstraße gefunden. Auf dem Programm standen die üblichen Dinge wie: Bericht des 1. Vorsitzenden, Bericht des Kassiers, Bericht der Kassenprüfer und, und, und.

Warum dann die Versammlung doch annähernd drei Stunden dauerte, hatte einen einzigen Grund: den Tagesordnungspunkt zehn. Dieser lautete: ausführliches zur (Sportstätten)-Entwicklung des Vereins. Dahinter verbarg sich die unsäglich lange Diskussion um die Aussiedlung des TSV 1865 Dachau. Für Diskussionen unter den Mitgliedern sorgte allein schon ein Statement der CSU-Stadtratsfraktion im Vorfeld. „Zu den Prämissen einer Aussiedelung gehören einige wesentliche Maßgaben (...). Diese sind für unsere Fraktion nicht verhandelbar,“ stand da geschrieben. Und: „Mit Einhaltung dieser Prämissen stehen wir als CSU-Stadtratsfraktion fest an der Seite des Vereins“ – nach dem Motto: Macht Ihr nicht das, was wir wollen, ziehen wir den Stecker.

Von Seiten des Vereins wird das Gespräch mit dem Stadtrat und dem OB weiter gesucht, das machte auch TSV-Chef Wolfgang Moll in der Versammlung klar. Dass der Verein eigene Vorstellungen entwickelt hat (und entwickeln sollte), wie es in beiden Fällen – mit oder ohne Aussiedelung – weitergehen könnte, wurde auf der Versammlung verdeutlicht.

Architekt und Stadtplaner Michael Luska stellte ein Konzept zur Nutzung jenseits der Theodor-Heuss-Straße vor – mit mehreren Alternativen. Kompliziert ist es nach wie vor, da sich einige Eigentümer von Grundstücken bei den Verkaufsverhandlungen mit der Stadt zieren.

Die mögliche neue Anlage wurde deshalb um die Grundstücke herum geplant. Bekäme Dachau damit also eine Art Gallien?

Oberbürgermeister Florian Hartmann stellte den Sachstand aus Sicht der Stadt dar. Grundsätzlich sei man ja für die Aussiedlung, aber in den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern sei gerade der Kaufpreis jetzt nicht mehr verhandelbar. Das klang nicht unbedingt optimistisch.

Dann wurde von Michael Luska die Frage in Wort und Bild beantwortet, die bereits im Vorfeld für etwas Zündstoff gesorgt hatte: ein Kunstrasenplatz auf einer Halle – wie geht das? Der Planer zeigte Beispiele mit bereits bestehenden Projekten, bei denen deutlich wurde, dass diese Bauweise keine Utopie ist, sondern immer öfter umgesetzt wird. Nachdem eine mögliche Umsetzung für den TSV 1865 bildlich dargestellt wurde, gab es ein kräftiges Kopfnicken der Mitglieder. Tenor: eine tolle Sache.

Architektin Marion Glück zeigte derweils die Möglichkeiten der Umgestaltung der Jahnhalle auf, bliebe man am alten Standort. Diese müsste komplett umgebaut werden. Aus Sicht des Vereins eine gelungene Konzeption, aber natürlich „ist das nicht das, was wir wollen“, betonte TSV-Vorsitzender Wolfgang Moll. „Wir wollen die Sportstätten-Erneuerung jenseits der Theodor-Heuss-Straße. Sollte es nicht dazu kommen, müssen wir aber schnellstmöglich handeln, da unsere momentanen Sportstätten sehr marode sind“, so Moll weiter.

In einem weiteren Vortrag zeigte Architektin Carola Hain-Fischer die Möglichkeit auf, auf dem bisherigen Gelände des TSV ein Haus für Studentisches Wohnen zu integrieren. So könnten 65 Appartements für Studenten entstehen – und auch die Verwaltung des TSV unterkommen. „Wir müssen einfach neue Wege finden, um unseren Verein wirtschaftlich unabhängiger zu machen. Das könnte eine Möglichkeit sein“, ist sich der TSV-Boss sicher.

Diese Idee stößt der CSU-Stadtratsfraktion sauer auf, die sich weit aus dem Fenster lehnt, wenn sie für die ganze Stadt spricht. Zitat: „Die Errichtung eines Sportstudentenheims wird von der Stadt Dachau nicht unterstützt (...). TSV-Mitglied Norbert Siegl, Gemahl der 2. Vorsitzenden des Vereins, hielt dem einige Zitate, Willensbekundungen und Kommentare des Dachauer Stadtrats aus dem Jahr 2004 zur Aussiedlung des TSV 1865 Dachau entgegen. Im Saal war eine Mischung aus Unverständnis, Ärger und Wut zu spüren. Denn vor 13 Jahren war der Stadtrat geschlossen hinter einer Aussiedlung des TSV gestanden.  

Am Ende versuchte Wolfgang Moll, die zum Teil hitzigen Wortbeiträge der Jahresversammlung richtig einzuordnen. „Es ist schade, dass die Aussiedlung noch immer so diskutiert werden muss. Die großartigen sportlichen Leisten finden kaum Beachtung, allerdings haben wir ein großes Auge darauf. Wenn wir weiter so zusammenarbeiten, dann braucht uns nicht bange zu sein“, so der TSV-Chef. „Und das Wichtigste überhaupt, trotz aller Widrigkeiten: Es macht Spaß mit allen im Verein“, stellte Moll stolz fest.

Der Verein befindet sich im Spagat zwischen dem Ist-Zustand und der Zukunft. Wirtschaftlich ist den Sportlern von der Jahnstraße nichts vorzuwerfen, die Finanzen stimmen. Wenn sich jetzt nach 13 Jahren die Volksvertreter einen Ruck geben würden, dann ist nicht nur dem Verein gedient, sondern der gesamten Stadt Dachau.

hae

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