Leiterin Karin Mayer und ihre Kollegin Julia Geisenhofer zeigen, welche Schätze es im Caritas-Gebrauchtwarenmarkt zu entdecken gibt.
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Leiterin Karin Mayer und ihre Kollegin Julia Geisenhofer zeigen, welche Schätze es im Caritas-Gebrauchtwarenmarkt zu entdecken gibt.

Caritas-Gebrauchtwarenmarkt in Dachau-Ost ist zum beliebten Treffpunkt geworden

Von Schnäppchenjägern und Klienten

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Dachau – Ein Regencape hat sie gerade anprobiert, aber die Größe stimmt nicht ganz. Macht nichts, die junge Frau sucht nicht gezielt, sondern ist zum Stöbern gekommen. Und war auch schon erfolgreich, „ganz tolle Kinderkleidung habe ich gefunden“. Regelmäßig kommt sie zum Caritas-Gebrauchtwarenmarkt. „Ich bringe Dinge her und schaue mich um. Die Mitarbeiter hier sind auch immer so freundlich.“

Tatsächlich finden sich in der unscheinbaren Halle am Rand des Gewerbegebiets in Dachau-Ost perfekt präsentiert Haushaltswaren, Kleidung, Bücher, Kleinmöbel, Spielsachen, aber auch Skurriles wie eine Motorrad-Lederkombi oder knallbunte High-Heels in Größe 38. Gemeinsam ist den Waren, dass Bürger sie zuvor ausrangiert und bei der Caritas abgegeben haben. Alles wird zu einem günstigen Preis verkauft – an Menschen, die rechnen müssen, an Kunden, die nachhaltig denken, an Schnäppchenjäger und Sammler, die das Besondere suchen.

Auch Gudrun Tritt kommt regelmäßig, und zwar aus Überzeugung. Sie bringt Ausrangiertes und schaut sich um. „Die Kinder wachsen so schnell heraus, und hier gibt es alles, auch hochwertige Markenware.“ Auch mal Second-Hand zu kaufen, findet sie sinnvoll und nachhaltig. „Und vom Caritas-Projekt bin ich ebenfalls begeistert.“ Denn, das wissen nicht alle, die mittwochs in den Regalen stöbern, geht es beim Gebrauchtwarenmarkt der Caritas nicht allein um den Recyclinggedanken.

Vielmehr steht hinter dem Second-Hand-Markt auch ein Arbeitstraining für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Das Vorhaben ist Teil der Tagesstätte ProBe, die im Caritas-Zentrum den Betroffenen eine geregelte Tagesstruktur, Freizeitangebote und eben das Arbeitsprojekt bietet. Gemeinsam mit Caritas-Mitarbeitern organisieren die Klienten den Laden, kümmern sich um die Annahme der Waren, sortieren, klassifizieren, recherchieren realistische Verkaufspreise, räumen ein, um und auf. Am Mittwoch, dem Verkaufstag, erklären sie die Ware, führen Verkaufsgespräche, verhandeln den Preis.

Wer von den Frauen und Männern, die zwischen all den Gläsern, Töpfen, T-Shirts, Nippes-Figuren und Bücherregalen herumwuseln, nun ein Caritas-Mitarbeiter, wer ein Klient des Arbeitsprojekts ist, das lässt sich nicht erkennen. Und genau diese integrative Zusammenarbeit ist auch das Ziel.

Über die Woche arbeiten bis zu 30 Klienten in der Halle, „hinter den Kulissen oder im Verkauf“, erklärt Sozialpädagogin Karin Mayer, Leiterin des Arbeitstrainings. Bei einem Probearbeiten werde geschaut, welche Tätigkeiten die Klienten ausführen können, „das lässt sich sehr individuell gestalten“.

Wie wichtig für Betroffene die berufliche Aufgabe ist, erzählt Franziska M. (Name geändert), die gerade einer Kundin hilft, ihre Einkäufe zu verstauen. Schon seit 2002 arbeitet sie im Caritas-Gebrauchtwarenmarkt, der zu dieser Zeit noch im alten Feuerwehrhaus in der Frieden- straße untergebracht war. „Dieses Projekt war damals ganz wichtig für mich. Denn ich war da nur daheim, bin gar nicht mehr rausgegangen.“ Anfangs arbeitete sie mehr im Hintergrund, erzählt Franziska M., „Verkaufsgespräche und Preisverhandlungen waren erst schwierig“. Doch über die Jahre sei sie reingewachsen in die Aufgabe, habe sich mehr zugetraut, an Selbstbewusstsein gewonnen. Heute hat sie „ihre“ Abteilung souverän im Griff, geht offen um mit ihrer Tätigkeit im Caritas-Projekt. „Ich erlebe es gar nicht mehr als Arbeit, wir sind hier eine tolle Gemeinschaft.“

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