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Wieder eine weniger: Traditions-Metzgerei schließt - Experte nennt Gründe für Betriebe-Sterben

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Von: Nikola Obermeier

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Schließt zum Jahresende: die Metzgerei Glas in der Mittermayerstraße.
Schließt zum Jahresende: die Metzgerei Glas in der Mittermayerstraße. © hab

Wieder schließt eine Metzgerei im Landkreis Dachau. Laut Obermeister gibt es verschiedene Gründe für das Sterben der Metzgereien.

Dachau – Seit über 100 Jahren gibt es die Metzgerei Glas in Dachau. Dass dieser Traditionsbetrieb in der Mittermayerstraße zum 31. Dezember dieses Jahres schließt, ist ein herber Verlust für die Stadt. Die Mitarbeiter wurden Anfang Oktober über die Schließung informiert und zum Jahresende gekündigt, wie die Dachauer Nachrichten aus zuverlässiger Quelle erfahren haben.

Immer mehr Metzgereien schließen im Landkreis - OB erklärt wieso

Zwölf Betriebe haben in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Dachau aufgehört, wie Werner Braun, Obermeister der Metzger-Innung, sagt. Die Ursachen dafür sind häufig der Personalmangel, was unter anderem auch die Metzgerei Glas betrifft. In vielen Betrieben fehlt außerdem ein Nachfolger. Und dann sind da noch die Auflagen, „wobei die erfüllbar sind“, so Braun. Der Obermeister führt selbst eine Metzgerei und ein Wirtshaus in Wiedenzhausen und weiß, wovon er spricht.

„Wir brauchen Manpower und Verkäuferinnen, aber wir finden nur sehr schwer Mitarbeiter“, so Braun. Dass es an Nachwuchs fehlt – sowohl an Kaufmännern und Kauffrauen im Nahrungsmittelhandwerk als auch an Metzgern – ist laut Braun ein gesellschaftliches Problem. Für viele junge Menschen habe der Handwerksberuf heute kein hohes Ansehen mehr. „Und dass wir natürlich grundsätzlich ein Imageproblem haben, ist auch ein Thema“, so Braun. Viele denken, Metzger seien blutrünstige Killermaschinen, „aber das trifft natürlich nicht zu“, so Braun.

OB Braun: „Bei der Politik ist der Stellenwert des Handwerkers nur theoretisch hoch“

Es gehe in dem Beruf sehr viel um die Zubereitung von Speisen, Kochen und die Lebensmittelherstellung. Zum Teil „haben wir selbst versäumt, das richtige Bild zu transportieren, aber auch bei der Politik ist der Stellenwert des Handwerkers nur theoretisch hoch“, so Braun. Beispielsweise würde er sich bessere Rahmenbedingungen wünschen für Betriebe, die ausbilden.

Er ärgert sich oft über Entscheidungen von Politikern, denen der Zugang zum Handwerk fehlt: Der kleine Handwerker werde unter Generalverdacht gestellt, Steuern zu hinterziehen – Stichwort Bonpflicht –, während große Unternehmen ihre Gewinne im Ausland versteuern. Grundsätzlich aber seien laut Braun die behördlichen Auflagen erfüllbar – „und man kann hier bei uns mit den Behörden reden“, so Braun.

Der Obermeister fürchtet allerdings, dass in zehn Jahren „Feuer unterm Dach“ sein wird wegen des Nachwuchsmangels im Handwerk. Die Zahlen der Lehrlinge seien seit Jahren rückläufig – wobei die dieses Jahr Anlass für ein wenig Hoffnung geben: Zehn Auszubildende gibt es im Bereich der Innung Dachau-Freising bei den Metzgern, doppelt so viele als vor zwei Jahren.

Viele Menschen werden die Metzgerei Glas vermissen

Auch was die Metzgerdichte angeht, sieht es im Landkreis Dachau noch gut aus: Derzeit gibt es 28 Metzgereien im Landkreis, im Bereich der Innung Dachau-Freising sind es 48. „Wir werden bayernweit beneidet für die Metzgerdichte.“

Das kommt möglicherweise auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Metzgerei Glas zugute. Sie kommen in anderen Betrieben unter. Die zahlreichen Kunden, viele Menschen aus Dachau und Umgebung aber werden die Metzgerei Glas vermissen. Wer hier sein Fleisch und seine Wurst kauft, weiß, dass er gute Qualität erhält.

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