Der Astrazeneca-Impfstoff.
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Der Astrazeneca-Impfstoff wird derzeit in Deutschland nicht verimpft.

Impfprogramm des Landkreises Dachau gerät durcheinander

Wegen Astrazeneca-Stopp: Keine Impf-Hausbesuche mehr

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Dachau – Endlich wäre es richtig gut gelaufen im Landkreis: die Impfzentren gut ausgelastet, die Prio-I-Gruppe der Hochbetagten so gut wie durchgeimpft, die Impf-Hausbesuche bei den bettlägerigen Menschen sowie die Praxis-Impfaktionen für pädagogisches und medizinisches Personal beliebt und gut angenommen. „Allein mit den Hausbesuchen hätten wir in dieser Woche noch 200 Dosen verimpft“, seufzt Dr. Christian Günzel, Versorgungsarzt im Landkreis.

Doch am Montag wurde dieser Lauf jäh beendet. Vor allem für das Impfprogramm außerhalb der Impfzentren in Dachau und Karlsfeld bedeutet der Stopp von Astrazeneca einen tiefen Einschnitt. Günzel war „von dieser Entscheidung schon ein bisschen überrascht, ehrlich gesagt“. Allerdings hält er den Schritt auch für „konsequent“, nachdem es „Hinweise auf eine schwere, wenn auch seltene Erkrankung“ in Verbindung mit dem Vakzin gegeben habe. Man dürfe einfach „kein Risiko“ eingehen.

Im Landkreis Dachau wurden Günzel zufolge bislang 4200 Menschen mit Astrazeneca erstgeimpft. Die Erfahrungen seien gut gewesen, „wir hatten Leute, die sehr zufrieden waren mit Astrazeneaca“, berichtet der Mediziner. Bei den älteren Geimpften seien so gut wie „keine relevanten Nebenwirkungen“ aufgetreten, jüngere hätten dagegen stärker reagiert: „Wir haben robuste Nebenwirkungen in Form von Fieber und Gelenkschmerzen festgestellt“, die nach ein bis vier Tagen jedoch wieder verschwunden seien.

Nebenwirkungen nicht ungewöhnlich

Allerdings seien Nebenwirkungen bei Impfungen nichts Ungewöhnliches, wie Günzel betont. Auch der Biontech-Pfizer-Impfstoff habe mit Müdigkeit und Kopfschmerzen Begleiterscheinungen gezeitigt; im Gegensatz zu Astrazeneca seien diese jedoch erst nach der Zweitimpfung aufgetreten. „Da haben das die Geimpften nicht so mitbekommen, die haben sich ins Bett gelegt und geschlafen“, so Günzel.

Da aufgrund der vergleichsweise einfachen Handhabung des Astrazeneca-Impfstoffs vor allem die Impf-Hausbesuche sowie die Impfungen in den Arztpraxen damit abgewickelt wurden, müssen diese Termine nach dem am Montag verhängten Impfstopp nun in nächster Zeit ausfallen. In den Impfzentren, wo hauptsächlich Impfstoff der Hersteller Biontech-Pfizer und Moderna verabreicht wird, dürfte Günzel zufolge der Betrieb in den nächsten Tagen aber noch wie geplant weiterlaufen.

Sollte der Impfstopp von Astrazeneca jedoch noch länger dauern, müssen die Verantwortlichen umplanen: „Wir müssen schauen, was wir an Impfstoff bekommen und neu priorisieren.“ Denn, klar, noch immer sind nicht alle Lehrer geimpft, „auch die Behinderteneinrichtung Schönbrunn wäre nächste Woche dran gewesen“. Ursprünglich wären diese Personengruppen mit dem dezentral einsetzbaren Astrazeneca versorgt worden; nun benötigen sie anderen Impfstoff. Vorfahrt, betont der Versorgungsarzt, „haben aber immer die Impfzentren“!

Günzel ist allerdings optimistisch, dass Astrazeneca bald wieder zugelassen wird, weshalb er sich auch nicht nicht allzu große Sorgen um die 4200 Zweitimpfungen macht, die ab Mitte April fällig werden. Viel mehr sorgt ihn der Imageschaden des seiner Meinung nach guten Impfstoffs. Denn, klar, „wer will sich jetzt noch mit Astrazeneca impfen lassen“?

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