Zwei Frauen, eine sitzt, die andere steht hinter ihr
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Gerda Riedel (rechts) engagiert sich seit Jahren für die Behindertenarbeit. In ihrem Garten in Neuhimmelreich malte sie zuletzt mit der sehbehinderten Sylvia Kettele.

Die bekannte Künstlerin Gerda Riedel ist verzweifelt

Wegen Corona steht sie vor dem Nichts

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Gerda Riedel war eine Pionierin in Sachen Kinder- und Kunsterziehung. Jetzt steht die Rentnerin vor dem Nichts. Sie kann sich ihr Wohnatelier nicht mehr leisten.

  • Die bekannte Künstlerin Gerda Riedel kann sich Dachau nicht mehr leisten
  • Wegen Corona brach ihre Haupteinnahmequelle weg
  • Enttäuscht von Stadtrat und Stadtverwaltung

Dachau – In den 80er-Jahren, als es noch üblich war, dass Kinder nach der Schule mittags nach Hause zur Mama gingen, hatte Gerda Riedel, geschiedene Mutter zweier Töchter, eine Idee: Warum nicht selbst dafür sorgen, dass die Kinder nach der Schule gut aufgehoben sind, mit anderen spielen und lernen können? Riedel gab sich selbst die Antwort, als sie 1984 die „Froschvilla“ gründete, einen weit und breit einzigartigen Privat-Hort, idyllisch gelegen hinter dem Wasserturm in der Altstadt.

Ihr pädagogisches Konzept lehnte Riedel an den Idealen der Henriette Schrader-Breymann (1827 - 1899) an, wobei das oberste Ziel stets lautete: in der „Froschvilla“ einen Ausgleich zum Leistungsdruck in der Schule zu schaffen. Neben Riedel kümmerten sich bald drei Erzieherinnen sowie ein Zivildienstleistender um die Grundschulkinder.

Doch 2011, nach 27 Jahren, war Schluss. Aus gesundheitlichen Gründen gab Gerda Riedel ihren Hauptberuf als Trägerin der „Froschvilla“ auf. Fortan wurde ihr bisheriger Zweitberuf, die Malerei, zum Haupt-Broterwerb.

Klar, sagt Riedel, sei ihr damals schon klar gewesen, dass es ohne ihr Einkommen aus der Froschvilla schwer werden dürfte, die 1000 Euro Miete für ihre Wohnung samt kleinem Atelier in Neuhimmelreich zu finanzieren. Doch durch den einen oder anderen Bilderverkauf, 430 Euro Rente im Monat sowie ihren Kunst-Unterricht an der Grundschule in Odelzhausen „hat es gerade so gereicht“.

Staatliche Corona-Soforthilfe ist aufgebraucht

Bis zum Frühjahr, als die Corona-Pandemie ihren Kunstkursen ein Ende setzte. Seitdem, sagt die 69-Jährige, habe sie außer der Rente kein regelmäßiges Einkommen mehr. Auch die Corona-Soforthilfe der Staatsregierung über 3000 Euro ist mittlerweile aufgebraucht, sodass Gerda Riedel ihre Miete sowie ihren Lebensunterhalt nur noch dank ihrer Lebensversicherung bestreiten kann. Deren Reserven sind jedoch endlich. „Ab Oktober“, befürchtet die gebürtige Dachauerin, „bin ich in der Situation, dass ich meine Miete nicht mehr zahlen kann. Dann sind meine Rücklagen verbraucht – ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht.“

Was Gerda Riedel in diesem Zusammenhang besonders ärgert: Seit Jahren versucht sie schon, an eines der geförderten Künstlerateliers der Stadt zu kommen. Im Jahr 2018, als Thomas Veselys Wohnatelier in der Kleinen Moosschwaige frei und in drei Einzelateliers umgewandelt wurde, schien sie dann kurz vor dem Ziel.

Doch der Kulturausschuss des Dachauer Stadtrats entschied sich in nicht öffentlicher Sitzung kurzfristig für andere Bewerberinnen, was Riedel als „unfair“ und „eine Farce“ bezeichnet. Die drei Künstlerinnen, die ihr vorgezogen wurden, hätten „das geförderte Atelier gar nicht nötig. Die sind alle gut situiert!“

Kulturamtsleiter Schneider: Vergabekriterien sind transparent

Kulturamtsleiter Tobias Schneider betont jedoch, dass die Vergabe der Ateliers sehr wohl transparent und nach verschiedenen, wenn auch nicht festgeschriebenen Kriterien erfolge. So würden neben dem Renommee der Bewerber auch deren Engagement in der Künstlervereinigung Dachau (KVD) sowie „andere weiche Faktoren“ bewertet.

Gerda Riedel: „Ich bin nicht der Typ, der die Hand aufhält!“

Während Schneider betont, dass Gerda Riedel „auch weiter auf der Warteliste steht“, hat die 69-Jährige die Nase voll. „Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und habe mich hier engagiert.“ Sie sei nicht der Typ, der „herkommt und die Hand aufhält“. Nur leider sei sie hier in Dachau nur „bekannt in der Rolle der Gründerin der ,Froschvilla’, da war ich was Besonderes, eine Pionierin“. Aber wenn man dann „aussteigt, dann wird man schnell vergessen“.

Nun hat sie vor, ihr Wohnatelier in Neuhimmelreich aufzugeben und in eine kleine, günstige 45-Quadratmeter-Wohnung in Dachau-Süd zu ziehen. Für ihre Malerei sucht sie separat ein kleines Atelier.

Wer einen entsprechenden Raum anzubieten hätte oder sich über Gerda Riedels Arbeit informieren möchte, kann unter www.atelierhora.de alles Wissenswerte finden.

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