29-jähriger Dachauer muss ins Gefängnis

Ein Bilderbuch-Bewährungsversager

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Mehrere Vorstrafen, eine angeschlagene Gesundheit, und die Gattin pflegt eine lesbische Beziehung: Für einen 29-jährigen Dachauer kam es richtig dicke. Seine Reaktion bringt ihn nun ins Gefängnis.

Dachau – Einen Verteidiger brachte der Angeklagte nicht mit, sein einziger Begleiter war der Polizist, der ihn vom Gefängnis im rheinland-pfälzischen Wittlich aus ins Dachauer Amtsgericht eskortierte.

Die Sachlage schien auch ziemlich klar: Von seinem Mobiltelefon aus hatte der 29-Jährige laut Anklageschrift seine damalige Ehefrau massiv bedroht. „Es kann passieren, dass du heute erschossen wirst“, lautete eine der Whatsapp-Nachrichten, die er im vergangenen Juli an die 24-Jährige schickte. Eine andere, geschrieben am 22. Juli, exakt ein Jahr nach dem Amoklauf in München, lautete: „Heute ist Payday, ihr verdammten Wixer. Ihr werdet alle zugrunde gehen!“ Besonders besorgniserregend, auch für den Chef der jungen Frau, die in einer Münchner Discothek arbeitete und die ihren Arbeitgeber von den Belästigungen unterrichtete, war schließlich diese Nachricht: „Bist du schon mal aus einem brennenden Club gelaufen?“

Im Zeugenstand erklärte der Club-Betreiber, dass er diese Nachricht als richtig bedrohlich empfunden habe. Deshalb habe er auch die 110 gewählt, um zu fragen, „wie ich mich jetzt zu verhalten habe“? Die Polizei nahm die Sache ebenfalls ernst: Mit „Gewehren im Anschlag“, so der Zeuge, seien die Beamten bei ihm aufmarschiert und hätten sein Lokal sowie die Gäste an jenem Abend gesichert.

Die Ehefrau sagte ebenfalls gegen ihren Mann aus – obwohl sie dies, rein rechtlich gesehen, nicht hätte tun müssen. „Wir sind nicht mehr zusammen“, erklärte die Dachauerin jedoch. Seit knapp einem Jahr lebe sie schon bei ihrer Lebenspartnerin. In der Ehe habe es Gewalt gegeben, berichtete sie weiter, mehrmals habe sie die Polizei verständigen müssen. Neben den Schlägen habe der Gatte sie außerdem bedroht und Nacktbilder von ihr verschickt. Letzten Juli aber sei die Situation „völlig eskaliert“. Ob sie Angst gehabt habe, wollte der Vorsitzende Richter Christian Calame wissen. „Ja, für mich war er zu dem Zeitpunkt total unzurechnungsfähig, er hat auch meine Lebensgefährtin bedroht!“

Der Angeklagte selbst gab zu, die Nachrichten geschrieben zu haben. Allerdings habe er sie einerseits doch nicht so gemeint und andererseits hätte seine Frau ja ohnehin Suizidgedanken gehabt.

Richter Calame mochte diese Ausreden des Angeklagten nicht gelten lassen. Zehn Mal war der 29-Jährige bereits – auch zu Haftstrafen – verurteilt worden, unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahl, Bedrohung, Beleidigung, Betrug sowie Nötigung. „Sie sind ein Bewährungsversager, wie er im Buche steht“, schimpfte Calame, „schneller kann man nicht rückfällig werden!“ Er verurteilte den 29-Jährigen daher zu einer Haftstrafe von fünf Monaten. „Jetzt“, so Calame, „ist auch Ihr Payday gekommen!“

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