Das alte Bahnhofsgebäude soll erhalten werden. Davor und drum herum wird es künftig aber zahlreiche massive Neubauten geben. Der Busbahnhof wird in Zukunft wohl entlang der Frühlingstraße zu finden sein.
+
Das alte Bahnhofsgebäude soll erhalten werden. Davor und drum herum wird es künftig aber zahlreiche massive Neubauten geben. Der Busbahnhof wird in Zukunft wohl entlang der Frühlingstraße zu finden sein.

Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs muss überarbeitet werden

Dachauer Bahnhof: Weite Wege zwischen Bus und Bahn

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
    schließen

Um den Dachauer Bahnhof fit zu machen für die Zukunft, hatte die Stadt im Sommer einen Ideenwettbewerb ausgelobt. 13 Vorschläge gingen ein, doch so richtig überzeugen konnte keiner. Der Siegerentwurf muss nun überarbeitet werden, und anders als vom Stadtbauamt geplant, will dabei auch der Stadtrat mitreden.

Dachau – Jahrelang wurde über die künftige Gestaltung des Bahnhofs beziehungsweise dessen Vorplatz gestritten und gerungen, am Ende stand im vergangenen Juni ein Kompromiss. Die Stadt bekommt ihren Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) mit mindestens 26 Stellplätzen, ein neu gestaltetes Empfangsgebäude sowie – davor – Platz für Taxis, Kiss & Ride und überdachte Fahrradabstellanlagen, ein öffentliches WC, eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter dem Bahndamm sowie eine zentral gelegene Tourist-Info.

Im Gegenzug darf die Bahn ihre Grundstücke zumindest ein bisschen versilbern: indem sie Mitarbeiterwohnungen baut und Einzelhandelsflächen in der Frühlingstraße verwirklicht. Neben einer Nutzung des Postgeländes stehen auf der Wunschliste der Bahn nun kleinere Läden sowie ein Hotel.

Fertig werden sollte diese „Mobilitätsdrehscheibe“, wie Oberbürgermeister Florian Hartmann das Großprojekt nennt, wenn möglich schon in den nächsten fünf Jahren. Die 13 Architektur- und Planungsbüros, die sich an dem im Juli gestarteten städtebaulichen Ideenwettbewerb beteiligt hatten, wussten also, dass sie erstens nicht übermäßig viel Zeit zur Verfügung haben werden – und zweitens auch nicht übermäßig viel Raum: Die Vorstellungen von Stadt und Bahn sind in dem schmalen Planungsumgriff nur schwer unterzubringen.

Insofern, betonte Bauamtsleiter Moritz Reinhold am Mittwoch in der jüngsten Ferienausschusssitzung, habe die Jury bei der Bewertung der 13 Vorschläge „Kompromisse eingehen“ und am Ende „einen Tod sterben“ müssen. Die Vorstellungen des Preisgerichts am ehesten traf dabei das Kölner Büro Astoc Architects and Planners, das den bestehenden Bahnhof erhalten will und den Platz beziehungsweise dessen Umfeld mit mehreren mehrstöckigen Gebäuden ergänzt; der Busbahnhof entsteht nach diesen Plänen relativ versteckt hinter mehreren Baukörpern entlang der Frühlingstraße.

Oberbürgermeister Florian Hartmann gab zu, dass „jede Idee ihre Nachteile hat“ und keiner der eingereichten Entwürfe „so, wie er gezeichnet wurde, umzusetzen ist“. Deshalb, so Reinhold, werden sich Bauverwaltung und Bahn mit dem Architekturbüro ins Benehmen setzen und „Überarbeitungshinweise“ geben. Diese Hinweise, die Reinhold während der Sitzung im Schnelldurchlauf zusammenfasste, betreffen beispielsweise „den Abstand zwischen L-Gebäude (Neubau I) und dem historischen Bahnhofsgebäude“, die „Schaffung einer zusätzlichen, separaten Fahrradunterführung in Richtung Osten“ oder eine „Verbreiterung der ZOB-Zufahrten im Süden und Norden“.

Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) ging das dann aber doch zu schnell: Bevor Reinhold diese Hinweise an die Architekten gebe, würde sie die doch bitte noch in den Fachausschüssen besprechen. Die Entwürfe „werden für Jahrzehnte das Stadtbild prägen. Wenn wir uns jetzt nicht Zeit nehmen, könnte was dabei rauskommen, wofür uns spätere Generationen schelten. Von Murks will ich noch gar nicht reden“. Was Schmidt-Podolsky am meisten beunruhigte: dass der Weg vom künftigen Busbahnhof zu den Gleisen „drei bis viermal so lang sein wird wie jetzt“. Attraktiver werde der öffentliche Nahverkehr dadurch bestimmt nicht.

Auch Peter Strauch (CSU) fand, dass angesichts der bisherigen Dauer des Projekts – rund sieben Jahre – es nun auf einen Monat auch nicht mehr ankomme. „Wir haben Zeit, das in den Fachausschüssen zu diskutieren.“ Florian Schiller (CSU) hatte ebenfalls „Bauchweh“ angesichts der Wegelängen: Schließlich solle dort eine „Verkehrsdrehscheibe“ entstehen. Jürgen Seidl (FDP) konnte seine Kollegen verstehen: Auch wenn es nur ein Entwurf sei, „geben wir hier schon eine Richtung vor, die später nicht mehr abänderbar ist. Das ist ein Jahrhundert-Projekt, dafür sollte man sich Zeit nehmen“.

OB Hartmann gab am Ende nach: Die von der Bauverwaltung gewünschte Vorgehensweise „durchzudrücken“, mache angesichts der Wichtigkeit des Vorhabens keinen Sinn. Nun soll also in einer gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und Verkehrs- sowie des Bau- und Planungsausschusses der Siegerentwurf noch einmal genau betrachtet und festgelegt werden, mit welchen Änderungsvorschlägen die Stadt an die Planer herantritt. Anschließend wird es eine öffentliche Bürgerversammlung geben, in der die Pläne vorgestellt werden.

Ungewöhnlich versöhnliche Worte ergingen am Ende in Richtung Bahn: Die Zusammenarbeit vor, während und nach dem Ideenwettbewerb sei „hervorragend“ gewesen. Dies, gab Hartmann zu, höre man selten von ihm, „aber wenn es mal so weit ist, dann kann ich das auch sagen“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare