Pipi-Move: Die Spieler feiern nach dem Schlusspfiff völlig losgelöst im Fürther Ronhof.

FC Pipinsried steigt in die Regionalliga auf

Welch ein Triumph!

Der FC Pipinsried ist nach dem 3:2 gegen Greuther Fürth II in die Regionalliga aufgestiegen. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte wurde gefeiert, dass die Wände des Vereinsheims wackelten. Doch was kommt nun? Zwei Begegnungen mit 1860 München? Vielleicht. Allerhand Probleme? Ganz sicher.

Pipinsried – Was für ein Anblick könnte das sein: Hasan Ismaik und Konrad Höß sitzen gemeinsam auf der Tribüne des Pipinsrieder Fußballstadions bei der Regionalliga-Partie des FCP gegen die Löwen. Hier der stämmige Immobilien-Krösus, der seit 2011 bei rudimentärem Fußballsachverstand Millionen in den TSV 1860 gepumpt hat. Dort der ehemalige Milchprüfer mit der Karl-Valentin-Statur, der als phänomenaler Kenner der Kickerszene hierzulande seit 1967 Euro um Euro gesammelt hat, um einen Dorfklub am Leben zu erhalten. Vorerst ist das nur ein schöner Gedanke. Denn fix ist nur eines: Der FC Pipinsried spielt nach dem Relegationsdrama gegen die SpVgg Greuther Fürth II (1:1 und 3:2 nach Verlängerung) in der kommenden Saison in der vierthöchsten deutschen Fußballklasse. Der deutsche Meister von 1966 hingegen könnte nach dem verlorenen, skandalösen Abstiegsduell gegen Jahn Regensburg möglicherweise in die Bayernliga durchgereicht werden.

Ein wenig Bammel vor der Regionalliga hat der FCP-Präsident schon. Vor Gegnern wie dem FC Bayern München II oder dem FC Augsburg II und: den Regularien des Bayerischen Fußballverbandes. „Ich weiß, was auf mich zukommt. Doch ich weiß nicht, ob ich alles bewältigen kann“, gibt Konrad Höß zu. Ein Zurück gibt es keinesfalls. „Wir können nicht mehr absagen, sonst werden wir in die B-Klasse zurückgestuft.“ Die laut des Präsidenten „völlig überzogenen“ Auflagen (getrennter Block für Gästefans), des Bayerischen Fußballverbandes für die höhere Liga „kriegen wir hin“, so Höß. Sollten die Sechziger ihr Startrecht in der Regionalliga wahrnehmen dürfen, stellt sich bei einem Vergleich FCP gegen 1860 die Frage: Wohin mit Tausenden von Fans? Das FCP-Stadion bleibt, wie es ist. Müssen sich die Anhänger also gegenüber der Tribüne auf dem so genannten Gegenacker horten? Oder müssen sie gar auf die Bäume hinter dem Tor kraxeln, um einen Blick aufs Spielfeld zu erhaschen? Konrad Höß lässt das momentan noch völlig kalt. Auch das „kriegen wir hin“, sagt er nur. Der Mann ist entspannt.

Das war Höß auch am Pfingstmontag beim entscheidenden 3:2-Sieg seiner Mannschaft gegen die SpVgg Greuther-Fürth II im Rückspiel der ersten Relegationsrunde im altehrwürdigen Ronhof. Er verfolgte das Geschehen gemütlich zu Hause via Liveticker auf der Webseite des Bayerischen Fußballverbandes. Hätte der FCP verloren, „hätte ich mich gefreut, noch ein Relegationsheimspiel zu haben“ – vor allem wegen der zu erwartenden zusätzlichen Einnahmen.

Aber soweit kam es nicht, da der FCP in Fürth das beste Spiel der letzten Jahre hinlegte, wie viele meinten. 400 bis 500 Fans der Truppe um Spielertrainer Fabian Hürzeler waren unter den 1400 Zuschauern. „Sensationell!“, so Höß. Nach dem Triumph, den Ati Lushi, Thomas Berger und Ruben Popa (Elfmeter) mit ihren Toren herausschossen, kehrte der Tross am Montag gegen 22 Uhr nach Pipnsried zurück – und machte aus dem Sportheim eine Achterbahn. „Es waren noch nie so viele Leute da“, beobachtete Höß. Und es waren am Vormittag nach der großen Sause noch nie so viele zurückgelassene Autos auf dem Parkplatz zu sehen. „Ich muss eine extra Putzfrau einstellen, um das Sportheim wieder sauber zu kriegen“, sagt der Präsident.

Einer der Überlebenden des nächtlichen Spektakels ist Landrat Stefan Löwl. Er sprach von einem tollen Empfang der Mannschaft in der Heimat. Spielertrainer Fabian Hürzeler habe in einer kurzen Rede Spielern, Betreuern, Präsidium und Fans gedankt. Dann sei das Freibier der Altomünsterer Brauerei Kappler in Strömen geflossen, dazu gereichte Pizzen seien in rekordverdächtiger Geschwindigkeit mit dem Gerstensaft hinuntergespült worden. Ein Teil der Mannschaft zog danach um nach München und feierte in Clubs die ganze Nacht hindurch seinen Triumph.

Und es war ein Triumph des Teams. „Es waren Spiele auf Augenhöhe. Die Mannschaftsleistung der Pipinsrieder war besser, Fürth hatte die besseren Einzelspieler“, so Landrat Löwl, der beide Begegnungen im Stadion verfolgte. Für Spielertrainer Hürzeler ist der Aufstieg schlicht „total verdient“. Man müsse nämlich bedenken, dass der FCP nach dem sechsten Spieltag in der Bayernliga Letzter war. Ein paar Tage Ruhe will sich der Coach gönnen. „Dann gehen die Planungen weiter. Einen Urlaub habe ich nicht gebucht.“

Auf eine gute Mannschaftsleistung wird es auch in der Regionalliga ankommen. Dieser Herausforderung werden sich einige der Aufstiegshelden stellen. Der FCP wird mit dem Grundgerüst der jetzigen Mannschaft in die neue Runde gehen, wie Präsident Höß sagt. Bereits im Winter hatte der Verein mit Erfolgstrainer Fabian Hürzeler verlängert. Und laut Präsident Höß habe der FCP weitere Leistungsträger an sich gebunden. Natürlich wird es auch Veränderungen geben. Welche, das liegt wie immer in seinen Händen. 50 Jahre macht Höß das nun schon. In diesem Jahr fühlt es sich dennoch anders an: nach der Erfüllung des Lebenstraums des 76-Jährigen.

Thomas Zimmerly

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