Deutlich nach unten zeigt die Kurve mit den Straftaten in den vergangenen Jahren im Landkreis Dachau.
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Deutlich nach unten zeigt die Kurve mit den Straftaten in den vergangenen Jahren im Landkreis Dachau.

Kriminalitätsstatistik der Polizei

Landkreis Dachau: Weniger Gewalt, weil weniger Veranstaltungen

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Die Zahl der Straftaten im Landkreis Dachau ist im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent zurückgegangen. Das ist der jüngsten Kriminalstatistik zu entnehmen. Die Polizeiinspektion Dachau spricht grundsätzlich von einem „normalen“ Jahr. Doch in einem Bereich war 2020 außergewöhnlich.

Landkreis – Im Jahr 2020 wurden im Landkreis Dachau 4587 Straftaten polizeilich registriert (ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte). Dies entspricht einem Rückgang um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2019. Die Kriminalitätsbelastung betrug damit 2961 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Der Vergleichswert für den gesamten Freistaat Bayern beträgt 4528 Delikte.

Ohne Berücksichtigung ausländerrechtlicher Delikte ergibt sich für den Landkreis Dachau eine Kriminalitätsbelastung von 2852 Straftaten pro 100 000 Einwohner (Gesamt-Bayern: 4291). Von ausländerrechtlichen Delikten spricht die Polizei dann, wenn nur ein Ausländer die Straftat begehen kann – etwa nach dem Ausländergesetz oder dem Asylverfahrensgesetz.

Bei Betrachtung der vergangenen zehn Jahre liegt die Zahl der Straftaten 2020 erneut weit unter dem Durchschnittswert von 5159 Straftaten. Um 2,2 Prozent gestiegen gegenüber 2019 ist hingegen die Aufklärungsquote: auf 65 Prozent. Anhand dieser Zahlen spricht Erster Polizeihauptkommissar Björn Scheid von der PI Dachau von einem „normalen“ Jahr 2020.

Den größten Anteil an den erfassten Straftaten nehmen mit 24,7 Prozent die Diebstahl-Delikte ein. Bei 15,6 Prozent handelt es sich Vermögens- und Fälschungsdelikte. Erst danach kommen die Körperverletzungsdelikte mit einem Anteil von 12,2 Prozent. Hier gab es einen satten Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 7,9 Prozent. Der Hauptgrund: Corona. „Die nicht stattgefundenen Veranstaltungen haben uns entlastet“, begründet Scheid den Rückgang bei den Körperverletzungen. Vor allem das ausgefallene Dachauer Volksfest mit seinen alkoholbedingten Konflikten sei hier zu nennen, so Scheid.

Mit drei Tötungsdelikten musste sich die Polizei befassen. Das war einmal die tödliche Messerattacke einer 34-jährigen Frau auf ihren 27-jährigen Lebensgefährten in Petershausen im November 2019. Der Fall zählt zur Statistik 2020, weil erst in diesem Jahr die Ermittlungen abgeschlossen worden seien, klärt Scheid auf. Als versuchte Tötungsdelikte stufte die Polizei zwei Vorfälle ein. Einmal die Attacke eines 23-Jährigen in seiner Dachauer Wohnung auf einen 39-jährigen Bekannten im Juni 2020. Hierbei nahm der Täter eine Bratengabel zur Hand und verletzte sein Opfer schwer. Der zweite Vorfall betrifft einen Messerangriff eines 35-Jährigen auf einen 31-jährigen Mitbewohner in der Asylbewerberunterkunft in Vierkirchen im März 2020.

Die restlichen Straftaten teilen sich wie folgt auf: 106 Sexualdelikte (plus 19,1 Prozent im Vergleich zu 2019), 1133 Diebstähle (plus 1,2), 560 Körperverletzungen (minus 7,9), 695 Sachbeschädigungen (plus 4), 341 Rauschgiftdelikte (plus 29,7), 203 Ladendiebstähle (plus 69,2), 327 Fahrraddiebstähle (plus 16,4). Die Zahl der registrierten Wohnungseinbruch-Diebstähle blieb mit 48 Fällen unverändert. Die Zahl der häuslichen Übergriffe ist mit 150 im Vorjahresvergleich (151) nahezu gleich geblieben.

Ohne Berücksichtigung ausländerrechtlicher Delikte beträgt der Ausländeranteil an den ermittelten Tatverdächtigen 39,7 Prozent – ein Anstieg um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuwanderer, das heißt Asylbewerber bzw. Personen mit Flüchtlingsstatus sowie illegal im Landkreis lebende Personen, sind mit einem Anteil von 10,1 Prozent aller Tatverdächtigen (minus 0,2) vertreten.

Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden (Personen unter 21 Jahre) an den ermittelten Tatverdächtigen liegt bei 20,2 Prozent (minus 1,4).

Straftaten in den einzelnen Gemeinden: Graffiti-Serie in Petershausen

Bei Betrachtung der einzelnen Gemeinden des Landkreises Dachau wurden im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Straftaten in Petershausen mit 41 Delikten pro 1000 Einwohner registriert. Hier mussten sich die Ermittler mit „über 20 Fällen von Graffiti-Schmierereien“ beschäftigen, so Polizeisprecher Björn Scheid. Es folgen: Dachau 40, Bergkirchen 39, Sulzemoos 34, Karlsfeld 31, Odelzhausen 29, Hebertshausen und Vierkirchen je 25, Indersdorf 24, Altomünster und Haimhausen jeweils 18, Röhrmoos 17, Erdweg und Weichs jeweils 16, Schwabhausen 15 sowie Hilgertshausen-Tandern und Pfaffenhofen jeweils 11. dn

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