Hageldurchsetzter Downburst: die Unwetterfront in der Nähe von Pullhausen.
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Hageldurchsetzter Downburst: die Unwetterfront in der Nähe von Pullhausen.

Blitzschlag und Verletzte

„Downburst“ fegte über Dachau - Superzelle entlud sich mit ganzer Wucht

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Eine Superzelle mit Downburst, wie Wetterexperten sagen, hat Mittwochabend über dem Dachauer Land ihr Unwesen getrieben. Das Unwetter hinterließ Spuren der Verwüstung.

  • Heftige Unwetter sind in der Wochenmitte über das Dachauer Land gefegt.
  • Eine Superzelle mit sogenanntem „Downburst“ sorgte für Verwüstung.
  • Ein Blitz schlug ein, Straßen waren überschwemmt.

Dachau – Wer am Mittwochabend kurz vor 19 Uhr bei der Anschlussstelle Dachau auf die Autobahn 8 in Richtung Stuttgart einbog, musste ein mulmiges Gefühl bekommen – denn er steuerte sein Gefährt geradewegs in einen immensen Platzregen. 20 Meter Sicht, zahlreiche Fahrzeuge rollten auf den Standstreifen oder blieben gar mitten auf der Fahrbahn stehen. Einige Lastwagenfahrer scherten sich nichts sondern aus – auf die linke der drei Fahrspuren. Das führte zu brenzligen Situationen, weil hinter ihnen einige Autos schneller fuhren.

Unwetter tobt über Dachau: BMW-Fahrer verliert Kontrolle und wird verletzt

Auf der Gegenfahrbahn war ein Wagen zu schnell. Ein 27-Jähriger aus Villingen im Schwarzwald verlor nach Angaben der Verkehrspolizeiinspektion Fürstenfeldbruck zwischen Adelzhausen und Odelzhausen wegen Aquaplanings die Kontrolle über seinen BMW und touchierte die Mittelleitplanke. Der Mann wurde vom sich öffnenden Airbag leicht verletzt, seine 21-jährige Beifahrerin nicht. Schaden am BMW: rund 10 000 Euro.  

Superzelle mit Downburst: Wetter-Phänomen sorgt um Dachau für Verwüstung 

„Superzelle mit Downburst“ sagen Wetterexperten wie Christian Fischer zu dem beunruhigenden Geschehen mit Starkregen und Hagelkörnen mit bis zu zwei Zentimetern Durchmesser, das sich gestern Abend am Himmel über dem Dachauer Land abspielte. Eine Superzelle ist eine rotierende Gewitterzelle, die langlebig und kräftig ist. Von einem Downburst spricht man, wenn eine Böe rasch nach unten fällt. „Westlich von uns hat sich die Gewitterfront formiert. Den Bereich südlich des Assenhauser Bergs hat es besonders erwischt“, sagt Fischer, der sich selbst mitten im Geschehen aufhielt.

Heftige Unwetter mit Downburst bringen Bäume zu Fall - Dachauer Feuerwehren im Dauereinsatz

Doch nicht nur der Bereich nördlich von Dachau war betroffen. Auch in Günding beispielsweise tobte das Gewitter. Die Freiwillige Feuerwehr mit Kommandant Josef Grain an der Spitze war rasch zur Stelle, um vorübergehend die Verbindungsstraße von Bergkirchen nach Günding für den Durchgangsverkehr zu sperren, einen Baum aus dem Weg zu räumen und herabhängende Äste abzusägen und zu entfernen. Doch das war beileibe nicht der einzige Einsatz der Brandschützer. Insgesamt 15 notierte Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser.

Zweimal wurden die Retter zu Überschwemmungen gerufen. In Dachau war die Fahrbahn nahe der Würmmühle geflutet, in Sittenbach die Straße unpassierbar.

Blitzschlag nach Unwetter mit Superzelle: Anwohner hatten Glück im Unglück

Weiter hatte ein Hausbesitzer in Prittlbach einen voll gelaufenen Keller zu beklagen. Auch hier waren die örtlichen Kollegen von der Feuerwehr schnell zur Hand.

Brenzlig wurde es im wahrsten Sinne des Wortes in Hebertshausen: Ein Blitz schlug in ein Haus ein, und die Brandschützer mussten ausrücken, weil die Hausbesitzer Brandgeruch wahrnahmen. „Es war allerdings nur der Sicherungskasten beschädigt“, so Reimoser. Ein Feuer sei nicht ausgebrochen, das hätten genaue Untersuchungen mittels einer Wärmebildkamera ergeben.

Trotz heftiger Superzelle: Landkreis Dachau „gut davon gekommen“

Die übrigen Anstrengungen der Einsatzkräfte beschränkten sich auf das Entfernen umgestürzter Bäume sowie herabhängender bzw. herabgestürzter Äste, so der Kreisbrandinspektor. Der Landkreis sei, rechne er alles zusammen, „glücklicherweise gut davongekommen“.

Gut davongekommen sind auch die Autofahrer, sieht man einmal vom Pechvogel aus dem Schwarzwald ab. „Bei uns war gar nichts bezüglich des Gewitters“, teilt Polizeihauptkommissar Günther Findl von der Polizei Dachau mit.

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Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen kam es im Laufe der Woche zu heftigen Unwettern. Ein heftiges Gewitter hat in und um Murnau für überflutete Straßen gesorgt - doch das war noch nicht alles.

Das Wetter in Bayern zeigte sich auch im Rest des Freistaats noch einmal richtig ungemütlich: Schwere Gewitter samt Hagel und Sturm zogen über das Oberland hinweg. Alle Entwicklungen lesen Sie auch in unserem Bayern-Wetter-Ticker.

zim

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