Sechs Menschen
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Vor fünf Jahren gegründet, sind Tagesklinik und Ambulanz der Kliniken des Bezirks Oberbayern (KBO) in Dachau heute fester Bestandteil im Versorgungsnetz. Sehr zur Freude von (v.l.) Professor Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor kbo-Isar-Amper-Klinikum, Franz Podlech, Geschäftsführer KBO-Isar-Amper-Klinikum, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Dr. Nicolay Marstrander, Chefarzt im KBO-Klinikum Fürstenfeldbruck und Dachau, Nina Tantarn, Pflegedienstleitung KBO-Klinkum Fürstenfeldbruck und Dachau, sowie Brigitta Wermuth, stellvertretende Pflegedirektorin KBO-Isar-Amper-Klinikum.

Dachauer Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie feiert Fünfjähriges

Wie ein Wurzelgeflecht

Dachau – Psychische Erkrankungen gehören genauso zum Menschen wie körperliche Leiden. Betroffene sollten deshalb in Wohnortnähe rasch und leicht erreichbar Behandlung und Unterstützung finden. Mit diesem Leitgedanken gründete der Bezirk Oberbayern mit seinen Kliniken (KBO) 2016 eine Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Dachau, die angebunden ist an das KBO-Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie Fürstenfeldbruck.

„Die Kernidee war, die klinische psychiatrische Versorgung zu den Menschen zu bringen, Stichwort Regionalisierung“, sagte Josef Mederer, Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender der KBO-Kliniken jetzt bei einem Pressegespräch zum fünfjährigen Bestehen von Ambulanz und Tagesklinik.

Mit diesem Konzept, das die Versorgung niederschwellig in das soziale Umfeld der psychisch Kranken holt, erwies sich der Bezirk Oberbayern Vorreiter. „Wir waren die ersten in Bayern und ganz Deutschland“, betonte Mederer, der sich persönlich engagiert für diesen Strukturwandel eingesetzt hat. Wo es früher drei stationäre Einrichtungen gab, können sich psychisch Kranke heute an 50 Standorten in Oberbayern behandeln, begleiten und betreuen lassen.

Die Dachauer Einrichtung versorgt 1200 Patienten im Quartal, erklärte Dr. Nicolay Marstrander, Chefarzt des KBO-Klinikums Fürstenfeldbruck und Dachau. Die Mehrzahl leide an einer Depression, aber auch Menschen mit Psychosen und Angststörungen suchen sich hier Unterstützung. Täglich kommen 25 Patienten in die Dachauer Tagesklinik, manche von ihnen fünf Tage die Woche, andere wöchentlich oder auch nur einmal im Quartal, je nach ihrem individuellen Bedarf. Die Tagesklinik biete „ein soziales Gefüge, das Halt gibt“, führte Marstrander bei einem Rundgang aus. Und zwar mit dem Ziel, Klinikaufenthalte zu vermeiden.

Was heute nicht mehr wegzudenken ist im Versorgungsnetz, brauchte anfangs einen langen Atem, wie Mederer erinnerte. Als 2001 die Idee erstmals diskutiert wurde, „waren psychische Erkrankungen noch stigmatisiert“. Gerade deshalb sei das niederschwellige Angebot in Wohnortnähe so wichtig. Da psychische Erkrankungen sogar zunehmen würden, brauche es „eine Tagesklinik und eine Institutsambulanz in jedem Landkreis“. Ergänzt werden die dezentralen Einrichtungen inzwischen auch durch ein rund um die Uhr besetztes Krisentelefon sowie einen mobilen, aufsuchenden Krisendienst. Gerade die Vernetzung der Hilfsangebote schafft eine Struktur, die sich auch in der Corona-Pandemie bewährt hat (siehe Kasten).

Und es gibt konkrete Überlegungen für eine Erweiterung des Angebots. In Dachau werden noch heuer weitere Räume angemietet, um Tagklinik und Ambulanz auszuweiten, erklärte Franz Podechtl, Geschäftsführer des KBO-Isar-Amper Klinikums.

Und noch differenziertere Angebote sollen „wie ein Wurzelgeflecht hineinragen in die Gemeinden“, fand Dr. Marstrander. Viel stärker als heute werden psychisch Kranke in Zukunft ambulant und in ihrem häuslichen Umfeld betreut werden, da ist sich der Chefarzt sicher. Klar sei: „Wir investieren nicht in stationäre Plätze, sondern wollen flexibler, kreativer und innovativer werden.“

Auch mit einer sogenannten „stationsäquivalenten Behandlung“, bei der Teams in die Wohnung der Patienten gehen. Und in einer alternden Gesellschaft wir es mehr gerontopsychiatrische, also auf Ältere ausgerichtete Angebote brauchen, denn die Zahl der Demenzkranken werde zunehmen, so Marstrander. „Wir sehen da einen Riesenbedarf, dem der Versorgungsbereich gerecht werden muss.“

Petra Schafflik

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