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Gerettet: Eins der sieben Rehkitze, die von einer Drohne bei Dorfen aufgespürt wurden.

Mahd im Landkreis Dachau

Drohnen können Rehkitze retten

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Rehkitze vor dem Mähwerk retten – das sollte das Ziel der Jäger, aber auch der Bauern sein. Denn immer wieder geraten junge Rehe bei der Mahd in die Maschinen. Die Lösung könnten Drohnen sein.

Landkreis– Sie ducken sich, wenn sie das Geräusch des Mähwerks hören, verstecken sich in der Wiese. Mit ihrer Reaktion schaufeln sich die jungen Rehkitze jedoch ihr eigenes Grab. Rund 100 000 Rehkitze sterben jedes Jahr durch das Mähwerk der Landwirte, schätzt der Bayerische Jagdverband. Erst in der vergangenen Woche sind sechs Kitze in einer Landkreisgemeinde durch das Mähwerk eines oder mehrerer Bauern gestorben (wir haben berichtet). Sie wurden einfach auf der Wiese liegen gelassen. Viele Bauern sahen sich danach unter Generalverdacht.

Doch nicht nur Landwirt Sebastian Rauch, 27, aus Niederroth betont: „Keiner bringt freiwillig ein kleines Reh um. Das ist einfach nur greislig.“ Die frisch geborenen Bambis auf den Wiesen zu finden, sei allerdings eine Herausforderung. Wenn jemand durch das Feld geht, verstecken sich die scheuen Tiere im hohen Gras. Bisher hatte Rauch Glück: Auf seinen Wiesen rund um Niederroth ist noch nie ein Kitz in sein Mähwerk gekommen. Das glaubt er zumindest.

Denn viele Bauern haben heute „Großflächenfresser“, wie Rauch sie nennt, mit einer Breite von rund neun Metern hinter ihrem Traktor. Diesen Bereich im Blick zu haben „ist unmöglich“, sagt er. Dazu komme, dass die Mähwerke und der Traktor ziemlich laut sind. Nur durch Zufall hat er einmal entdeckt, dass ein Feldhase in seine Maschine geraten war. Denn nicht nur Rehkitze können Opfer der Mahd werden, sondern auch Fasane und Hasen.

Es gibt Möglichkeiten, die Tiere auf den Wiesen zu retten, sagt Ernst-Ullrich Wittmann, zweiter Vorstand des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau.

Eines sieht er aber als falschen Weg: Bauern zu verklagen, weil ein Reh in ihre Maschine geraten ist. Die Möglichkeit gebe es durch Paragraf 17 des Tierschutzgesetztes. Denn wer „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet“, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Die Landwirte seien deshalb rechtlich verpflichtet, das Feld vor der Mahd abzusuchen. Aber auch wenn sie einen Hund dabei haben, wird es schwierig: Denn „die jungen Kitze haben keinen Eigengeruch“, sagt er.

Deshalb helfen Vogelscheuchen, also Stöcke mit wehendem Plastik auf den Feldern. Denn davor haben die Rehgeißen Angst und trauen sich mit ihren Kitzen erst gar nicht in die Wiese. Eine andere Möglichkeit: Kofferradios, die am Abend vor der Mahd aufgestellt werden. Zudem gebe es elektronische Licht- und Tonscheuchen für etwa 80 Euro pro Stück, die am Feld aufgestellt werden können und durch Licht- und Tonsignale Kitze verscheuchen sollen. Diese Maßnahmen müssen die Bauern aber am Vorabend oder in den Tagen zuvor ergreifen.

Es gibt auch eine Maßnahme, die „schnell und kurzfristig hilft“, sagt Witmann: Drohnen. Bereits vor einem Jahr hat er die Drohne des Jagdverbandes ausgeliehen. Das Prinzip dahinter: In der Drohne steckt eine Wärmebildkamera, Bauern können mit der Drohne über das Feld fliegen und sehen auf einem Bildschirm, wo sich Rehe oder Feldhasen verstecken. Dadurch können sie die Tiere aufspüren und aus der Wiese befreien. Wittmann hat die Drohne im vergangenen Jahr mit einem Prittlbacher Landwirt auf einer Fläche von rund 20 Hektar getestet. Das Ergebnis: „Wir konnten drei Rehkitze retten“, sagt er. Doch eine Drohne mit Wärmebildkamera ist teuer: 10 000 Euro müssten die Bauern dafür hinblättern.

Für Landwirt Erich Oswald aus Günding wäre die Drohne aber eine echte Option. Er ist auch Sprecher derArbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften des Bauernverbandes im Landkreis und hatte im vergangenen Jahr bereits Kontakt mit einem Drohnen-Hersteller. Doch Oswald blieb skeptisch: „Die Suche mit der Drohne dauert länger als das Mähen selbst“, sagte ihm der Hersteller damals. Außerdem muss der Bauer zum Beispiel abends oder frühmorgens über das Feld fliegen, damit er die Wärmeunterschiede zwischen Außentemperatur und Reh-Innentemperatur sehen und das Kitz finden kann.

Doch die Technik entwickle sich ja immer weiter, deshalb wolle er in den nächsten Wochen einmal eine Drohne ausprobieren. Die 10 000 Euro dafür könnten die Jagdgenossenschaften im Landkreis nicht alleine stemmen, „aber vielleicht mit den Jägern zusammen.“ Eine Allianz, die Rehkitze retten könnte.´

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