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Die Eröffnungsrede bei der Weltklimakonferenz in Bonn hält am heutigen Freitag Willi Kirchensteiner aus Markt Indersdorf. Er wird seinen Solar-Funktionskoffer vorstellen. 

Willi Kirchensteiner aus Indersdorf eröffnet Weltklimakonferenz

Ein Koffer voller Hoffnung

Bis zu 25 000 Menschen werden vom Wochenende an zur Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn erwartet. Einer davon: Willi Kirchensteiner aus Indersdorf. Der weit über den Landkreis hinaus bekannte Solarpionier wird am heutigen Freitag sogar die Eröffnungsrede der Konferenz halten!

Indersdorf/Bonn – Willi Kirchensteiner ist ein Pionier im Wortsinn, er geht voran, er traut sich was, und zwar immer schon. So war Kirchensteiner vor 20 Jahren der erste Indersdorfer, der Solarmodule auf dem Dach hatte. Er war außerdem der erste Indersdorfer, der mit einem – selbst gebastelten – E-Bike durch die Gemeinde radelte. Und nun ist er der erste Indersdorfer, der auf einer Veranstaltung der Vereinten Nationen sprechen wird.

Auf persönliche Einladung von Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller wird der mittlerweile 67-jährige Kirchensteiner die von 5. bis 17. November in Bonn stattfindende Weltklimakonferenz eröffnen. Das Thema seiner Rede wird, klar, die Solarenergie sein. Konkret will er den Gästen aus aller Welt sein Konzept des „Solar-Funktionskoffers“ vorstellen.

Als gelernter Elektriker und Installateur, der erst auf dem zweiten Bildungsweg Elektrotechnik und Physik studiert hatte und dann Berufsschullehrer geworden ist, erkannte Kirchensteiner schon vor über 40 Jahren die Bedeutung der Solartechnik. Gemeinsam mit seinen Schülern entwickelte er verschiedene, von Sonnenenergie angetriebene Gegenstände. Seine bekannteste Erfindung aber sollte sein mit Solarzelle, Batterie und Wechselrichter ausgestatteter Solar-Koffer werden.

Der Clou an dem Teil: Vielerorts auf der Welt gibt es keine flächendeckenden Stromnetze. Die Stromversorgung funktioniert nur dezentral. Sein Koffer, so erklärt Kirchensteiner, „reicht immerhin für die Beleuchtung einer Hütte und das Aufladen des Handys“.

Wenn nun Jugendliche aus Dritte-Welt-Ländern das Bauen eines derartigen Koffers lernen würden, könnten sie diesen entweder gewinnbringend verkaufen oder für das Laden von Mobiltelefonen zur Verfügung stellen. „Wenn sie für einen Koffer 100 Euro oder für das Laden einen Handys 50 Cent verlangen, dann können diese Jugendlichen davon leben“, findet Kirchensteiner. Und: „Sie hätten keinen Grund mehr, ihre armen Herkunftsländer zu verlassen und nach Europa gehen zu müssen.“

Entwicklungshilfeminister Müller, der Kirchensteiner seit Jahren von dessen Arbeit am Bildungszentrum für Erneuerbare Energien in Wildpoldsried kennt, sieht in dem Koffer daher das perfekte Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe. Vor allem die vielen afrikanischen Gäste, die nach Bonn reisen werden, sollen von Kirchensteiners Konzept überzeugt werden.

Ist der nun schon nervös vor seinem großen Auftritt? „Nein“, sagt Willi Kirchensteiner ganz abgeklärt, „ich habe das ja schon sehr oft gemacht. Das ist business as usual.“ Dennoch muss er zugeben: Vor so großem und internationalem Publikum hat selbst er noch nie gesprochen.

Dass er mit diesem Auftritt nun seine Karriere krönt, davon will der 67-Jährige nichts wissen. „Es ist eine gewisse Anerkennung, natürlich. Aber es ist nur ein Meilenstein.“ Am Ziel sieht er sich erst, wenn „100 Prozent unserer Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden“.

Seine Familie wird daher auch weiterhin auf den eigentlich längst pensionierten Pädagogen immer wieder verzichten müssen. Er will weiter Lehrerfortbildungen durchführen und Lehrkonzepte entwickeln. Vor allem aber will er afrikanischen Jugendlichen helfen, einen Beruf zu erlernen und damit eine Perspektive in ihrer Heimat zu erhalten.

Kirchensteiner, der zwar heute die Eröffnungsrede der Weltklimakonferenz halten wird, ist nämlich eigentlich kein Freund großer Reden, sondern von Taten: „Es wird viel zu viel geredet. Ich will die Leute dazu bringen, dass sie endlich handeln können!“ Stefanie Zipfer

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