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Auf Einladung von Wir-Vorsitzendem Wolfgang Moll (l.) war Landrat Löwl bei einem Themenabend zu Gast. 

„Wir“ hat die Vision „Dachau 2040“

Eine Diskussion über Lebensqulität

In der Veranstaltungsreihe „Lebensqualität in Dachau“ der Ende 2018 gegründeten politischen Vereinigung „Wir“ ging es um die Vision „Dachau 2040“.

Dachau – Landrat Stefan Löwl (CSU) stellte auf Einladung von WIR-Vorsitzendem und Stadtrat Wolfgang Moll dabei die Schnittstellen zwischen Landkreis und Gemeinden dar. Bei der anschließenden Diskussion unter Moderation von Joachim Schweiß ging es teilweise heiß her – und das nicht wegen der hohen Temperaturen.

So etwa, als stellvertretender Wir-Vorsitzender und Landwirt Günther Mayerhanser sich über das Gerichtsurteil gegen die Genehmigung des Landratsamtes für das Windrad in Welshofen ärgerte: Investoren und Bürger haben „immerhin Millionen in das nunmehr fertige Windrad investiert“, das jetzt durch die Klage von Windkraft-Gegner-Lobbyisten gestoppt worden sei. „Das ist ein Wahnsinn.“ Löwl warnte: „Jede Entscheidung des Staates kann beklagt werden.“ Persönlich sei er der Meinung, dass die Windkraft einen Anteil an unserer Energieversorgung haben müsse.

Auch das Problem der persönlichen Haftung kam zur Sprache. „Jede Regel hat einen Grund“, erwiderte der Landrat und verwies auf das Love-Parade-Unglück von 2010 und das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt vom vergangenen Jahr. „Wenn beim Volksfest etwas passiert, hat der Oberbürgermeister ein Problem.“ Denn jeder Rathauschef könne wegen „fahrlässigem Unterlassen“ belangt werden. Ursula Baumgartner bohrte nach: „Können Sie als Landrat nicht Projekte im Landkreis entwickeln, die uns zu Respekt und Selbstverantwortung führen?“ Löwl gestand: „Ich weiß nicht, wie ich das vom Landkreis her machen soll.“ Er fuhr fort: „So wie wir leben, brauchen wir heute drei Erden.“ Statt im Rahmen der Fridays-for-Future-Demonstrationen freitags die Schule zu schwänzen, sollten die Schüler laut Löwl lieber in die Schule gehen und am Samstag auch noch lernen, um Lösungen zu entwickeln.

Doch es ging beileibe nicht nur um solche Grundsatzfragen unseres Zusammenlebens, sondern auch um Konkretes wie den Verkehr in Dachau. Vom neuen Tarifsystem des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) ab kommendem Dezember sowie vom derzeit umzusetzenden Verkehrskonzept des Landkreises erwartet sich der Landrat viel für die Zukunft. Stets brauche es ein Zusammenspiel aller Verkehrsträger, öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die Straße, den Radverkehr und neue Ideen wie eine Seilbahn nach München. Gabriele Siegl meinte: „Die Zukunft wird sein, die Leute vom Auto wegzubringen.“

Auch zum Thema Asyl nahm Stefan Löwl Stellung: Die 1505 Betten in den Asylbewerberunterkünften des Landkreises – nur Hilgertshausen-Tandern und Sulzemoos hätten wegen fehlender Supermärkte keine – seien derzeit mit 1217 Leuten belegt. Allerdings seien sie mit zehn bis 50 Prozent anerkannten Flüchtlingen fehlbelegt. Doch wenn er diese zum Ausziehen zwingen würde, wären sie wegen fehlender Wohnungen obdachlos. Andererseits gebe es auch hohen Reparaturbedarf an den Unterkünften, und er brauche Spiel für die Familien-Nachzügler. Die 107 Bewohner vom MD-Parkplatz sollen in die neue Unterkunft an der Kufsteiner Straße umziehen, die 200 Personen fassen soll. Während Freistaat und Bund für Unterkunft und Sozialkosten aufkomme, blieben die Verwaltungskosten beim Landkreis hängen. Immerhin musste Löwl den Mitarbeiterstab für dieses Thema von zwei auf 43 hochfahren. „Aber ohne die Ehrenamtlichen in den Helferkreisen wäre das alles nicht zu bewältigen. Unser ganzes Staatswesen würde ohne Ehrenamtliche gar nicht funktionieren.“

Wolfgang Moll kritisierte, warum die Ehrenamtlichen nicht wenigstens ihren Aufwand von der Steuer absetzen können. Hier seien Parteien wichtig, bemerkte der Landrat. „Selbst die CSU kann da wenig machen, aber ich habe wenigstens Telefonnummern, wo ich das adressieren kann.“ Zuletzt bedankte sich Moll bei Löwl mit einem Geschenkkorb.

REINHARD-D.SPONDER

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