Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus

Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus
+
Gutes Team: Wohnberaterin Michaela Heyne (links) und VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein. 

Wenig Nachfrage bei Wohnberatung

Nicht wegen Corona auf Hilfe verzichten

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
    schließen

Die Wohnberatung des VdK wird im Landkreis Dachau derzeit - offenbar wegen der Corona-Pandemie - recht wenig in Anspruch genommen. Das ist ein Fehler.

Dachau – Alles sollte schnell gehen, die Entlassung aus der Klinik stand bevor. Also organisierten die Angehörigen den Einbau eines Treppenlifts, orderten Hilfsmittel, bestellten Handwerker für einen Bad-Umbau. Vermutlich auch aus Zurückhaltung wegen der Corona-Pandemie meldete sich die Familie erst dann bei der Wohnberatung, die allen Bürgern des Landkreises kostenlos zur Verfügung steht und beim Sozialverband VdK angesiedelt ist.

Bei ihrem Hausbesuch konnte Wohnberaterin Michaela Heyne dann gerade noch rechtzeitig wichtige Tipps geben. „Der Treppenlift war nicht korrekt eingebaut, Anträge auf die staatliche 10 000-Euro-Förderung nicht gestellt.“ Auch ein Vergleichsangebot habe gefehlt. Vermeintlich kleine, aber oft entscheidende Punkte im Wohnumfeld waren unberücksichtigt geblieben, wie ein Haltegriff im Bad oder eine Schwelle zur Terrasse.

Kein Einzelfall. Gut ein Dutzend Wohnberatungen hat Michaela Heyne seit Ende der strikten Kontaktbeschränkungen wieder durchgeführt, überall war die im Vorfeld mangelnde Fachunterstützung zu erkennen. „Es ist schlimm, wenn Bürger auf wichtige Beratung verzichten und dabei oft auch Fristen verpassen.“ Auch vor Corona habe es immer wieder Fälle gegeben, in denen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, ohne es zu wollen, Ansprüche nicht geltend machten oder von Firmen regelrecht über den Tisch gezogen wurden, erzählt Heyne.

Wie die Familie, die jetzt einen Treppenlift im Haus hat, der nicht gefahrlos zu nutzen ist, weil der Pflegebedürftige beim Ein- und Ausstieg „in der Luft hängt“. Oder die Angehörigen, die einen Badelift einbauen ließen im Vertrauen auf das Versprechen der Firma, dass die Kasse 4000 Euro zuschießt. Da der Förderantrag erst nach Einbau gestellt wurde, konnte auch Wohnberaterin Heyne nicht mehr helfen – die Familie bekam keine Unterstützung.

Doch aktuell träten solche Fälle deutlich häufiger auf. Tatsächlich hatten und haben Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch Corona auch in vielen anderen Fragen zu kämpfen. Das bestätigt VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein, die in Rechtsfragen berät. So hat der Medizinische Dienst der Krankenkasse seine persönliche Begutachtung ausgesetzt, per Fragebogen und Telefon wird nun der Unterstützungsbedarf eruiert. Viele Betroffene kämen damit nicht zurecht, erhielten deshalb die wichtige Pflegestufe nicht. „Oder Leute werden zurückgestuft.“

Gleichzeitig habe die Pandemie wie in einem Brennglas bereits bestehende Defizite sichtbar gemacht. So fehlten schon vor Corona im Landkreis Plätze in Kurzzeit- und Tagespflege. Nun würden die Angebote, die einige Wochen ganz geschlossen waren, schrittweise geöffnet. Aber zum Beispiel in der Tagespflege mit kleineren Gruppen, also weniger Terminen für jeden Pflegebedürftigen. Keine verlässliche Lösung für Angehörige. Und nur ein Beispiel, das zeigt, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in der Krise „komplett vergessen wurden“.

Obwohl also die Probleme eher mehr wurden, haben sich in den vergangenen Wochen bei der Wohnberatung wie auch bei der VdK-Rechtsberatung deutlich weniger Bürger gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr sei etwa die Zahl der Anträge auf Alters- oder Erwerbsminderungsrente um die Hälfte eingebrochen, sagt Otterbein.

Aktuell seien nicht nur der VdK, sondern alle Beratungsstellen im Landkreis ansprechbar, betont sie. Doch weiter verhielten sich die Bürger zurückhaltend. Der Appell der Expertinnen: Bei Fragen oder Problemen sollten Betroffene auf keinen Fall „alleine vor sich hin wursteln“, sondern sich Unterstützung einholen. „Lieber ein Anruf zu viel als einer zu wenig!“

ps

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Fleisch aus der „Genussregion Ampertal“ soll zur Marke werden
Das Metzger-Logo der Innung soll künftig ein „M“ statt ein „F“ zieren. Denn der Begriff Fleischer werde in Bayern nicht verwendet.
Fleisch aus der „Genussregion Ampertal“ soll zur Marke werden
Mehr Vernetzung für Selbsthilfe im Landkreis Dachau
Das Selbsthilfezentrum München hatte in Kooperation mit der Gesundheitsregion Plus Landkreis Dachau im Haus der Begegnung in der Dachauer Altstadt erstmals zum …
Mehr Vernetzung für Selbsthilfe im Landkreis Dachau
Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis und pustet Kollegin Rauch ins Gesicht - plötzlich droht ihr eine Strafe
Ein 26-jähriger Mann rauchte am Arbeitsplatz Cannabis - und blies seiner Kollegin den Rauch ins Gesicht. Der Vorfall nahm aber ein anderes Ende, als wohl erwartet.
Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis und pustet Kollegin Rauch ins Gesicht - plötzlich droht ihr eine Strafe
Dachau: Neubau des Pfarrzentrums wird verschoben
Vorerst gibt es kein neues Pfarrzentrum in Dachau-Süd. Gesunkene Steuereinnahmen und Corona sind die Gründe
Dachau: Neubau des Pfarrzentrums wird verschoben

Kommentare