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„Schreitend“: Wolfgang Bauer lässt seine Fotografien als Gemälde wirken.

Ausstellung von Wolfgang Bauer im Wasserturm

Der mit der Kamera malt

Seine Leinwand ist die Speicherkarte, sein Pinsel die Kamera. Wolfgang Bauer malt mit der Spiegelreflex. Seine „Gemälde“ zeigt er für zwei Wochenenden im Dachauer Wasserturm.

Dachau – Eine Frau in einem schulterfreien, langen Kleid blickt nach links, rechts neben ihr ein Mann in hellem Shirt und kurzer Hose. Gemeinsam gehen sie so durch eine Tür in einer roten Wand. Es ist keine ungewöhnliche Szene. Hätte Wolfgang Bauer diese einfach normal abfotografiert, wäre es wohl nichts weiter als ein Schnappschuss. Doch wegen der langen Belichtungszeit seiner Kamera, gezielter Einstellungen an Blende und Lichtempfindlichkeit sowie des Verzichts auf ein Stativ ist das Bild verschwommen. Der Betrachter erkennt die Bewegungen der Köpfe sowie das Voranschreiten der Körper im Foto. Vor allem mit ein paar Metern Abstand wirkt es wie ein Gemälde. Pure Absicht.

„Mein Anspruch ist, dass meine Fotos Gemälde sind, weshalb ich sie auch auf Leinwand drucke und einrahme, wie echte Gemälde“, sagt Wolfgang Bauer. Er nennt seine Kunst eine „Nische“. „Wer malt schon mit der Kamera?“, fragt er rhetorisch.

Tatsächlich fingen bereits Ende des 19. Jahrhunderts, als die Fotografie noch recht frisch auf dem Markt war, Künstler an, nicht nur einen Augenblick in der Realität festzuhalten, sondern Gefühlszustände und Werte zu vermitteln. Damals nannte man das Pictorialismus. Da Bauer nicht mehr in die Dunkelkammer geht, sondern auf Karten speichert, nennt er sein Tun Neo-Pictorialismus.

Wichtig für seine Foto-Gemälde ist der richtige Moment und die Zeit. „Man muss Zeit mitnehmen, schließlich knipse ich nicht und fertig, sondern die Belichtungszeit ist entscheidend“, erklärt der Landsberger. „In dem Moment, in dem ich abdrücke, muss alles passen“: Bildausschnitt, Farbigkeit und natürlich Kameraeinstellungen. Wie das Bild „Wiese 1“. Dort zu sehen ist eine Wiese mit einem Zaun, viel Himmel und im rechten Drittel ein Baum. „Mich haben die Farben kurz vor dem Gewitter fasziniert“, erklärt der ehemalige Kunstlehrer und Bildungsforscher mit Schwerpunkt Medienpädagogik.

Doch selten sind seine Motive etwas Starres, meistens sind es bewegte Szenen, immer eher zufällige Momentaufnahmen, aber eben mit der Kamera gemalt. „In einer Ausstellung kam mir eine Frau mit ihrem langen Kleid entgegen, neben ihr auf dem Boden haben sich die Sonnenstrahlen gespiegelt.“ Wolfgang Bauer beschreibt sein Bild „Schreitend“. „Ich habe der Frau ja nicht gesagt, sie soll da entlang gehen“, betont er. Das A und O ist das Sehen. Das schnelle Erkennen, wann es Zeit ist, den Auslöser zu drücken – beziehungsweise den Pinsel anzusetzen.

Die Ausstellung „Fotografie als Dimension der Malerei“ von Wolfgang Bauer im Wasserturm eröffnet mit einer Venrissage am heutigen Freitag um 19 Uhr. Sie ist bis zum 21. Mai geöffnet. Öffnungszeiten sind: Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 18 Uhr und Freitag von 16 bis 19 Uhr.

mik

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