Geschmückter Christbaum
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Das Bäumchen schmückte bleiernes Lametta.

Zum Fest

Der Zauber früherer Weihnachten - Geschichten aus Einsbach und Hilgertshausen

In schwierigen Zeiten gilt es, das zu schätzen, was gut ist. Deshalb erinnern sich zwei Leser an frühere Weihnachten.

„Der Oma ihr Lametta“

Erinnerungen an 1945 von DN-Mitarbeiterin Marlene Wagner aus Einsbach: „Bescheiden steht das kleine Bäumchen in der guten Stube meiner Großeltern. Ein paar echte Wachskerzen, die jedes Jahr wiederverwendet werden, und etliche Figuren und Kugeln schmücken den Christbaum. Damit er auch schön glänzt in der Heiligen Nacht, hat die Oma, geboren 1890 in Burgadelzhausen, ihm silberne Fäden über die Zweige gehängt.

Sie sind etwas starr und fallen nicht so schön nach unten, aber so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es nichts anderes, und Oma möchte doch die Herzen ihrer sieben Kinder erfreuen. So in etwa habe ich mir vorgestellt, dass es gewesen sein muss – damals um 1945 in Ebertshausen bei meinen Großeltern.

Nostalgie: Ein Christbäumchen in der Stubn von Oma und Opa mit Original Fluglametta von früher.

Das starre Lametta gibt es heute noch. Meine Mama hat es wie den alten Weihnachtsschmuck ihrer Schwiegereltern zum Andenken an sie aufbewahrt. Vor kurzem hat sie alles mir geschenkt, weil sie weiß, wie sehr ich solche Dinge schätze. Und mein Papa hat mir erzählt, wie seine Familie damals zu dem Lametta gekommen ist:

Das Lametta bestand aus Silberstreifen, die die Alliierten abgeworfen hatten

Es ist nämlich gar kein richtiges Lametta, sondern es sind dünne, etwa 30 Zentimeter lange Silberstreifen, die von den Alliierten abgeworfen wurden, um die Orientierung der Nachtjäger der deutschen Luftwaffe zu stören. Und mein Papa und seine Brüder haben sie am nächsten Tag in kleinen Büscheln aufgesammelt. Ganz stolz im Besitz solcher Kostbarkeiten zu sein und in dankbarer Erinnerung an meine Großeltern, habe ich nun selbst versucht, ihren Weihnachtsbaum nachzustellen.

Die gute Stubn gibt es immer noch. Schlimme Zeiten wie damals der Krieg und jetzt Corona werden vergehen – aber Weihnachten mit den Gedanken der Hoffnung, Versöhnung und der Liebe, die bleiben hoffentlich für immer bestehen.“

Weihnachtsbescherung um 1958 im Wohnzimmer des „Alten Doktorhauses“

Auch Otto Breitwieser aus Hilgertshausen erinnert sich an Lametta, das jedes Jahr wiederverwendet wurde: „Der Baum stand auf dem Schreibtisch, mit Lametta geschmückt (bleihaltig, wie es damals üblich war, und deshalb hing dieses schwer und sehr gerade nach unten), welches bei der Baumentsorgung von uns Kindern – meiner zwei Jahre jüngeren Schwester Iris und mir – sorgsam entwirrt und für die nächsten Weihnachten über ein Stück Karton umgeschlagen und eingetütet wurde; zudem war der Baum mit Süßigkeiten und aus Glas geblasenen Christbaumkugeln, -glocken und Zapfen behangen. Das Kripperl mit der Heiligen Familie, den Heiligen Drei Königen, Ochs und Esel, einigen Schafen und Hirtenfiguren war auf der Nähmaschine platziert. Die Christbaumkugeln und die Figuren stammten wahrscheinlich aus Lauscha in Thüringen. Von der Decke herab hing der Adventskranz mit einem von meinem Vater selbst gebastelten Stern.

Das Weihnachtsfest wurde sehr feierlich begangen: Meine Mutter schmückte im Wohnzimmer den ganzen Tag den Baum, und die Geschenke wurden daruntergelegt. Es war nicht erlaubt, das Zimmer an diesem Tag zu betreten, es war sehr geheimnisvoll. Erst wenn alles für die Bescherung um sechs Uhr abends nach dem Essen bereit war, ertönte die Glocke und wir durften ins Zimmer. So lange mussten wir uns in unserem Kinderzimmer trotz der Aufregung ruhig verhalten und miteinander spielen.

Die Puppe Rosmarie (im Hintergrund) erfreuten Otto Breitwieser und dessen Schwester Iris. Hier beim Spielen mit den Weihnachtsgeschenken. 

Irgendwann an Weihnachten gab es jedes Jahr Karpfen blau mit Kartoffeln und brauner Butter, aber ob es diesen schon am Heiligen Abend oder erst am ersten Weihnachtsfeiertag gab, weiß ich nicht mehr. Wir mussten nachmittags nicht in die Kirche gehen, weil wir zu der Handvoll Evangelischen im Ort gehörten, aber es wurden bei der Bescherung Weihnachtslieder zum Radio gesungen. Meine Puppe Rosmarie – ich hatte wahrscheinlich als einziger Bub in weitem Umkreis von Hilgertshausen eine Puppe, die ich sehr geliebt habe – und die Puppe meiner Schwester sind irgendwann kaputt gegangen und dann verschwunden.

Als Geschenke gab es für uns immer etwas zu spielen, etwas zum Malen und in späteren Jahren zu lesen, und von meiner Mutter Selbstgestricktes oder -geschneidertes zum Anziehen. Meine Mutter bekam von uns immer etwas Selbstgebasteltes, denn Geld hatten wir so gut wie keines, und das wenige war auf dem Sparbuch oder in der Sparbüchse, deren Schlüssel aber meine Mutter hatte.“

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