Umbau des Zieglerbräu  zum Rathaus kostet Millionen

„Eine der teuersten Alternativen“

  • schließen

Eigentlich will die Stadt Dachau sparen, wo es nur geht. Vor allem bei Hochbauten. Das wird beim Umbau des Zieglerbräu zum Rathaus nicht gelingen

VON STEFANIE ZIPFER

Dachau – „Sparen, sparen, sparen“ lautete das Motto der jüngsten Etat-Beratung im Bauausschuss. Die CSU beispielsweise wollte pauschal alle geplanten Ausgaben für Hochbauprojekte um zehn Prozent und für Arbeiten an Außen- und Grünanlagen um 20 Prozent kürzen. Mit diesem Rundumschlag wolle man, so CSU-Sprecherin Gertrud Schmidt-Podolsky, einen „verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsmitteln“ unter Beweis stellen und so gleichzeitig verhindern, „dass man ein Projekt gegen das andere ausspielt“.

Kai Kühnel, Sprecher der Bündnis-Fraktion, hatte, wie er betonte, „einen ähnlichen Gedanken“ wie die CSU, „bloß konkreter und weiter gehender“. Genau wie SPD-Sprecher Sören Schneider schlug er vor, nicht „mit der Rasenmäher-Taktik“ über alle geplanten Projekte hinwegzugehen, sondern im Einzelfall zu prüfen und speziell die Kitas günstiger zu bauen. Die im Haushaltsvorschlag angesetzten Baukosten von einer Million Euro könnte man doch, so Kühnel, auf 750 000 Euro kürzen.

Die Bauausschusskollegen stimmten zu, auch wenn Oberbürgermeister Florian Hartmann warnte: „Egal was wir für eine Zahl in den Haushalt reinschreiben, die wird so nicht eintreten. Das sind reine Planzahlen.“ Gerade im Hochbau könne man derzeit alles erleben, beispielsweise auch, dass bei einer Ausschreibung „Angebote“ 333 Prozent über den angesetzten Kostenvorgaben lägen.

Doch auch wenn die Stadträte sich mühten, die Bau- und Planungskosten für die kommenden Jahre so niedrig wie möglich zu veranschlagen und es sogar gelang, den Bauetat für die kommenden vier Jahre um insgesamt über 10 Millionen Euro zu kürzen, wurde auch deutlich, dass es Projekte gibt, die den Stadtsäckel gehörig belasten werden – Sparwille hin oder her.

Zieglerbräu-Kauf eine der teuersten Alternativen

Bestes Beispiel: die Rathauserweiterung im 2019 erworbenen Zieglerbräu. 20 Millionen Euro veranschlagte das Bauamt hierfür, und selbst die am Ende vom Ausschuss bewilligten 18 Millionen Euro waren für einige Räte – darunter Norbert Winter (CSU) und Thomas Kreß (Grüne) – hart an der Schmerzgrenze. OB Hartmann betonte denn auch, dass der Kauf des Zieglerbräu für die Rathauserweiterung „eine der teuersten Alternativen war, die wir uns ausgesucht haben. Es hätte auch günstigere gegeben“.

Bauamtsleiter Moritz Reinhold erklärte die hohen Bau- und Planungsausgaben mit den überdurchschnittlich teuren Nebenkosten des Projekts: Erst einmal müsste in dem Jahrhunderte alten Gebäude eine gründliche Bauforschung betrieben und der Ist-Zustand dokumentiert werden. Die Ergebnisse davon seien dann die „Basis für die weitere Planung“. Grundsätzlich, so Reinhold, habe er seinen Zahlen die Kosten zugrunde gelegt, die für einen Neubau fällig geworden wären – plus die Kosten „für Denkmalschutz und Unvorhergesehenes. So kommt man dann auf die Summe von 20 Millionen Euro“.

Dass diese Zahl – geschweige denn die festgesetzten 18 Millionen Euro – reichen dürften, daran zweifelt der OB aber schon jetzt: Dass die Planzahlen „noch nie“ gestimmt hätten, das wüssten die Stadträte – siehe Hallenbad – schließlich selbst.

Gertrud Schmidt-Podolsky, die zuvor noch von einer Pflicht zur „Selbstdisziplinierung“ in Haushaltsfragen gesprochen hatte, erinnerte ihre Kollegen in diesem Zusammenhang jedoch an die „Verantwortung, an dieser Stelle etwas entstehen zu lassen“. Die CSU-Fraktion stehe daher „zum Rathaus dort“. Klar, die Umbau-Kosten seien „eine Riesen-Summe, aber man kann das Geld auch für ungeeignetere Dinge ausgeben“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neubeginn beim SVO
Beim TSC Odelzhausen rumort es und der SVO profitiert davon. Zahlreiche Sportler und Trainer treten plötzlich bei
Neubeginn beim SVO
Allerhand über Mond und Mars
Wer immer schon fasziniert war von Mond und Mars kann sich über einen Space-Abend am Samstag im Bürgertreff-Ost in Dachau freuen
Allerhand über Mond und Mars
Windrad im Buchwald geht in Nachtbetrieb
Seit April ist es betriebsbereit, seit wenigen Tagen dreht es sich: das Windrad im Buchwald bei Welshofen. Das Gericht hat den Betrieb in der Nacht zugelassen: wenn die …
Windrad im Buchwald geht in Nachtbetrieb
Riesiger Fehler bei Google Maps verwirrt Einheimische - nun sieht Karte auf einmal ganz anders aus
Bayern ohne die Amper – unvorstellbar. Für den Weltkonzern Google scheint das nicht zu gelten. Auf Google Maps wurde der Fluss kurzerhand umbenannt. In allen vier …
Riesiger Fehler bei Google Maps verwirrt Einheimische - nun sieht Karte auf einmal ganz anders aus

Kommentare