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Kunststücke können sie alle: Zirkusdirektor Stefan Cordi mit dem Jack-Russel-Mischling Demen und dem Esel Sonja.

Der Zirkus Althoff gastiert in Dachau mit fünf Löwen

„Ohne Tiere wären wir ein Varieté“

Er ist dem Zirkus schon sein Leben lang verbunden: Stefan Cordi gastiert derzeit mit seinem Zirkus Althoff in Dachau. Mit dabei sind etliche Akrobaten und viele Tiere. Wegen denen bekommt er in einigen Städten Probleme mit dem Veterinäramt – doch er versteht nicht, wieso.

Dachau„Mein Ur-Urgroßvater hatte schon einen Zirkus“, erzählt Cordi. Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Geschichte der Cordis zurück, als alles mit Gauklern begann. Cordi plant, sein Vermächtnis an seine Söhne weiterzugeben, weiß aber nicht, ob diese das schaffen: „Uns werden mit den steigenden Auflagen immer mehr Steine in den Weg gelegt.“ Cordi fühlt sich schikaniert: „Mal sagt das Veterinäramt, dass unser Esel zu dick sei, ein ander Mal ist er auf einmal zu dünn.“

Sonja, so heißt der Esel, wirkt derzeit gut gefüttert, ihr Fell ist weich und sauber. Neben ihr liegt Demen in der Sonne. Der kleine Jack-Russel-Mischling freut sich, wenn sein Herrchen zum Spielen kommt. Die Hunde haben das kleinste Gehege, aber haben, wie alle Tiere des Zirkusses, ein Sonnensegel aufgespannt bekommen, unter dem sie sich bei starker Sonne aufhalten können.

Nebenan hausen sechs Ziegen. Zwei Baby-Ziegen tollen auf einem Baumstamm herum. „All unsere Tiere kennen nur das Zirkusleben, sie sind bei uns geboren“, sagt Cordi. Im großen Zelt leben Pferde und Kamele. Die Pferde spielen in ihrem 120-Quadratmeter-Gehege gerade Fangen. „Oft wurde die Auslauffläche für die Pferde beanstandet, dabei ist die gesetzliche Vorgabe eine drei mal drei Meter große Box je Pferd. Bei mir haben sie das Vielfache davon“, meint Cordi. Sein ältestes Tier ist ein Pferd. 30 Jahre hat es schon auf dem Buckel: „Und viele weitere Jahre werden folgen“, sagt der Zirkusdirektor. Cordi meint, dass seine Tiere ein schöneres Leben haben als die im Zoo. „Im Zoo leben die Tiere auch im Gehege. Bei uns haben sie jede Woche ein anderes Gehege und werden gleichzeitig mit dem Erlernen von Kunststücken gefordert“, sagt er.

Eine besondere Attraktion sind heuer: fünf Löwen. Doch das sind nicht Cordis eigene. „Die haben wir sozusagen aus Italien gemietet“, erklärt er. Ausgeliehen wurden die Löwen, weil das Geschäft nicht so lief – und ein Höhepunkt in der Show fehlte. Der Dompteur Francisco Hernandez kann mit den Löwen, die eigentlich aus Afrika stammen, „beachtliche Kunststücke“ vorführen, so Cordi. Die Löwen leben neben dem Esel in einem Stahlkäfig. 

Faul: Die Löwen liegen in ihrem Stahlkäfig. 

Für die Löwen hat der Zirkus – nur für den Freistaat Bayern – eine Genehmigung benötigt, erfolgreich. Es hängt von dem Erfolg dieser Saison ab, so Cordi, ob die Löwen weiterhin „gemietet“ werden. In Dachau sind Proteste gegen die Tierhaltung bisher ausgeblieben. Dabei wurde Cordi gewarnt: „Andere Zirkusse meinten, dass Dachau ein hartes Pflaster sei, was Tierschutzaktivisten angeht.“

Bis Sonntag um 15 Uhr gastiert der Zirkus noch in Dachau neben dem Kauflandparkplatz. Kinder können in den Pausen die Tiere in den Gehegen bewundern und auch streicheln. „Einen Zirkus ohne Tiere gibt es bei uns nicht“, sagt Cordi. „Sonst wären wir ein Varieté.“ 

(th)

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