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Heinz Neumaier in seinem Element: der Dirigent mit den Musikern des Zitherklubs Dachau.

Zitherklub lädt zu zwei grandiosen Vorstellungen in den Saal des Dachauer Schlosses 

Volksmusik der Superlative

Mit Genugtuung konnten die Gastgeber, die Musikanten des Zitherklubs Dachau, am Samstagnachmittag auf einen vollbesetzten Schlosssaal hinunterblicken.c

Dachau –Schwungvoll eröffneten sie mit dem „Hoheitswalzer“ den musikalischen Reigen. Sigi Heigl, seit März diesen Jahres Vorsitzende beim Zitherklub, begrüßte charmant Ehrengäste und Mitwirkende, bedankte sich artig bei den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern Jürgen Buckner, Hanni Buckner und Paula Lachner für die geleistete Arbeit, und dann hieß es: Musikanten, spuit’s auf!

Das ließen sich die Unterwaller Musikantinnen nicht zweimal sagen. Mit steirischer Harmonika, Klarinette, Harfe und Kontrabass heizten die vier Damen, die sich nach ihrem Gründungsort Unterwall bei Miesbach nennen, dem Publikum kräftig ein. Kein Fuß, der nicht im Takt der flotten Polkas, Walzer, Landler oder Boarischen mitwippte. Abends bei der zweiten Vorstellung wurde sogar mitgeklatscht.

Auch die beiden Gitarristen Heinz Neumaier und Markus Köhl spielten sich als Duo in die Herzen der Zuhörer. Mit dem Walzer „Am Freitag scho kemma“ zeigten die Meister der leisen Töne, dass sie nicht nur den in der bayerischen Volksmusik üblichen „Riss“, den harten kurzen Anschlag, beherrschen, sondern auch den wunderbar weichen, schwebenden Klang drauf haben, der die Gitarre „zum Singen“ bringt.

Die Grenzen zwischen Meister und Schüler sind inzwischen fließend. Besonders ungewöhnlich bei diesem Konzert: Beide Gitarristen übernahmen als Duo die Liedbegleitung des SteiBay Dreigsangs, des Steirisch- Bayerischen Dreigesangs. Die beiden bayerischen Sängerinnen Sissi und Claudia und den Steirer Gerhard hat die pure Lust am Singen zusammengeführt. Fein abgestimmt sangen die drei ihre alpenländischen Lieder und beeindruckten durch die glockenreinen Jodler. Das Wiegenlied „Biabal schlaf ei“, das sie zart und gefühlvoll intonierten, erlebte bei diesem Volksmusikabend quasi eine Welturaufführung. Heinz Neumaier hat das gleichnamige Gedicht des ehemaligen Dachauer Gymnasiallehrers Walter Habersetzer, das dieser vor rund 70 Jahren schrieb, vertont. Und nun hat es der SteiBay Dreigsang erstmalig hören lassen.

Kraftvoll, bestens aufeinander eingesungen präsentierten sich die Reichersdorfer Sänger. Drei Brüder und ihr Cousin aus Irschenberg „kamen, sahen und siegten“: Mühelos füllten ihre Stimmen den Saal. Harmonisch, mal hintersinnig wehmütig, mal jungenhaft frisch, erklangen die alten Lieder, deren Pflege sich die vier Herren verschrieben haben. Einfühlsam begleitet wurden sie von Angelika Salchegger auf der steirischen Harmonika.

Als Sprecher gab Erich Müller sein Debüt beim Zitherklub Dachau. Humorvoll, manchmal ein bisschen schlitzohrig, stellte er die Mitwirkenden vor. Als er dem Publikum vorschlug, doch die Instrumente des Zitherklubs nachzuzählen oder gar unter den vier „gstandnen“ Sängern doch den Cousin der übrigen drei Brüder herauszufinden, war das Eis gebrochen. Müller spannte einen weiten Bogen von Zitherspiel und Kirchweih über Urlaubsreisen, Obsternte, Liab und Jagd bis zum Kathreins Brauchtum.

Zu jedem „Gsatzl“, also jedem Konzertabschnitt, wusste er opulente Geschichten etwa von wortkargen Rossknechten oder kraftstrotzenden Hoferben vorzutragen. Dabei gelang es ihm immer wieder, diese Figuren auf unnachahmliche Weise sprechen zu lassen, so dass ihm die Zuhörer das manchmal allzu Deftige gerne nachsahen und begeistert applaudierten.

Der Zitherklub Dachau unter der musikalischen Leitung von Heinz Neumaier erwies sich als bestens vorbereitet. Sauber in der Intonation, präzise im Einsatz und von erstaunlicher Klangfülle machten die Gastgeber mit ihren vielen Saiteninstrumenten ihrem Namen alle Ehre.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer ließ es sich nicht nehmen, bei der Nachmittagsvorstellung die neue Broschüre des Bezirks Oberbayern „Musi und Gsang aus’m Dachauer Land, 2018“ vorzustellen. Sie geht unter anderem auf das Wirken des Dachauer Dreigesangs und von Heinrich Neumaier ein, der, ebenso wie sein Sohn Heinz heute, Dirigent des Zitherklubs Dachau war. Ernst Schusser, Leiter des Volksmusikarchivs Oberbayern, hatte Heinz Neumaier und dieser dem Zitherklub Dachau eine stattliche Anzahl der Hefte zum Geschenk gemacht. Diese fanden bei den Konzertgästen reißenden Absatz.

Vorstand und Aktive des Zitherklubs freuten sich über das erfolgreiche Doppelkonzert, hätten sich aber auch für den Abend einen ausverkauften Saal gewünscht. Elisabeth Baier-Heigl

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