Zum Dank an Feuerwehr und Rettungskräfte

Hilfe, die nicht selbstverständlich ist

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Sie retten Verletzte aus kaputten Autos, befreien Menschen aus brennenden Häusern. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungskräfte in Stadt und Landkreis leisten Hilfe, die nicht selbstverständlich ist. Selten bedanken sich Unfallopfer und von Bränden Betroffene – mit einem Brief, einer Spende oder einem Bild.

Dachau – Es war ein schlimmer Unfall, der sich Mitte Mai auf dem Weblinger Weg ereignet hatte: Ein 18-jähriger BMW-Fahrer aus Olching war in der Kurve auf Höhe Pellheim auf die Gegenspur geraten und frontal mit einem Mercedes zusammengestoßen. Die Ursache war vermutlich überhöhte Geschwindigkeit (wir berichteten). Die Retter, die vor Ort waren, konnten zwar die Verletzten aus den zertrümmerten Fahrzeugen befreien, aber die Bilder im Kopf bleiben.

Wichtig für eine Verarbeitung von dramatischen Ereignissen ist für viele Retter auch, mit den Dingen abschließen zu können. Dazu würde beitragen, zu wissen, wie es den Verletzten weiter ergangen ist.

Doch das ist so gut wie nie der Fall, berichtet Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser. Er war bei dem Einsatz in Webling vor Ort und befreite den Beifahrer aus dem Wagen. „Leider bekommen wir danach nichts mit, denn das unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht“, berichtet er. Auch Danksagungen von Opfern oder Betroffenen kommen eher selten vor, sagt Reimoser.

„Natürlich haben die Betroffenen im ersten Moment ganz andere Dinge im Kopf, das ist ganz klar“, erzählt er weiter. Doch auch, nachdem einige Zeit vergangenen ist, bedanken sich nur die wenigsten bei ihren Rettern. „Je städtischer es wird, desto mehr haben die Leute die Erwartungshaltung, dass die Hilfe selbstverständlich ist“, weiß der Dachauer Feuerwehrler aus Erfahrung.

Brandeinsätze und Menschenrettungen sind für die Betroffenen kostenlos – außer es wurde beispielsweise mutwillig ein Feuer gelegt. Bei anderen Hilfeleistungen wie Kellerauspumpen rechnet die Gemeinde im Nachhinein mit den Betroffenen ab, berichtet Reimoser. Trotzdem werde die Hilfe häufig für selbstverständlich erachtet. Dennoch komme es vor, dass „der Feuerwehrverein manchmal eine kleine Spende“ erhält, wenn die Helfer beispielsweise einen umgestürzten Baum beseitigt haben, weiß der Feuerwehrmann.

Die gleichen Erfahrungen hat Wolfgang Reichelt von der Freiwilligen Feuerwehr Dachau gemacht: „Wir freuen uns sehr über Rückmeldungen, die jedoch nicht sehr oft vorkommen. In letzter Zeit erhalten wir über Facebook immer wieder mal Dank und Anerkennung für unsere Arbeit.“ Er kann sich zudem an den Dankesbrief eines Mannes erinnern, dem die Feuerwehr bei einem Brand geholfen hatte, sowie eine Danksagung nach einem Unfall.

Auch beim BRK sind diese Rückmeldungen eher selten. „Es kommt immer wieder mal vor, dass eine Dankeskarte per Post kommt“, berichtet Dennis Behrendt, Leiter des Rettungsdienstes beim BRK-Kreisverband Dachau. Oder aber es werde einmal ein Geschenkkorb auf die Rettungswache gebracht. Doch das seien Ausnahmen.

An ein konkretes Beispiel kann sich Behrendt aber erinnern: „Vor etwa einem dreiviertel Jahr hat uns ein kleiner Junge aus dem Hinterland, den wir transportiert haben, ein selbst gemaltes Bild geschickt. Da war er selbst drauf im Krankenwagen und die Kollegen. Das hat uns sehr gefreut. Das Bild hängt immer noch in der Wache in Odelzhausen.“

Und es gibt noch andere positive Erfahrungen: Nadine Grain aus Günding beispielsweise wurde Rettungsassistentin, weil sich ein kleiner Bub bei ihr bedankt hatte (wir berichteten). Der damals etwa Neunjährige war mit dem Fahrrad gestürzt und hatte sich eine schwere Kopfverletzung zugezogen. Nadine Grain versorgte ihn mit ihren Kollegen, bis der Hubschrauber eintraf. Als sie ein paar Wochen später einen Einsatz an einer Grundschule hatte, kam der Bub auf sie zu und bedankte sich. „In solchen Momenten weiß man, warum man den Job macht“, sagte Nadine Grain damals. Denn auch wenn es ein Job ist, freut sich doch jeder über Dank und Anerkennung – vor allem, wenn es um Leben und Tod geht.

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