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Regelungen, Überschreitungen, Beschwerden: Der Kreisausschuss befasste sich mit dem Thema Sittlichkeit am Karlsfelder See.

Beschwerden über Situation am Karlsfelder See

Kein FKK, aber vielleicht Parkautomaten

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Zu laut, zu schmutzig, zu viele Nackerte: Mit der Situation am Karlsfelder See waren zuletzt viele Badegäste unzufrieden. Im Kreisausschuss setzte man sich mit den jüngsten Beschwerden auseinander.

Karlsfeld/Dachau – „Die Aktualität ist brennend, das Verständnis dafür weniger“, fasste Landrat Stefan Löwl zuletzt im Kreisausschuss die Situation am Karlsfelder See zusammen. Wie berichtet, hatten sich zuletzt Badegäste immer wieder über Gänsekot, Wildgriller, Wildparker, laute Musik, Security-Mitarbeiter und das Oben-Ohne-Verbot aufgeregt. Und weil laut Löwl Vernunft zwar „schön wäre“, dies viele Zeitgenossen jedoch „anders sehen“ würden, soll die Verwaltung nun auf einstimmigen Wunsch der Kreisräte bis Herbst eine umfassende Evaluierung der Zustände am See erarbeiten und gegebenenfalls Optimierungsvorschläge liefern.

Denn, so viel ist klar: Der See, der schon heute mit Bewirtschaftungskosten von 250 000 Euro im Jahr zu Buche schlägt, wird sich in Zukunft von dem vorhandenen Personal vermutlich nicht mehr steuern lassen. Die Mitarbeiter im Bereich Gebäudemanagement des Landkreises machen laut Löwl „im Sommer nix anderes“, der See „bindet uns massiv“.

Tatsächlich wurden allein bis Anfang Juli 40 Ordnungswidrigkeiten im Bereich der Leinenpflicht für Hunde festgestellt, 17 Anhörungsverfahren wegen Wildgrillens eingeleitet, zudem 26 Autofahrer wegen des unerlaubten Befahrens des Geländes mit dem Auto bestraft – und ein offenes Feuer entdeckt. Klar, der Sicherheitsdienst sei aufgestockt worden, doch laut Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe sei dies „bei weitem nicht ausreichend“. Gerade am Wochenende in der Zeit nach 20 Uhr seien Kontrollen nötig. Auch gegen die Grillpartien, die sich mittlerweile sogar auf die Radlwege ausbreiten würden, müsse man „rigoroser vorgehen“.

Löwl vertröstete seinen CSU-Parteifreund, was eine erneute Aufstockung des Security-Personals angeht; dies werde man nach der Evaluierung im Herbst entscheiden. Bis dahin wolle man sich noch so behelfen, die Ordnungsdienste mit einheitlichen T-Shirts und Identifikationskarten auszustatten. Dadurch würde noch deutlicher, dass sie „im Auftrag des Landratsamtes tätig“ seien.

Zudem betonte Löwl noch einmal, dass die Security-Mitarbeiter bei den Gästen Personalien feststellen dürften, lediglich Bußgelder dürften sie nicht erheben: „Wenn da welche rumlaufen, die Bußgelder verhängen wollen, dann sind die Fake“, so Löwl.

Echt ist dagegen weiterhin das Problem mit dem Gänsekot. Man habe das „mechanische Einsammeln verdoppelt“, betonte der zuständige Sachgebietsleiter Jörg Bögeholz, auch die Wasserqualität im See sei weiterhin „hervorragend“. Grundsätzlich gebe es in diesem Punkt jedoch „verschiedene Interessen“: Tierschützer, die sich schon gegen das Vergrämen, geschweige denn das Bejagen der Tiere aufregten, und auf der anderen Seite die genervten Badegäste, die sich über verkotete Liegewiesen ärgerten. „Wir sind eben in der Natur, das ist schwierig“, fasste Bögeholz zusammen.

Was die Sittlichkeit am See betrifft, hat das Landratsamt nun folgende Regelung ausgegeben: Frauen dürfen sich oben ohne sonnen, wenn sie dabei nicht anzüglich posieren. Die Sicherheitsdienste sollen allenfalls „passiv – also bei Beschwerden anderer Badegäste – auf das Thema Sittlichkeit eingehen“.

Einen FKK-Bereich wird es dagegen – ebenso wenig wie den ebenfalls schon mehrfach geforderten Hundestrand – nicht geben. „Der See ist eh schon stark frequentiert, man wird nie alle Interessen unter einen Hut kriegen“, so Bögeholz.

Worüber dagegen ernsthaft nachgedacht wird, ist die Einführung einer Ruhezone. Dabei gehe es laut Landrat Löwl jedoch weniger „um Verbote, sondern um Gliederung“. Wer ein Mittagsschläfchen halte wolle, könne neben „Menschen, die mit ihrem Mobiltelefon halblaute Parties feiern“, einfach nicht zur Ruhe kommen.

Ebenfalls ernsthaft in Erwägung zieht der Landkreis die Aufstellung von Parkautomaten. TSV wie auch Siedlerbund Karlsfeld hätten bereits ihr Einverständnis signalisiert, Bürgermeister Kolbe bat jedoch, gerade im Hinblick auf die Anliegerstraßen, die unter einer derartigen Regelung vermutlich massiv leiden würden, in etwaige Planungen einbezogen zu werden. Löwl gab zu, dass es in diesem Punkt Pro- und Contra-Argumente gebe, zumal eine Automatenregelung auch zur Folge hätte, dass man entsprechendes Personal zur Überwachung der Parkenden bräuchte.

Am Ende waren sich alle Kreisauschussmitglieder einig, dass sich „die Leute am Karlsfelder See weiterhin erholen sollen“. Für die kommenden Sommerwochen sei der See „gut so wie er ist“. Alles weitere werde man im Herbst besprechen.

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