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Zwei Dachauer vor Gericht

Drogenproduktion im Gartenhäuschen

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Zwei junge Männer haben vor dem Landgericht München II gestanden, in einem Dachauer Gartenhäuschen Ecstasy-Pillen gepresst zu haben. Die Staatsanwältin spricht von 10 000 Tabletten, die Angeklagten von viel geringeren Mengen.

Dachau – Der 22-jährige angeklagte Dachauer bringt es auf den Punkt: „Die Drogen waren das Wichtigste in meinem Leben.“ So kann man wohl am besten die vergangenen Jahre des jungen Mannes beschreiben. Mit etwa 14 Jahren begann er zu kiffen, später kamen harte Drogen dazu, die zunehmend sein Leben bestimmten. Auch nach einer Haftentlassung 2015 landete er gleich wieder im Drogenumfeld. Um den Konsum zu finanzieren, tat er sich mit seinem Spezl, einem 24-jährigen Dachauer, zusammen und startete eine Ecstasy-Produktion im Dachauer Gartenhäuschen des Älteren.

Seit Mittwoch müssen sich die beiden wegen Drogenhandels vor dem Landgericht München II verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden ab August 2015 rund 10 000 aufputschende Pillen gepresst haben. Dem 24-Jährigen wird zudem der Besitz von Dopingmitteln sowie Strafvereitelung vorgeworfen, weil er auch noch nach rechtskräftigem Urteil gegen ihn den Namen eines Mittäters bei einer schweren räuberischen Erpressung verschwieg.

Zu den Tatvorwürfen gaben die Verteidiger Erklärungen ab. Roland Autenrieth, Verteidiger des 22-Jährigen, erklärte dem Gericht, wie es zu der Drogen-Manufaktur im Gartenhäuschen kam. Nach der Haftentlassung im August 2015 sei sein Mandant schnell wieder in der Drogenszene heimisch gewesen. Seinen Kokainkonsum konnte er jedoch nicht mit seinem Lehrlingsgehalt bestreiten – der Mann hatte damals zum zweiten Mal eine Lehre begonnen, die er jedoch wie die erste abbrach. Deshalb sei der 22-Jährige zusammen mit seinem Freund, einem Handwerker, „auf die Idee verfallen, dass man Pillen herstellt und absetzt“. Die Produktionsmittel wie Presse und Stempel seien schon vorhanden gewesen.

Laut Anklage fanden sich im Gartenhäuschen unter anderem acht Teile einer Tablettenpressmaschine, acht Matrizen und 14 Stempel. Mit diesen konnte man Motive auf die Pillen pressen, zum Beispiel „Dollar“, „Tweety“, „Bart Simpson“ oder „ Winnie Pooh“.

Im Internet bestellten die Männer Streckmittel sowie Amphetamin-Base. Die Angeklagten hätten jedoch dilettantischerweise weißes Pulver gekauft, erklärte Autenrieth. Sie versetzten es mit Lebensmittelfarbe. Da diese auf die Finger abgefärbt habe, seien die Tabletten auf dem Drogenmarkt kaum zu verkaufen gewesen. Auch die Wirkstoffmenge an Amphetamin hätte nicht für eine Menge von 10 000 Stück ausgereicht. Die Verteidiger gehen von rund 1000 tatsächlich produzierten Drogen-Pillen aus.

Neben den angeblich 10 000 gepressten Pillen wirft die Staatsanwaltschaft den Dachauern aufgrund weiterer Internet-Bestellungen vor, dass sie weitere 30 000 Tabletten herstellen wollten. Die Verteidiger bestätigten, dass ihre Mandanten es noch einmal mit der Pillen-Produktion probieren wollten. „In welchem Umfang man das machen wollte, war noch völlig offen“, sagte Autenrieth.

Zu einer weiteren Pillen-Produktion kam es nicht mehr. Die Männer wurden geschnappt und sitzen seit 8. März 2016 in Untersuchungshaft. Beide erklärten, seit Jahren exzessiv Drogen genommen zu haben, darunter Cannabis, Kokain, Speed, Ecstasy. Der Prozess dauert an.

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