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„Jakobsblick“: Vater Franz und Sohn Andreas Scherm auf der Dachterrasse ihres Anwesens in der Altstadt. Der Kirchturm von St. Jakob ist zum Greifen nah. 

Bauprojekt in der Dachauer Altstadt

Franz Scherm greift nochmal an

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Franz und Andreas Scherm wollen dasGebäude, in dem heute das Kaufhaus Rübsamen untergebracht ist, zu einem neuen Schmuckkastl der Altstadt umbauen. Das Modegeschäft soll bleiben, hinzukommen Wohnungen, Büros und – hoffentlich – ein Supermarkt!

Dachau – Franz Scherm ist 72 Jahre alt und Rentner. Eigentlich. Denn so richtig mag es einfach nicht klappen mit dem Ruhestand. Mit den Worten „Herr Scherm, wollen Sie nicht noch einmal angreifen“, hatte ihn eine Dachauer Bank vor drei Jahren gelockt. Zwei Wochen später war der Senior überzeugt. Er will noch einmal angreifen!

Der Grund für das Vertrauen der Bank liegt daran, dass Scherm schon einmal sein Geschick unter Beweis gestellt hatte, einem Stück Altstadt neues Leben einzuhauchen. Damals war er noch Geschäftsführer einer großen Münchner Stahl- und Maschinenbaufirma; sein Sohn Andreas ging noch zur Uni. Doch gemeinsam schaffte es die Familie, das Areal, auf dem die Familie Scherm am Fuße der Altstadt jahrhundertelang Landwirtschaft betrieben hatte, komplett umzugestalten: Aus dem Schermhof wurden Wohnungen, Büros und Gastronomie.

Diese Leistung, so dachte sich wohl die Bank, sollen die Scherms – Sohn Andreas ist mittlerweile übrigens promovierter Betriebswirt – nun wiederholen. Und zwar an einem der größten und zentralsten Gebäude der Altstadt: dem ehemaligen Birgmannbräu, das 1971 komplett umgebaut und als Kaufhaus Hörhammer unter den Dachauern bekannt wurde.

Die letzten Eigentümer der Immobilie, die über 5500 Quadratmeter Nutzfläche verfügt, waren die Dachauer Familien Berr und Tobias. 2009 hatten sie als Berr Tobias GbR noch große Pläne mit dem Areal: Unternehmen wie H&M und Rossmann sowie die Stadtgalerie waren als Mieter im Gespräch. Doch die Pläne lösten sich schnell in Luft auf, zwischenzeitlich standen – abgesehen vom Modehaus Rübsamen im Erdgeschoss – über 3000 Quadratmeter Fläche in dem Haus leer. Im Jahr 2016 schließlich gaben die Eigentümer Berr und Tobias auf. Sie wollten ihren Besitz loswerden – und damit kamen die Scherms ins Spiel.

Als er das Gebäude das erste Mal besichtigte, seien seine ersten Gedanken gewesen: „Es ist ein tolles, riesiges Gebäude, zentral in der Altstadt“, erinnert sich Franz Scherm. Gleichzeitig sei ihm aber auch schnell klar geworden: „Da brauchen wir viel Energie!“ Tatsächlich will er das Gebäude großflächig umbauen und sanieren – allerdings stets in Absprache mit der Denkmalbehörde, den Nachbarn und der Stadt. „Wir wollen keine Bausünde“, betont der Dachauer Scherm, der damit auch einen Teil seiner Heimatstadt „erhalten“ will.

Konkret sehen die Pläne der Scherms für das Gebäude folgendes vor: Das Kaufhaus Rübsamen im Erdgeschoss soll bleiben. „Das ist ganz wichtig für Dachau, die sind ja schon ein Vierteljahrhundert in der Stadt“, finden Vater und Sohn. Entsprechende Gespräche seien bislang „positiv“ verlaufen. Auf den weiteren, oberen Etagen des insgesamt über sieben Ebenen verlaufenden Gebäudes sollen Büros, Praxen und Wohnungen entstehen. Alle Flächen werden vermietet, betonen die Scherms; und grenzen sich damit auch zu „normalen“ Bauträgern ab, die ein Objekt entwickeln und anschließend schnellstmöglich versilbern und verkaufen.

Kleinere Schwierigkeiten gibt es, klar, aber dafür hätten die Scherms schon Ideen parat. Das Lichtproblem des Gebäudes, bedingt durch die fensterlose Wand zwischen Pfarr- und Wieninger Straße, soll ein Lichthof im Innern lösen. Was die Fassade und damit auch die Größe der Fenster betrifft, hoffen die Bauherren auf den guten Willen der Stadträte.

A propos Zusammenarbeit mit dem Stadtrat: Hier gab es bereits eine erfolgreiche Einigung. Das größte Problem der Immobilie, nämlich der finstere und bislang unzugängliche Eingangsbereich ins Untergeschoss, kann nun zu einem „Theatron“ umgestaltet (wir berichteten) werden, wobei die Treppen abgetragen und der Baum vor dem Haus versetzt wird.

Damit hofft Franz Scherm, langfristig auch einen Lebensmittelmarkt in sein Gebäude locken zu können. Große Konzerne wie Edeka oder Rewe hätten sich bislang nämlich vor allem an der Gestaltung des Eingangsbereichs gestört. Sollte er wirklich einen sogenannten Lebensmittelvollsortimenter motivieren können, in die Altstadt zu ziehen, werde er damit aber vermutlich „kein Geld verdienen“. Er sehe „das eher als Service für Dachau“.

Im Gegenzug hofft er nun auf ein bisschen Hilfestellung der Bürger. Denn sein neues Haus hat noch keinen Namen. „Jakobsblick“ sei aktuell der Arbeitstitel, bedingt durch die Nachbarschaft zur Pfarrkirche. Aber: „Wir sind für Tipps jederzeit offen!“

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