Amtsgericht Dachau

Sprayer mit Groll gegen Fleischkonsum

Sie wollten auf Missstände in der Welt hinweisen und sprühten politische Parolen an die Fenster des McDonald’s in Dachau. Die beiden Jugendlichen gestanden vor Gericht ihre Tat und konnten sogar ein wenig Verständnis beim Richter wecken.

Dachau – Kooperationsbereitschaft und Ehrlichkeit vor Gericht kann sich auszahlen. Diese Erfahrung haben gestern zwei Angeklagte vor dem Dachauer Amtsgericht gemacht. Ein 20-Jähriger und sein ein Jahr älterer Kumpel hatten im September 2016 nachts politsche Parolen an den McDonald’s am Bahnhof gesprüht sowie die Fassade mit Farbbeuteln beschädigt. Ihrem Groll über den Kapitalismus und die aus ihrer Sicht unwürdige Fleischverwertung in besagtem Fastfood-Restaurant wollten sie mit den Graffitis Ausdruck verleihen. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 1000 Euro. Beide gestanden die Tat ohne Umschweife.

Amtsrichter Daniel Dorner betonte: „Ich bin froh über jeden jungen Menschen, der eine gesellschaftspolitsche Meinung vertritt und versucht andere davon zu überzeugen, aber doch bitte ohne dabei das Gesetz zu brechen.“ Dass Sachbeschädigung nicht der beste Weg ist, um seine politschen Ansichten zu verbreiten, darin stimmten die Angeklagten Dorner unumwunden zu: „Ich war gefrustet über die Ungerechtigkeit in der Welt, aber ich habe eingesehen, dass ich auf legalem Weg mehr dagegen tun kann“, zeigte sich der Ältere der beiden einsichtig.

Beide reflektierten ihr Taten vor Gericht einsichtig und eloquent, beantworteten die Fragen des Vorsitzenden Richters, ohne auszuweichen. Sie kommen beide aus gefestigten Verhältnissen, der eine studiert, engagiert sich in einer padagogischen Einrichtung, der andere ist auf dem Weg zum Fachabitur. Sie seien aber „einem Jugendlichen näher als einem Erwachsenen“, urteilte der Jugendgerichtshelfer, weshalb er und die Staatsanwältin die Anwendung von Jugendstrafrecht empfahlen. Dem schloss sich das Gericht an und verurteilte die Angeklagten wegen Sachbeschädigung zu je 40 Stunden Arbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung. „Wenn Sie auf Missstände in der Welt aufmerksam machen wollen, dann tun Sie das, aber bitte auf legalem Wege“, gab Dorner den beiden noch mit auf den Weg.

Aljoscha Huber

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