Zwei Nikoläuse erzählen von ihrer himmlischen Arbeit

Mit Autorität und Improvisationstalent

Alle Jahre wieder sind Marlene Rieger und Joseph Demmelmaier als Nikoläuse unterwegs. Sie besuchen Familien, verteilen Lob und Tadel und erleben dabei manch skurrile Momente. Zwei Erfahrungsberichte.

Dachau – Einmal wurde es für Marlene Rieger richtig eng: „Das ist doch die Oma hinter der Verkleidung“, vermutete ihr Enkel über den Nikolaus, der gerade vor ihm saß und aus einem Buch vorlas. Doch die 84-Jährige machte ihre ganze Autorität als Nikolaus geltend: „Ich habe ihm dann so resolut widersprochen, dass er sich doch nicht mehr sicher war.“ Dieses Erlebnis sollte allerdings das einzige Mal bleiben, dass ihr ein Kind beinahe auf die Schliche gekommen wäre.

Seit fast 60 Jahren schlüpft Marlene Rieger aus Wiedenzhausen nun schon in die Rolle des Heiligen Nikolaus – anfangs nur für die eigenen Kinder, später auch für die ganze Nachbarschaft. Dass sie von ihren eigenen Sprösslingen nie erkannt wurde, verdankt sie einem raffinierten Trick: „Der Nikolausbesuch war immer zu der Zeit, als alle dachten, ich sei im Kirchenchor. So haben die Kinder nie Verdacht geschöpft, auch wenn ich den Nikolaus natürlich immer verpasst habe.“

Wesentlich neuer im Nikolaus-Geschäft, aber dennoch schon sehr erfahren ist dagegen Joseph Demmelmaier aus Langenpettenbach: „Unser Burschenverein hat schon immer einen Nikolausdienst angeboten. Als dann meine Vorgänger nicht mehr wollten, bin ich mit 15 Jahren eingesprungen.“ Und so schlüpft der heute 22-Jährige heuer bereits zum siebten Mal in das rote Kostüm. Im Gegensatz zu Marlene Rieger lässt sich Demmelmaier als Nikolaus tatkräftig unterstützen. Immer an seiner Seite: der finstere Krampus, und seit einigen Jahren begleiten ihn außerdem zwei Engel, die bei Bedarf von ihrem böse dreinblickenden Gefährten ablenken können.

Worin sich Marlene Rieger und ihr Kollege Joseph Demmelmaier aber einig sind: Besonders wichtig für jeden Nikolaus und dessen Begleiter ist das Outfit! Deshalb steckt Rieger besonders viel Herzblut in die Anfertigung ihres Gewands. In stundenlanger Handarbeit wird alles vorbereitet, natürlich auch die Accessoires wie der Bischofsstab und das Buch. „Ein halber Tag geht dafür schon drauf“, sagt sie.

Selbst nach 60 Jahren hat Marlene Rieger immer noch etwas Lampenfieber, wenn sie die Kinder besucht: „Ein bisschen Aufregung ist immer dabei!“ Während sie größtenteils mit Kindern zu tun hat, die sie persönlich kennt, muss Joseph Demmelmaier mit den Informationen auskommen, die ihm die Eltern mitteilen und den Geschenken, die sie ihm in die Hand drücken. „Da hilft es, dass ich immer gern im Theater mitgespielt habe“, sagt der 22-Jährige. Einzige Ausnahme: „Bei besonders ausgefallenen Kindernamen liegt man dann schon mal daneben“, wie er gesteht. Die Kleinen seien dann zwar etwas verwundert, denn der Nikolaus müsste ihren Namen doch kennen, aber „wenn man bisschen improvisiert, kann man sich da schon rausreden“, erklärt der 22-Jährige.

Für den Umgang mit den Kindern ist Fingerspitzengefühl gefragt. Marlene Rieger ist es immer wichtig, dass sie als freundlicher Nikolaus wahrgenommen wird und die Kinder keine Angst vor ihr haben. Auch Demmelmaier sagt: „Wenn ein Kind etwas ängstlich ist, dann hält sich der Krampus einfach zurück.“ Bei einem besonders frechen Kind könne man aber schon mal „androhen, dass es in den Sack kommt, aber nur in Abstimmung mit den Eltern“!

Auch dieses Jahr sind Marlene Rieger und Joseph Demmelmaier wieder im Einsatz. Acht Auftritte stehen für Demmelmaier auf dem Programm. Marlene Rieger besucht heuer nur ein Kind, ihren Urenkel. „Ob ich es nächstes Jahr noch einmal mache, weiß ich noch nicht, ich bin ja dann schon 85“, sagt sie und lacht.

Thomas Benedikt

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