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Dachauer Standlbetreiber sauer: „Zwei Wochen für Null gearbeitet“

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„Ohne G-Regeln machen wir nix mehr“, sagen (v. l.) Manfred Sedlmayr, Christian Naumann und Christian Hefele.
„Ohne G-Regeln machen wir nix mehr“, sagen (v. l.) Manfred Sedlmayr, Christian Naumann und Christian Hefele. © sim

Während Zehntausende Zuschauer in der Bundesliga die Fußballstadien füllen, werden derzeit die meisten Christkindlmärkte in Bayern abgesagt. Auch die Dachauer Standlbetreiber hat es erwischt. Seit Mittwoch beschäftigen sie sich nicht mehr mit dem Aufbau, sondern mit dem Abbau.

Dachau – Der 40. Dachauer Christkindlmarkt wäre das heuer gewesen. Wäre. Die vollen Stadien sind nicht das Einzige, was Christian Naumann, Vorsitzender des Vereins Christkindlmarkt Dachau, und seine Vorstandskollegen umtreibt. Von der Regierung völlig im Stich gelassen, fühlen sich neben Naumann auch seine Vorstandskollegen Manfred Sedlmair (zweiter Vorsitzender) und Christian Hefele (Kassier). „Wir haben jetzt zwei Wochen für Null gearbeitet“, meint Sedlmair, der vorgestern allein 350 Kilometer gefahren ist, um Ware – er hätte Feuerzangenbowle angeboten – zurückzubringen. Über „die Ökobilanz“ für diese Aktion möchte er gar nicht nachdenken. Als Verantwortlicher für das Musikprogramm am Christkindlmarkt musste er auch allen Künstler absagen – ebenfalls kein leichter Schritt für ihn.

So wie Sedlmair konnten auch seine Kollegen bereits bestellte Ware größtenteils wieder zurückgeben. „Wir waren sowieso schon vorsichtig bei den Bestellungen wegen der Pandemie“, erklärt Naumann, der Waffeln und Heißgetränke verkaufen wollte. Wenn er die Bilder von vollen Fußballstadien sieht, während hingegen die Christkindlmärkte abgesagt werden, wird er grantig. Bis auf Fußball sei die Regierung wie schon im vergangenen Jahr wohl der Überzeugung, dass man die „Spaßbranche“, zu der Naumann auch die Gastronomie zählt, nicht brauche. Aber mit Fußball ließen sich halt Millionen verdienen, so der Dachauer Gastronom, der in Dachau noch für drei Schulen beim Catering verantwortlich zeichnet und so seinen Verlust etwas abmildern kann. Nur wie lange noch?

Naumann rechnet praktisch täglich mit einem neuen Lockdown. Alternativen wie Drive-Through-Christkindlmärkte sind für die drei „Schwachsinn“. Naumann betont: „Wir leben vom Nicht-Abstand und von hoher Kundenfrequenz“, so der Dachauer, der auch von der 2G-plus-Regel auf Weihnachtsmärkten oder anderen Veranstaltungen mit Bewirtung nichts hält. Das käme einem Lockdown gleich, so der Familienvater. Sein Fazit: „Solange es G-Regeln gibt, machen wir nix mehr“, betont Naumann auch im Namen seiner Kollegen. Auch auf staatliche Hilfen pfeifen alle drei, salopp gesagt, denn sie wollen keine Almosen vom Staat. Nein: „Wir wollen arbeiten dürfen und Geld verdienen“, fordert Naumann.

Auf ein bisschen Geld Verdienen hofft Christian Hefele, der seine Steaksemmeln wie schon im vergangenen Jahr bei sich privat auf dem eigenen Grundstück verkaufen will. Wenn es soweit ist, will er dafür in den sozialen Netzwerken Werbung machen. Den Großteil seiner Bestellung hat er dennoch bereits bei den Metzgern storniert. Seit vergangenem Jahr hat er zudem bei einem Bekannten vorübergehend einen Nebenjob angenommen. Nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern um einfach arbeiten zu dürfen. Etwas, was die Regierung seiner Branche und damit ihm erneut verweigert. Simone Wester

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