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Pressekonferenz: Mit Sorge blicken die Kreishandwerksmeister auf die unbesetzten Lehrstellen.

Pressekonferenz der Agentur für Arbeit

Die Sorgen der Kreishandwerksmeister

Dachau - Alles drängt auf weiterführende Schulen – viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. In Dachau sind es 59. Ein Trend, der die Kreishandwerksmeister im Bereich der Arbeitsagentur mit Sorge erfüllt.

„Eine abgeschlossene Ausbildung mehr wert als ein abgebrochenes Studium.“ Darüber waren sich die Kreishandwerksmeister sowie die Mitarbeiter der Arbeitsagentur für die Landkreise Dachau, Freising, Erding und Ebersberg bei der Ausbildungs-Pressekonferenz einig. 

„Es ist doch cool, wenn man eine berufliche Ausbildung im Portfolio hat“, betonte Dieter Link, Leiter der Berufsschule Erding. Und: Das Bildungssystem sei so offen wie nie zuvor. Da müssten die jungen Leute „nicht gleich die Entscheidung fürs Leben treffen.“ Doch diese Entwicklung scheint auf die Lebensplanung der meisten Jugendlichen nicht durchzuschlagen: Die handwerklichen Berufe seien längst nicht mehr so beliebt wie früher. Viele scheuten sich vor körperlich anstrengender Arbeit, bei der man dann auch noch schmutzig werde, fasste der Erdinger Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger zusammen – und sprach da wohl auch für seine Kollegen aus den anderen Agentur-Landkreisen. 

Dabei erlebe das Handwerk auch eine digitale Revolution: „Man arbeitet nicht mehr nur mit den Händen“, erklärte Waxenberger. „Doch manche sitzen eben lieber den ganzen Tag im Büro und machen am Abend im Wald Sport“. 

In Zahlen: 503 der insgesamt 3112 Lehrstellen, die im Agenturbezirk angeboten wurden, blieben unbesetzt, darunter 210 Stellen in Freising, 84 in Erding, 59 in Dachau und 150 in Ebersberg. Ein Grund hierfür sei allerdings auch die demographische Entwicklung, sprich: geburtenschwache Jahrgänge, erläuterte etwa Agentur-Chefin Karin Weber. Eine weiterführende Schule sei auch nicht für jeden der goldene Weg, betonte Florian Kaiser, bei der IHK Referent für regionale Bildungsberatung: „Eine abgeschlossene Ausbildung ist mehr wert als ein abgebrochenes Studium.“ 

Dabei versucht man durchaus, gegenzulenken: Albert Sikora, Rektor am Staatlichen Schulamt Dachau, berichtete von den zahlreichen Berufsmessen, die in den Schulen abgehalten würden, ergänzt durch diverse Praktika. Bei der Besetzung der Lehrstellung gibt es auch ein weiteres Problem: Einige Jugendliche seien ausbildungs-ungeeignet. Die Bewerber müssten laut Harald Brandmaier, Teamleiter der Berufsberatung der Agentur, vor allem zwei Dinge erfüllen: Es müsste sowohl der Wille als auch die Fähigkeit da sein, die Ausbildung erfolgreich zu durchlaufen. Betriebe hätten kein Interesse an Jugendlichen, die von den Eltern gedrängt würden, selbst aber keine Motivation mitbringen. Das gelte für jede Branche. 

Auch Flüchtlinge befinden sich zunehmend unter den neuen Auszubildenden, wobei einigen der Berufsstart bestens gelingt. „Bei uns muss einer willig und zuverlässig sein, egal, wo er herkommt“, erklärte Waxenberger. Da habe es bisher aber auch Misserfolgen gegeben – nicht zuletzt aufgrund der oft gravierenden Kulturunterschiede.

Victoria Stettner

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