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In Dachau schlummert Potenzial

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Dachau - Total unterschätzt wird der Tagestourismus in Dachau von vielen. Welches Potenzial bislang im Verborgenen schlummerte, deckte nun eine wissenschaftliche Untersuchung auf. Sie zu nützen wird nun eine Herausforderung für die Wirtschaftsförderung - und für die Anbieter.

Monika Webersberger, die Leiterin der Tourismusabteilung der Stadt Dachau, strahlte übers ganze Gesicht. Sie hatte es schon immer vermutet, was der Zwischenbericht der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in einer Grundlagenstudie belegt (wir haben berichtet): Beim Tagestourismus in Dachau liegt noch viel im Argen. Verdienen kann man daran nur, wenn man an der Verbesserung des Angebotes arbeitet.

Dazu bedarf es natürlich des Willens und der Mitarbeit der Anbieter. Um diese zu mobilisieren, soll die städtische Abteilung Wirtschaftsförderung eingebunden werden. Denn es krankt gewaltig am Angebot in Dachau: Verbesserungsbedarf sehen die Wissenschaftler in ihrer Zwischenbilanz bei der Touristeninformation, bei der touristischen Vermarktung sowie beim gastronomischen Angebot. Sie werden dabei auch konkret und setzen auf

-mehr Parkmöglichkeiten

-mehr Einkaufsmöglichkeiten

-thematische Führungen

-ein breiteres ÖPNV-Angebot

-Belebung der Altstadt

-eine Fußgängerzone.

Wichtig sei es, in stimmigem Ambiente eine Wohlfühlathmosphäre zu schaffen, individuellen Service zu bieten und ein attraktives Kaufangebot.

„Ein Vorteil wären ja schon einheitliche Öffnungszeiten“, merkte Bündnis-Stadträtin Sabine Geißler an - und sorgte damit für kurzzeitige Erheiterung. Genau das ist seit vielen Jahren ein Thema.

Die Befragungen, die die Basis für die Studie lieferten, wurden im Mai und Oktober 2012 jeweils an drei Tagen (Freitag, Samstag und Sonntag) an zehn Standorten durchgeführt. Nämlich an der Martin-Huber-Truppe, an Pfarrplatz/Schranne, bei der Touristinformation, am Schlossplatz, am Aufgang zum Englischen Garten/Hofgarten, am Aufgang zum Schlossplatz, am Widerstandsplatz an der Amperbrücke Münchner Straße, am Biergarten Drei Rosen und Amperauen, an der S-Bahn und Citybus. Eine dritte Aktion findet im Mai statt, dann soll auch die Einkaufsmeile Münchner Straße mitberücksichtigt werden.

Bisher wurden 2128 Personen befragt. Davon waren 1143 Einheimische, 80 Übernachtungsgäste, 316 Pendler und regelmäßige Besucher. Die Zahl der Tagestouristen beläuft sich auf 589, das sind knapp 28 Prozent. Die Gründe, warum sie nach Dachau kommen, sind ganz unterschiedlich: An erster Stelle liegt der Besuch einer Sehenswürdigkeit, gefolgt vom Besuch bei Verwandten oder Freunden, von der Ausübung einer speziellen Aktivität, von sonstigen Gründen, oder einer Spazierfahrt (Wert liegt über dem deutschen Durchschnitt). Verschwindend gering werden Einkaufen (3,8 Prozent) und Gastronomie (4,9 Prozent) genannt. Dabei bekommt die Gastronomie mit 71 Prozent am meisten von den Ausgaben der Tagestouristen ab, die durchschnittlich 35 Euro ausgeben (15 Prozent mehr als in Gesamtdeutschland). Aufs Einkaufen entfallen nur 10 Prozent (Sehenswürdigkeiten 9 Prozent, Veranstaltungen 2 Prozent, Freizeit 1 Prozent, Sonstiges 7 Prozent).

Dass es viel zu tun gibt, zeigt auch die genaue Betrachtung der Menschen, die nach Dachau kommen: Den Hauptanteil stellen mit 26 Prozent die 40- bis 49-Jährigen, verschwindend gering ist die Frequenz von unter 19-Jährigen mit 1,4 Prozent. Die Dachauer Tagestouristen sind gebildet: Sie haben größtenteils einen Universitäts- oder Fachschulabschluss, Abitur oder Hochschulreife, nämlich gesamt 57,6 (in Deutschland 26 Prozent) oder einen Mittlere Schul- oder eine Berufsausbildung (27,7 Prozent). Sie sind zu 53,5 Prozent voll berufstätig, zu 22,3 Prozent in Rente oder Pension. Und sie verfügen über ein hohes Einkommen: Mit 3900 Euro sind es 1200 Euro mehr als der Bundesdurchschnitt. Und sie geben auch mehr aus in Dachau: Statistisch gesehen fünf Euro mehr als anderswo. Eine Quelle, die auch mehr ausspucken könnte - wenn denn genügend Anreiz vorhanden ist.

Im Mai findet der dritte Teil der Erhebung statt. In wie weit die daraus gewonnenen Erkenntnisse Frucht tragen, wird die Zukunft zeigen.

(don)

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