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Gastwirt Georg Wallner in seiner Gaststube in Prittlbach.  

„Gemütlichkeit ist schlicht nicht möglich“ - So geht es den Wirten im Landkreis nach der Öffnung

Endlich wieder eine frisch gezapfte Halbe im Biergarten genießen, einen deftigen Schweinsbraten oder ein feines Fischgericht im gemütlichen Lokal: Alles wieder möglich, doch einen Ansturm auf die Gaststätten im Landkreis gibt es bisher offenbar nicht. Vielmehr halten sich die Gäste zurück, berichten die Gastronomen.

VON PETRA SCHAFFLIK

Landkreis – Eine gewisse Verunsicherung sei zu spüren. Schließlich gilt es, sich an diverse Auflagen zu gewöhnen. Namen und Telefonnummer hinterlassen, Abstand halten, Maske tragen auf dem Weg zum Tisch, zur Toilette oder zum Ausschank. Unbeschwerte Gemütlichkeit schaut anders aus. Die Folge: Es kommen Gäste, „aber noch verhalten“, so unisono die Gastronomen.

„Das ganze Flair geht ab, da fühlt man sich nicht frei“, sagt Johann Doll, Wirt der Gastwirtschaft Doll in Ried. In den vergangenen Wochen hat Doll Gerichte zum Mitnehmen angeboten, bayerisches Essen to go – das kam gut an. Inzwischen sind Wirtsgarten und Gastwirtschaft wieder geöffnet, „drinnen haben wir die Tische auseinandergerückt.“ Aber draußen muss das Wetter passen. „Am Sonntag war es windig, da kamen fünf Gäste, das kann man vergessen.“

Auch beim Gasthof Wallner in Prittlbach ist bisher der erwartete „Run“ ausgeblieben, sagt Gastwirt Georg Wallner. „Es geht zögerlich.“ Auch für die Tische im Freien setzt Wallner nun auf Reservierung, weil damit schon am Telefon die Kontaktdaten aufgenommen werden und das lästige Zettel-Ausfüllen vor Ort dann wegfällt.

Gespannt, wie sich der Zuspruch der Gäste entwickelt, ist Lorenz Brummer vom Landgasthof Brummer in Großinzemoos. „Die Gäste sagen, sie freuen sich, aber ob sie dann auch kommen?“ Im großen Gasthof gebe es viele Nebenzimmer, die Tische wurden überall „lockerer gestellt“, erzählt Brummer, der sagt: „Wir probieren es!“

Hinweis-Tafeln mit den neuen Regeln hat Gastwirt Peter Strobl im Klosterwirt Schönbrunn aufgestellt. Allein den Überblick zu behalten, dass alle Gäste Masken tragen, solange sie nicht am Tisch sitzen, bedeute „einen Riesenaufwand“. Dagegen fällt das Abstandhalten leicht, der Schönbrunner Klosterwirt ist barrierefrei also auch für Rollstuhlfahrer zugänglich, „deshalb haben wir viel Raum“. Im Biergarten gibt es nun 90 statt 130 Plätze, in der Wirtschaft 140 statt 195. Die waren aber bisher noch nicht voll besetzt. Die ersten Tage lief es „nicht ganz schlecht“, aber weit entfernt vom Betrieb vor Corona.

Froh, dass es wieder anläuft ist Claus Brummer, Gastwirt im Schwarzberghof in Dachau. „Es läuft ganz ordentlich an“, sagt Brummer. Auch wenn durch die nötigen Abstände nur mehr 50 Prozent Auslastung möglich sind. Auch der Schwarzberghof hat Essen zum Mitnehmen angeboten. Zudem, erzählt Brummer, habe er die Zeit genutzt, sich intensiver den vier Lehrlingen zu widmen.

Als „sehr, sehr verhalten“ bezeichnet auch Johann Ostermair vom gleichnamigen Gasthof in Kollbach die Reaktion der Gäste. „Bei den Auflagen, gehen viele lieber gar nicht fort.“ Ostermair betreibt auch eine Pension, die geöffnet war und wie immer von Monteuren gut gebucht. Trotzdem: „Rechnen darf man nicht, zum Glück sind wir ein Familienbetrieb.“

Anders als die meisten Kollegen hat Matthias Schilcher den Kochwirt in Dachau nicht wieder aufgesperrt. „Ein herzliches Zusammenkommen im Sinne der bayrischen Gemütlichkeit ist mit den aktuellen Konzepten schlichtweg nicht möglich“, schreibt Schilcher auf Facebook. Durch die Auflagen wäre nur ein eingeschränkter Betrieb möglich, die Verluste dadurch höher als bei der Schließung. Der Kochwirt bleibt bis Ende August zu, bis dahin will Schilcher renovieren, was schon länger geplant war. Sobald die Situation es zulässt, so schreibt Schilcher, „werden wir in alter Manier wieder feiern, ratschen und zamsitzen“.

Genau darauf hoffen alle Gastwirte. Denn auch wenn aktuell die Lokale und Biergärten öffnen dürfen: Hochzeiten werden verschoben, meist gleich ins kommende Jahr. Vom Leichenschmaus über Geburtstags- und Familienfeiern ist nichts möglich. „Auch der Stammtisch geht ab“, sagt Klosterwirt-Peter Strobl. Johann Doll denkt an seine Schafkopfrunde, „die spielen seit 45 Jahren jede Woche“! Überhaupt so Johann Ostermair, bei dem sich die Schützen normalerweise treffen, „hängt am Vereinsleben die gesamte Wirtshauskultur“.

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