25-Jähriger vom Amtsgericht verurteilt

Als letzten Ausweg eigenen Sohn angezeigt

Dachau – Es ist nicht die Regel, dass einem bei einer Gerichtsverhandlung der Angeklagte leid tut. Doch bei dem Familiendrama, das jetzt am Amtsgericht Dachau aufgerollt wurde, mussten dem Zuhörer nicht nur der junge Angeklagte, sondern auch die Zeugen und Beteiligten leid tun.

Der Angeklagte Holger K., (25, Name von der Redaktion geändert) ist wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung vor Gericht – er hat seine Mutter am 28. März in einem Wutausbruch verletzt, und das nicht zum erstenmal.

K. hatte stark angetrunken mitten in der Nacht sehr laut Musik gehört. Als seine Mutter ihn aufforderte, die Musik leiser zu stellen, wurde er sehr aggressiv und beschimpfte sie. Daraufhin drehte sie einfach die Sicherung raus und legte sich wieder ins Bett. Das ließ den 25-Jährigen ausrasten. Er stieß wütend ein Regal um, das neben dem Bett der Mutter stand. Das Möbelstück verletzte sie, sie zog sich eine stark blutende Platzwunde am Kopf zu.

Die Schwester rief daraufhin den Rettungsdienst und die Polizei. Doch Holger K. wehrte sich heftig gegen eine Festnahme: Er musste letztendlich von sechs Polizeibeamten zu Boden gebracht werden.

Wie sich vor Gericht herausstellt, war das allerdings längst nicht der einzige Vorfall zwischen Mutter und Sohn. „Ich habe schon viele blaue Flecken und auch schlimmere Verletzungen durch ihn davongetragen“, räumt sie bei ihrer Zeugenaussage ein. Doch angezeigt habe sie ihren Sohn jetzt zum ersten Mal. „Das ist nun wirklich der letzte Ausweg für mich. Ich hoffe, dass er dadurch jetzt merkt, dass er sein Leben in den Griff kriegen muss.“

Ihr Sohn sei sehr früh in die Pubertät gekommen, der Umgang mit ihm zusehends schwieriger geworden. Als dann der Vater starb, ging es rapide bergab. K. flog irgendwann aufgrund schlechter Noten und fehlender Motivation von der Schule, brach später eine Ausbildung zum Maurer im ersten Lehrjahr wieder ab. Seitdem hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, lieh sich auch immer wieder Geld von der Mutter.

Und er ertränkte seinen Frust jetzt häufig mit Alkohol. Betrunken wurde er jedoch aggressiv und gewalttätig. Diesen Zusammenhang hat Holger K. inzwischen auch erkannt, wie er sagt. „Doch ich habe seit einem Monat keinen Schluck Alkohol mehr getrunken“, versichert er Richter Neubeck.

Außerdem sei er wild entschlossen, sein Leben jetzt auf die Reihe zu kriegen. Er will in der Firma eines Spezls arbeiten und sich eine eigene Wohnung suchen. Denn die Wohnung der Familie darf er nicht mehr betreten seit seiner Festnahme. Er schläft laut eigener Aussage mal bei Freunden, aber auch mal auf der Straße.

Weil Holger K. einsichtig ist, Reue zeigt und auch noch keine Vorstrafen hat, entscheidet sich der Amtsrichter für eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Der Angeklagte muss allerdings 80 Sozialstunden bei der Brücke Dachau ableisten. Zum Schluss wünscht Lukas Neubeck dem jungen Mann, „dass es jetzt mal wieder bergauf geht in Ihrem Leben.“

Holger K. nimmt nach der Verhandlung und dem Urteilsspruch erst einmal seine Schwester fest in den Arm, die er seit dem Vorfall im März nicht mehr gesehen hat. Zu seiner Mutter hält er Abstand: laut gerichtlicher Anordnung darf er seit März und noch bis Oktober keinen Kontakt haben.

sr

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