Attacken von Rechts

Dachau - Nazi-Parolen, Sachbeschädigungen und ein Tierorgan im Briefkasten - der Freiraum Dachau wird immer häufiger Ziel rechter Aktionen. Doch die Jugendlichen wollen sich nicht einschüchtern lassen.

Der Freiraum Dachau ist erneut Opfer offenbar rechter Vandalen geworden. Unbekannte besprühten vor etwa zehn Tagen die Außenfassade des selbstverwalteten Jugendzentrum mit rechtsextremen Parolen. Neben mehreren Hakenkreuzen, Slogans wie „Anti-Antifa“, „White Power“, „NS“ und „NSU“ sowie der Verunglimpfung „Judenschweine“ befand sich unter den Schmierereien auch die Drohung „Wir kriegen euch alle“.

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art am Jugendtreffpunkt in der Brunngartenstraße. Schon im Jahr 2011 setzten Unbekannte laut Angaben des Freiraum zwei Mülltonnen in Brand und warfen sie vor die Eingangstüre. Im Juni vergangenen Jahres wurden Außenlampen beschädigt, antirassistische Plakate heruntergerissen und ein Schild an der Haupteingangstüre entwendet. Im August folgten weitere Sachbeschädigungen, versehen mit Aufklebern rechtsextremer Gruppierungen wie etwa dem Freien Netz Süd, Bayerns größtem neonazistischen Dachverband, oder dem Slogan „NS-Zone“.

Den traurigen Höhepunkt markierte ein Umschlag im Vereinsbriefkasten kurz vor Weihnachten. Versehen mit der Aufschrift „Letzte Warnung“ enthielt das Kuvert ein Tierorgan, möglicherweise ein Schweineherz. Dazu kamen jetzt die neuesten Parolen in blauer Farbe an den Außenwänden.

Aufgrund des offensichtlich extremistischen Hintergrunds ermittelt derzeit die Kripo Fürstenfeldbruck. „Wir hören und sehen uns um“, bestätigt Peter Grießer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Er gibt jedoch zu, dass es derzeit „wenig Anhaltspunkte“ für die Ermittlung gebe, da der Tatzeitpunkt nicht genau eingegrenzt werden könne und bisher keine Zeugen gefunden wurden. Verdächtige gebe es daher noch keine.

Die Jugendlichen des Freiraum fühlen sich bedroht und haben außerdem das Gefühl, dass die Polizei den Taten nur halbherzig nachgeht. „Aber wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagt Marius Arndt, stellvertretend für alle Aktiven im Freiraum. „Diese Menschen stören sich offenbar an dem, was der Freiraum tut, aber wir werden weiter ein Ort gegen den Rassismus bleiben“, betont der 24-Jährige. Er und seine Mitstreiter fühlen sich in ihrer Arbeit und ihrem antifaschistischen Selbstbild bestätigt.

Seit mittlerweile sechs Jahren organisieren die Jugendlichen in dem selbstverwalteten Jugendzentrum Konzerte, Theateraufführungen, Kunst-Cafés und Jamsessions. Sie betätigen sich aber auch politisch und treten für antifaschistische Ideale ein. Im September vergangenen Jahres unterstützten Jugendliche des Freiraums gemeinsam mit dem Arbeitskreis Asyl den Protestzug der Asylbewerber nach München und gewährten den Protestierenden Unterkunft für eine Nacht.

Die Jugendlichen des Freiraum wollen sich von dieser Haltung auch in Zukunft nicht abbringen lassen. Arndt betont: „Rassistisches und menschenfeindliches Gedankengut darf weder hier in Dachau, noch anderswo Platz finden.“

Hinweise zur Tat nimmt die Kripo Fürstenfeldbruck unter der Telefonnummer 0 81 41/61 20 entgegen. (dg)

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