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Eine Fehlkonstruktion? Vor allem die Heizung im Jugendgästehaus ist seit vielen Jahren ein Problem.

Dachauer Jugendgästehaus ist marode

Jugendgästehaus ist ein „preiswürdiger Murks“

Rund 1,2 Millionen Euro kostet die Sanierung des Jugendgästehauses. Die Liste an Mängeln ist lang: eine kaputte Heizung, ein schlecht gedämmter Seminarpavillon, knabbernde Mäuse und Schimmel im Nebengebäude. Die Stadträte geben dem Kultusministerium die Schuld dafür.

Etwa 23 000 Übernachtungen hat das Jugendgästehaus an der KZ-Gedenkstätte jedes Jahr. Jugendliche, Schulklassen und Studierende kommen aus aller Welt, um sich dort mit der Geschichte Dachaus auseinanderzusetzen. Die Zahl an Gästen bleibt seit Jahren stabil – genauso wie die vielen Mängel in und um die Herberge herum. Eine Sanierung des Hauses kostet rund 1,2 Millionen Euro.

 Der Hauptausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass sich die Stadt mit 20 Prozent daran beteiligen wird – gemäß ihrem Trägeranteil an der Stiftung Jugendgästehaus. Bereits seit dem Bau des Jugendgästehauses im Jahr 1998 nach den Plänen des Münchner Architekten Rudolf Hierl gab es immer wieder Probleme mit der Luftheizung. Über Verteilungsrohre sollte die Wärme eigentlich in alle Bereiche des Hauses gelangen, aber: „Sie funktioniert einfach nicht für die Dimension des Hauses und ist schon seit vielen Jahren eine Dauerbaustelle“, erklärt Nina Ritz, Leiterin des pädagogischen Bereichs. Vor allem im Winter müssen ihre Programmteilnehmer in den Seminarräumen bibbern, bei Kaltwasser duschen oder sich in der großen Eingangshalle eine dicke Jacke anziehen. Aber warum wurde die Heizung nicht einfach ausgetauscht? Bereits vor rund drei Jahren stellte ein Gutachten des Stiftungsvorstandes fest, dass die Heizung sanierungsbedürftig ist. Die Stiftung des Hauses setzt sich zu 60 Prozent aus dem Freistaat Bayern sowie jeweils zu 20 Prozent aus Stadt und Landkreis zusammen. Bis 2013 lag die Geschäftsführung des Jugendgästehaus beim Kultusministerium, seit 1. Januar 2015 ist der Bayerische Jugendring zuständig und nahm die Sanierungsarbeiten nach vielen Jahren endlich in die Hand. 

Einige Stadträte machen deshalb das Kultusministerium für die Mängel am Gebäude verantwortlich. „Das ist eine ärgerliche Sache“, meinte etwa Zeitgeschichtsreferent Günter Heinritz (SPD) in der Hauptausschusssitzung. „Der frühere Geschäftsführer hat das zu verantworten: Er hätte den Handwerkern auf die Finger schauen müssen.“ Das Kultusministerium habe die Sache zu „locker gehandhabt, und keinen Menschen dafür abgestellt“. Sabine Geißler (Bündnis) sprach gar von einem „preiswürdigen Murks“. Da das Jugendgästehaus erst 18 Jahre alt ist, fragte Geißler nach einer Art Gewähr. Und auch Thomas Kreß (Grüne) betonte: „Ich empfehle nochmal dringend, dort Regressansprüche zu prüfen.“ Florian Beyer vom Bayerischen Jugendring erklärte in der Sitzung, dass es Gespräche mit dem Architekten wegen „verschiedener Konflikte“ gebe – man aber genau überlegen müsse, ob ein Rechtsstreit Sinn mache. 

Für Nina Ritz spielen die Schuldzuweisungen an den Architekten oder das Kultusministerium keine Rolle. Für sie müsse jetzt einfach etwas passieren. Denn der Seminarpavillon mit der schlecht gedämmten Glastür ist eine Herausforderung in ihrer pädagogischen Arbeit: „Im Winter ist es einfach viel zu kalt und im Sommer viel zu heiß. Eigentlich müssten sich die Räume ja an uns anpassen und nicht wir uns an sie“, kritisiert Ritz. Auch die Nebengebäude mit Mitarbeiterwohnungen seien vom Schimmel befallen, und Mäuse haben an den Dämmungen der Heizung herumgeknabbert. 

Insgesamt soll die Sanierung des Hauses 1 265 000 Euro kosten: Dabei stehen 620 000 Euro für den Austausch des Heizungssystems, 300 000 Euro für die neue Heizungstechnik, 145 000 Euro für die Sanierung des Seminarpavillons und 200 000 Euro für das Nebengebäude an. Der Hauptausschuss hat beschlossen, dass sich die Stadt mit rund 20 Prozent, also 273 000 Euro, an den Kosten beteiligen wird. Auch für die Sanierung der Nebengebäude und des Seminarpavillons hat der Stiftungsvorstand jetzt zumindest den Einstieg in die Vorplanungen genehmigt. „Aber wann die die Arbeiten realisiert werden, ist noch unklar“, so Beyer. Heinritz’ Fazit: „Ich hoffe, dass solche Dinge in Zukunft nicht mehr passieren – und dass deshalb nicht am pädagogischen Etat gekürzt wird.“

Anna Schwarz

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