Eine Solistin, die beeindruckt

Dachau - Das Schlosskonzert bot die einzigartigen Sängerin Sharon Kam und das fabelhafte „Georgischen Kammerorchester Ingolstadt“.

Das letzte Schlosskonzert des Jahres wird den Zuhörern dank einer einzigartigen Solistin, einem geschickt ausgewählten Programm und dem fabelhaften „Georgischen Kammerorchester Ingolstadt“ noch lange in positiver Erinnerung bleiben.

Was die Spielweise des Orchesters auszeichnet, sind vor allem Engagement, leidenschaftliches Temperament und absolut präzises Zusammenspiel. Unter der Leitung von Dirigent Ruben Gazarian, der seine Musiker mit kleinen, flinken Bewegungen führte, begannen sie den Abend mit einem ziemlich unbekannten Werk: Der Sinfonie für Streichorchester in As-Dur von Hans Rott. Der österreichische Komponist war nicht älter als 26, als er in einer Irrenanstalt verstarb. Die Streichersinfonie schrieb er mit 17, sie gilt als erstes erhaltenes Werk Rotts. Obwohl Hans Rott ein Zeitgenosse von Gustav Mahler und Johannes Brahms war, mutet seine spritzige, elegante Sinfonie stilistisch eher klassisch als romantisch an.

Die Bezeichnung des erstens Satzes, „Allegro con fuoco “ - heiter und mit Feuer - nahmen die Mitglieder des Georgischen Kammerorchesters ganz wörtlich, sie musizierten mit passioniertem Einsatz. Die Melodien erklangen mal brillierend und strahlend von den Violinen, mal tief und sonor von den Celli, die Klangfarben reichten von behaglich und warm bis hin zu energetischem Witz.

Von ähnlichem Schönklang war auch die Streichersinfonie Nr 10 in h-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy geprägt, die später am Abend erklang. Von dieser Sinfonie existiert nur ein einziger Satz und es ist unklar, ob Mendelssohn keine weiteren Sätze geschrieben hat oder diese verschollen sind. Auch dieses Werk interpretierte das Kammerorchester mit viel Hingabe: In den rasanten, furiosen Passagen umspielten die Stimmen einander mit gekonnter Leichtigkeit, in den lyrischen romantischen Themen verschmolzen sie zu perfekter Harmonie.

Während das Orchester bereits mit diesen beiden ungewöhnlichen Streichersinfonien punkten konnte, war der absolute Star des Abends die weltweit renommierte Klarinettistin Sharon Kam. Sie trat zunächst mit „Tema con variazoni “ von Jean Francaix . Der Franzose komponierte dieses Werk ursprünglich für Klarinette und Klavier, deshalb begleitete das Kammerorchester die Solistin in kleinerer Besetzung. Die israelische Solistin begeisterte das Publikum mit ihrer wandelbaren Klangsprache und ihrem butterweichen Ansatz. Sie ging in ihrem Spiel völlig auf, was nicht nur gut zu hören, sondern auch unübersehbar war. Mit viel Körpereinsatz, mimischer und gestischer Gestaltung jagte sie mit dem Orchester in virtuosen Läufen um die Wette, tänzelte in verspielten Rhythmen und ließ ihr Instrument in Trillern und Vorschlägen keck lachen.

Noch mehr beeindrucken konnte Sharon Kam mit dem Klarinettenquintett in B-Dur op. 34 von Carl Maria von Weber, welches in der Fassung für Klarinette und Streichorchester eher an ein Solokonzert erinnerte. Die Solistin führte das Ensemble kraftvoll und energetisch an und brachte alle Facetten ihres Instrumentes bestens zur Geltung. Sie gestaltete die Musik mal in leiser Spannung oder tiefstem Leid, dann wieder lustig, schelmisch oder virtuos und lebensfroh, kein Satz glich dem anderen. Viel zu schnell war ihre Darbietung vorbei, deshalb wollten die Zuhörer gar nicht mehr aufhören zu klatschen.

Für den minutenlangen Applaus bedankte sich die Solistin mit einem kleinen Gute-Nacht-Lied: sehr zart und innig improvisierte die Musikerin über die bekannte Melodie „Summertime“ von George Gershwin.

(san)

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