Die Schloßbergler mit ihrer neuen Vereinsfahne im Jahr 1936.

Heimatpfleger mit Herzblut

90 Jahre Schlossbergler Dachau

Dachau - Gebirgstrachten im Norden von München? Die Schloßbergler Dachau tragen sie seit 90 Jahren mit großem Stolz. Vieles ist heute beim Verein noch wie in den Gründerjahren.

Volkstümliche Gebirgstrachten weiter tragen, alte Traditionen nicht einschlafen lassen, den bayerischen Dialekt pflegen und sich im Gasthaus Drei Rosen zum Vereinsabend treffen: Vieles ist seit der Vereinsgründung der Schloßbergler Dachau am 17. März 1926 gleich geblieben. Doch einiges hat sich auch verändert.

„Heute ist es nicht mehr so einfach, Nachwuchs zu finden“, erklärt die Kassiererin des Gebirgstrachtenerhaltungsvereines, Tina Hruby (61): „Vor ein paar Jahren haben wir fast keine Tanzgruppe mehr zusammenbekommen.“ Glücklicherweise kamen dann 2012 doch noch ein paar neue Deandl und Burschen dazu, so dass die Schloßbergler heuer beim 90-jährigen Jubiläum ihre Figurentänze und Plattler stolz präsentieren können.

Denn Mitte der 1920er gründeten rund 20 junge Männer und Frauen den Gebirgstrachtenerhaltungsverein d’ Schloßbergler Dachau. Damals wurde Josef Bachmaier erster Vorstand: „Bis 1926 waren die Ampertaler und Schloßbergler eine Gruppe, dann haben sie sich aber zerstritten und die Schloßbergler haben sich abgespalten“, erklärt Tina Hruby.

Aber wie kamen die Gebirgstrachten eigentlich ins Dachauer Land? Damals waren einige Gründungsmitglieder aus dem Chiemgau und der Tegernseer Region als Handwerker in Dachau „auf der Roaß“. Gleichzeitig zog es viele Dachauer zum Arbeiten ins Gebirge. Dort entdeckten sie das Schuhplatteln und die alpenländische Tracht.

„Die alten Dachauer Trachten lagen zu dieser Zeit noch auf dem Speicher“, erzählt Tina Hruby. Sie kam als 14-jähriges Mädchen zu den Schloßberglern und ist nun seit 47 Jahren bei Gaufesten, Fahnenweihen, Trachtenumzügen und den monatlichen Vereinsabenden dabei.

Für sie und ihre langjährige Freundin, Schriftführerin Christine Salvermooser, steht aber nicht nur die Heimatpflege im Vordergrund. Ihrer Meinung nach schenkt der Verein seinen rund 60 Mitgliedern auch selbst eine Heimat: „Der Verein ist für mich wie eine zweite Familie. Ich finde dort Leute, die mir gleichgesinnt sind.“ Vor allem für die älteren Mitglieder und die verwitweten Frauen bieten die Vereinsabende eine Möglichkeit, unter Leute zu kommen und sich von den Schuhplattlern und der rund zehnköpfigen Tanzgruppe unterhalten zu lassen. „Uns macht einfach die Zusammengehörigkeit aller Generationen aus“, so Hruby.

Wer neu dazukommt, wird unterstützt. Denn die zwei Trachten der Schloßbergler, die Miesbacher Tanztracht und die Festtracht kosten mehrere tausend Euro. Deswegen gibt es einen Fundus aus gebrauchten Trachten, die den alten Mitgliedern nicht mehr passen oder von Schloßberglern, die bereits verstorben sind.

Aber eines hat sich in den 90 Jahren Vereinsgeschichte geändert: „Die gebrauchten Röcke passen von der Länge heute nicht mehr, denn früher waren die Menschen kleiner.“ Und heute sei es wegen des Artenschutzes nicht mehr so einfach, eine echte „Roagerfeder“ (Reiherfeder) aufzutreiben. Aber dann wird eben zwischen den Mitgliedern durchgetauscht, wie bei einer großen Familie.

Am 2. April um 16 Uhr feiern die Schloßbergler mit der Bembegga Musi in der Pfarrkirche St. Jakob ihr 90-jähriges Vereinsjübiläum. Später zieht ein Festzug mit vier Partnertrachtenvereinen zum Ludwig-Thoma-Haus. Dort finden dann Festreden, Ehrungen langjähriger Mitglieder und verschiedene Volkstänze statt. Dafür stehen noch rund 70 freie Plätze zur Verfügung. Wer Interesse hat, soll sich schnellstmöglich bei Christine Salvermooser unter 0 81 39/9 96 63 10 oder unter info@schlossbergler-dachau.de melden.

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