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„Unwürdig“: Martin Güll kritisiert den Zustand der KZ-Gedenkstätte Dachau. 

Güll kritisiert Zustand der KZ-Gedenkstätte

Dachaus Erinnerungsort ist „verlottert“

Beschädigte Infotafeln, ein veraltetes Konzept, viel zu viel bröckelnder Putz – und viel zu wenig Personal. Was die jährlich gut eine Million Besucher in der KZ-Gedenkstätte Dachau zu sehen oder eben nicht zu sehen bekommen, ist „eine Schande“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll. Der Erinnerungsort sei „verlottert“.

Der Dachauer Stimmkreisabgeordnete Martin Güll inspizierte vor kurzem die KZ-Gedenkstätte. Was er sah, machte ihn traurig und ließ ihn gleichermaßen zürnen: „Ich habe erhebliche Mängel nicht nur bei Parkplatz und beim Zugang zum Museum, sondern auch in der Präsentation der Ausstellung feststellen müssen. Nach wie vor ist die gesamte Anlage nicht behindertengerecht. Rollstuhlfahrer müssen Nebeneingänge benutzen und haben zu vielen Ausstellungsstücken gar keinen Zugang, weil sie zu hoch angebracht sind“, sagt Güll. Darüber hinaus findet der Abgeordnete auch den Zustand des Museums mangelhaft. „Gleich nach dem Eingang findet man einen Medienraum, bei dem alle Bildschirme abgeschaltet oder defekt sind. Im sogenannten Studienraum 2 finden sich auf Lesepulten laminierte Textblätter, von denen viele durch intensive Nutzung ausgerissen oder defekt sind. So etwas hinterlässt auf die Besucher einen schlechten Eindruck. Es kann nicht sein, dass die Sammlung womöglich aus Geldmangel vernachlässigt wird.“ Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Maximilianeum dringt daher auf ein neues Gesamtkonzept. „Es ist ein Antrag im Hochschulausschuss gelaufen. Er ist einstimmig angenommen worden. Also sieht auch die CSU Handlungsspielraum“, so Güll. Im Sommer, so vermutet er, werde man sehen, was zu tun ist. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Gabriele Hammermann gibt zu bedenken, dass die in den Jahren 1964/65 rekonstruierten und heute maroden Baracken bald renoviert werden. „Das Geld dazu ist bereits in den Haushalt der Stiftung Bayerische Gedenkstätten eingestellt.“ Ansonsten jedoch findet sie Gülls Kritik „durchaus angebracht“. Die Sanierung des Parkplatzes etwa sei „auf die lange Bank geschoben worden“, so Hammermann. Das Bitten um mehr Personal sei ein „stetiger, vergeblicher Kampf“. Darüberhinaus gebe es detaillierte Pläne zur Umgestaltung. Ein Raum ist dabei als „Learningcenter“ vorgesehen. Ein Besuch der KZ-Gedenkstätte sollte für jeden Schüler Pflicht sein, meinen Hammermann und Güll. „Die Schüler sollten sich intensiv mit den Zeitzeugenberichten auseinandersetzen“, sagt die Gedenkstättenleiterin. „So wie sie jetzt betreut werden, geht das nicht“, ergänzt Güll.

Thomas Zimmerly

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