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Immer noch besser als eine Traglufthalle? Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende.

Runder Tisch will Unterkunft retten

Gegen die geplante Schließung

Dachau – Der Runde Tisch gegen Rassismus übt scharfe Kritik an den Plänen des Freistaats, den Pachtvertrag für die Dachauer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Kufsteiner Straße zum 31. Oktober zu kündigen.

Im Sommer 2013 habe der Ministerpräsident versprochen, die maroden, damals fast ein Vierteljahrhundert alten Baracken, in denen derzeit 123 Asylsuchende leben, endlich abreißen und durch feste Neubauten ersetzen zu lassen. Seinerzeit sei die Zahl neu ankommender Flüchtlinge überschaubar gewesen und von einer Unterbringung in Containern oder Traglufthallen noch keine Rede, so der Verein gegen Rassismus. „Mit etwas gutem Willen hätte man die zugesagten Neubauten längst errichten können. Inzwischen sind jedoch zweieinhalb Jahre ins Land gegangen. Und ausgerechnet jetzt, wo dem Landkreis Woche für Woche 40 weitere Flüchtlinge zugewiesen werden und die Verantwortlichen in der Kreisbehörde händeringend nach neuen Standorten für Flüchtlingsunterkünfte suchen, kündigt die Regierung von Oberbayern den Pachtvertrag für das Grundstück und plant den ersatzlosen Abriss der Unterkunft“, so die Sprecherin des Runden Tisches, Feliza Ceseña.

Das alles sei geschehen, weil die Regierung und der Eigentümer bei den Verhandlungen des Pachtzinses nur noch um 1166 Euro auseinander lägen. „Ein Unding, auch wenn man bedenkt, dass der Eigentümer ohne die Regierung als Pächter wohl fast gar keine Pacht für sein Grundstück bekäme“, meint Ceseña. Schon jetzt werde 10 000 Euro Pacht bezahlt. Ceseña: „Die fünf Baracken – so heruntergekommen sie auch sein mögen – bieten den Bewohnern allemal mehr Privatsphäre und Komfort als etwa Traglufthallen, in denen sie nach dem Abbruch möglicherweise untergebracht werden müssen. Ganz abgesehen von den anerkannten Flüchtlingen, die ein dauerhaftes Bleiberecht haben, aber bisher keine Wohnung gefunden haben und um deren Unterbringung als Obdachlose sich die Stadt Dachau dann kümmern muss.“

Laut des Runden Tisches sei nur Teil eins des Versprechens erfüllt: der Abriss der maroden Baracken. Der wichtigere Teil, der Bau neuer, fester Unterkünfte stünde noch aus. „Wir erwarten eine baldige Lösung auch an dieser Stelle“, sagt Ceseña.

Um neben der Kritik auch einen positiven Anreiz zu setzen, bietet der Runde Tisch gegen Rassismus der Regierung an, sie finanziell zu entlasten und schon einmal für einen Monat die Differenz von 1166 Euro zwischen verlangtem und gebotenem Pachtzins zu übernehmen. „So viel bürgerschaftliches Engagement sollte die Verhandlungspartner doch zum Nachdenken bringen. Bis zum 31. Oktober ist ja noch Zeit für einen Gesinnungswandel“, so Ceseña. Ihrer Ansicht nach würden Landrat und Oberbürgermeister jedenfalls jetzt schon – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – erfreulich konsequent und lösungsorientiert arbeiten.

mm

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