Eisflächen sind noch nicht betretbar

Dünnes Eis ist lebensgefährlich

Kalte Minusgrade, winterliche Landschaften, zugefrorene Gewässer: Zeit zum Schlittschuhfahren auf den Seen im Landkreis? Oliver Welter von der Wasserwacht rät dringend davon ab und warnt sogar vor Lebensgefahr.

Landkreis – Vom Ufer aus sieht die Eisschicht des Karlsfelder See eigentlich recht dick und tragbar aus: Vor allem das vom Schnee und Eis eingewachsene Schilf lässt den ein oder anderen Spaziergänger darüber nachdenken, ein paar Pirouetten auf den Schlittschuhen zu drehen. Aber der Vorsitzende der Kreiswasserwacht Dachau Oliver Welter warnt eindringlich: „Gerade die großen Seen sind tückisch, denn an ein paar Stellen am Uferrand sind sie gefroren, aber wie es in der Mitte aussieht, ist nur schwer beurteilbar. Wenn man da einbricht, besteht Lebensgefahr.“ Denn die größeren Gewässer, wie Eisolzrieder oder Karlsfelder See, sehen zwar für Laien auf den ersten Blick wie eine geschlossene Eisfläche aus. Jedoch führen die warmen Grundwasserströmungen unter den Seen dazu, dass gefährliche dünne Eisstellen darauf entstehen. Deshalb warnt die Wasserwacht: „Eisflächen auf natürlichen Gewässern besser meiden und zum Schlittschuhlaufen lieber auf eine Eislaufbahn oder speziell präparierte und beaufsichtigte Weiher nutzen.“ Denn für einen Schlittschuhfahrer mit 75 Kilo Körpergewicht müsste die Eisschicht auf einem See mindestens zehn Zentimeter dick sein, damit er nicht einbricht – für eine kleinere Personengruppe sogar rund 15 Zentimenter. Diese Bedingungen sind aber derzeit an keinem Gewässer im Landkreis gegeben: „Wir empfehlen eigentlich auf den Seen und Weihern im Landkreis garnicht aufs Eis zu gehen“, rät Oliver Welter von der Wasserwacht: „Denn die potenzielle Gefahr einzubrechen, ist einfach zu groß. Je nach körperlicher Verfassung ist man nach nur zwei bis drei Minuten bewusstlos. Und dann kann man unter die Eisplatte rutschen und ertrinken.“ Wenn der Schlittschuhläufer im Wasser treibt, ist höchste Eisenbahn geboten. Wer eine ertrinkende Person beobachtet, sollte sofort reagieren: „Es ist wichtig, sofort den Notruf zu wählen und, wenn möglich, den Eingebrochenen mit Hilfsmitteln vom Uferbereich, wie Rettungsring, Leitern, Abschleppseil oder Ästen abzusichern. Man muss aber darauf achten, dass man sich nicht selbst in Gefahr bringt.“ Deshalb rät Oliver Welter nur ins eisige Wasser zu gehen, wenn der Helfer über eine dritte Person mit einem Seil zum Uferrand gesichert ist. Wenn die Rettung gelungen ist, muss der Eingebrochene unbedingt vor Kälte geschützt und möglichst wenig bewegt werden. Es droht der Bergungstod: Wird der Patient aufgerichtet, fließt das kältere Blut aus den Körperteilen zur Mitte des Körpers. Damit sinkt die Kerntemperatur weiter ab, im Extremfall kann ein Herzstillstand eintreten. Ist der Verunfallte bewusstlos, muss der Retter ihn in die stabile Seitenlage bringen und bei einem Kreislauf-Stillstand mit der Wiederbelebung beginnen. Dafür sind Erste-Hilfe-Kenntnisse Voraussetzung. Kurse werden beim Dachauer BRK-Kreisverband angeboten: 0 81 31/ 3 66 30 oder www.kvdachau.brk.de.

Anna Schwarz

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