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Keinen leichten Stand hatte Landrat Stefan Löwl beim Treffen mit den Asylhelferkreisen im Bürgerhaus Karlsfeld.

Streit um Zusammenarbeit

Asyl-Ehrenamtliche kritisieren Landratsamt

Dachau - Landrat Stefan Löwl war bereits in der ersten halbe Stunde des Treffens zwischen Mitarbeitern des Landratsamtes und rund 200 Ehrenamtlichen der Asyl-Helferkreise kurz davor, die Veranstaltung im Karlsfelder Bürgerhaus wieder abzublasen.

„Mit Verlaub, ich fühle mich verarscht. Ich habe gerade Lust, einfach aufzuhören“, sagte Stefan Löwl enttäuscht.

Denn der nicht legitimierte Sprecher aller Helferkreise, Detlef Wiese aus Haimhausen, zeigte eine Präsentation, die nicht vollständig mit dem Landrat abgesprochen war. Über den abgesprochenen Teil hinaus, kritisierte Wiese die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt bezüglich der Krankenbehandlungsscheine: Denn bevor Asylbewerber Mo (Name geändert) beispielsweise zum Zahnarzt gehen kann, muss er sich einen Krankenbehandlungsschein vom Landratsamt holen. Und das könne dauern, so Wiese.

Schließlich schloss er seine Präsentation mit: „Mos Zahnschmerzen haben im Landratsamt zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden interessiert. Hoffentlich muss Mo nicht mehr oft zum Zahnarzt!“

Danach entbrannte eine Diskussion, ob Detlef Wiese die kritische Präsentation zuvor Landrat Löwl hätte vorlegen müssen. Der Landrat selbst zeigte sich enttäuscht: „Das ist keine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Aber Wiese kritisierte: „Wir haben jeden Tag mit den bürokratischen Unzulänglichkeiten des Landratsamtes zu kämpfen“ – und erntete dafür lautes Klopfen des Publikums.

Auch Barbara Jacob vom Petershauser Helferkreis meldete sich aufgebracht: „Als Helferkreis dürfen wir doch sagen, was wir wollen.“

Damit wurde bereits am Anfang das angespannte Verhältnis zwischen den Helfern und dem Landratsamt deutlich. Später schlug Löwl vor, nach dieser Veranstaltung „den Resetknopf zu drücken“ und noch einmal von vorne zu beginnen.

Während der vierstündigen Diskussion wurde klar, dass über die Krankenbehandlungsscheine hinaus viele Helfer mit der Arbeit des Landratsamtes nicht zufrieden sind: „E-Mails werden erst nach sechs Wochen beantwortet“, kritisierte Bärbel Jacob. Informationen über neue Zuweisungen würden zu spät herausgegeben, ergänzte Monika Sedlaczek aus Erdweg. Außerdem würden viele Helferkreise bereits seit Monaten auf ihre finanzielle Unterstützung vom Landratsamt warten, so Georg Weigl vom Indersdorfer Helferkreis. „Erst vier von zehn Helferkreisen, bei denen ich nachgefragt habe, haben das Geld aus dem letztem Jahr schon bekommen“, meinte Weigl.

Der Landrat versicherte, das Geld werde Ende April an alle Helferkreise überwiesen. Außerdem bat er um Verständnis bei den Helferkreisen: „Wir sind eine Behörde und müssen Bundes- und Landesgesetze anwenden. Auf Entscheidungen des Bundesamtes für Migration wie das Arbeitsverbot haben wir keinen Einfluss.“ Außerdem appellierte er an die Helfer, seine Mitarbeiter nicht für bürokratische Regeln im Asylrecht verantwortlich zu machen. Zukünftig sollen sich Lydia Holzinger und eine weitere Arbeitskraft ausschließlich um die Belange der Helferkreise kümmern. Zudem sollen die Asylhelferkreise vier bis fünf Sprecher aus ihren Reihen wählen, die sich monatlich an ihrer Asylunterkunft mit dem Landrat treffen sollen.

Insgesamt dauerte die Veranstaltung vier Stunden. Jedoch blieben nicht alle Teilnehmer bis zum Ende. Als von eingangs 200 nur noch rund 40 Teilnehmer im Saal waren, versuchte Klaus Reindl vom Pfaffenhofener Helferkreis doch noch die Wogen zu glätten: „Es läuft viel falsch, aber wenn in Zukunft alle zusammenhelfen, dann passt alles.“

„Ich bin nicht nachtragend“, meinte der Landrat. Doch nicht alle Helfer waren mit dem Treffen zufrieden. „Von solchen Treffen wie gestern bin ich zutiefst enttäuscht. Da werden viele belehrende Worte vom Landrat an uns gerichtet, Dinge, die wir meistens alle schon wissen, oder neue, die wir nie gehört haben, als selbstverständlich deklariert“, so Georg Weigl.

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