Strandgefühl mitten in der Stadt – das MD-Gelände könnte eine Alternative zum Postschulgelände sein. ros

Neue Hoffnung für den Stadtstrand

Dachau - Es ist eine Diskussion entbrannt: Muss der Stadtstrand komplett abgesagt werden wegen der Beschwerden einiger weniger? Vielleicht nicht. Denn nun naht eine völlig neue Lösung des verfahrenen Themas - aus unverhoffter Richtung.

Die Diskussion um das Aus des Dachauer Stadtstrands reißt nicht ab, auf der Internetseite der Dachauer Nachrichten wird das Thema ausführlich diskutiert, und auch dem Dachauer Stadtrat blieb sie nicht verborgen. Dominik Härtl (CSU) sprach das Thema in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses noch einmal an. Ihm sei wichtig, klarzustellen, „dass die CSU-Fraktion hinter dem Stadtstrand steht.“ Seinem Eindruck nach habe die Stadt alles versucht, um eine Einigung zwischen Betreiber und Anwohnern zu erreichen, und auch die politische Unterstützung sei da gewesen. „Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass man eine einvernehmliche Lösung findet“, so Härtl, „aber wenn das nicht gelingt muss man sich an die juristischen Vorgaben halten.“ Persönlich bedauere er das Aus für den Stadtstrand. „Man muss allerdings schon auch Verständnis für die Anwohner zeigen“, betont der Stadtrat.

Auch Landrat Hansjörg Christmann (CSU) griff den Konflikt auf der Delegiertenversammlung zur Wahl seines Nachfolge-Kandidaten auf. Er sieht darin ein allgemeines Problem: „Wenn ich die Diskussion um diesen Sandstrand betrachte, droht ein Generationenkonflikt: Junge Menschen gehen nun mal nicht früh ins Bett.“ Er mahnte an: „Junge Leute werden sich ihre Lebensqualität nicht nehmen lassen.“

Im Zwiespalt befindet sich Petra Böhm (FDP): Sie vertritt als Stadträtin die Interessen der Bürger, darunter sind auch viele Besucher des Stadtstrands, gleichzeitig wohnt sie aber in der Nähe des ehemaligen Postschulgeländes und kann somit auch die Beschwerden der Anwohner gut verstehen. Schließlich sei trotz Schankschluss um 22.30 Uhr im vergangenen Sommer keine sofortige Ruhe gewährleistet gewesen. Plaudernde Gäste, aufheulende Motorroller, leere Bierflaschen auf den Fensterbänken und Wildpinkler haben laut Böhm den Anwohnern das Strandfeeling vermiest. „Es ist bedauerlich, dass es wegen ein paar Unvernünftigen zu einem immer größer werdenden Unmut bei den Anwohnern kommt“, bilanziert Böhm. Trotzdem kann sie auch die Empörung derer nachvollziehen, die das Aus des Stadtstrands als großen Verlust für die Stadt empfinden. „Für mich ist es äußerst schwierig, hier Position zu beziehen.“ Sie meint: „Der Veranstaltungsort ist nicht der richtige.“

Bisher galt das ehemalige Postschulgelände als alternativlos. Doch nun tut sich offenbar eine neue Möglichkeit auf: Das MD-Gelände. Bauträger Herbert Ullmann signalisierte Gesprächsbereitschaft: „Wenn wir die Möglichkeit haben, der Stadt zu helfen, tun wir das gerne.“ Der Stadtstrand auf dem MD-Gelände? Warum nicht. „Wenn Herr Schwaack Interesse zeigt, könnten wir uns gemeinsam mit der Stadt zusammensetzen und darüber sprechen, ob sich alle Bedingungen erfüllen lassen.“ Schwaack zeigt sich überrascht von dem Vorschlag, findet die Idee aber „spannend“. Er hat sich sehr gefreut über das öffentliche Interesse an seinem Projekt. „Das gibt Mut“, sagt der Event-Veranstalter. Er hatte den Strand eigentlich schon abgeschrieben. „Ich werde mit Herrn Ullmann Kontakt aufnehmen“, versichert Schwaack. Grundsätzlich müsse das Gelände aber passen. „Es muss zentral liegen, leicht erreichbar sein und die richtige Größe haben“, erklärt der Veranstalter.

Und auch die fehlende Biergartenverordnung, die für das ganze Stadtgebiet gilt, ist mit einem Ortswechsel nicht vom Tisch. Gerettet ist der Stadtstrand also noch lange nicht. Aber zumindest ein Fünkchen Hoffnung bleibt.

(dg)

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