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Clement Obielu ist Seelsorger in Petershausen. Er kennt den Zornedinger Pfarrer, der wegen rassistischen Anfeindungen seine Gemeinde verlassen hat, gut. 

Dachauer würde ihm gerne helfen

Kollege: Zornedinger Pfarrer ein "ehrfürchtiger Mann"

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Petershausen/Zorneding - Der Rücktritt des Zornedinger Pfarrers bewegt Tausende weltweit. Einer, der ihn gut kennt, ist der Dachauer Seelsorger Clement Ngirikanwa Obielu. Er will ihm helfen.

Sie kennen sich seit sechs Jahren und seither ist der Kontakt nicht abgerissen. „Er war mein Vorgänger in der Pfarrei Buch am Erlbach bei Landshut“, sagt der 71-Jährige Clement Ngirikanwa Obielu über seinen Kollegen Olivier Ndjimbi-Tshiende, 66. Außerdem habe man sich immer wieder bei Veranstaltungen getroffen, zuletzt vor etwa sechs Monaten im Kloster Fürstenfeld. Damals war noch alles in Ordnung, sagt Obielu. „Er hat sich über nichts beschwert.“

Seither ist einiges passiert. Obielu, der im Pfarrverband Petershausen-Weichs-Vierkirchen (Kreis Dachau) als Seelsorger arbeitet, hat verfolgt, was mit seinem Kollegen in Zorneding (Kreis Ebersberg) passiert ist: die fremdenfeindliche Beschimpfung zweier örtlicher CSU-Politiker. Die Morddrohungen. Der Rücktritt. Und er ist entsetzt.

Beide stammen aus afrikanischen Staaten. Das verbindet, sagt Obielu, auch wenn er selbst aus Nigeria kommt, Ndjimbi-Tshiende aus dem Kongo. Der sei ein „ganz ehrfürchtiger Mann“, sagt Obielu. „Er hat studiert und hat sogar eine Professur erreicht, was ich nicht habe.“ Zu gerne würde der 71-Jährige mit seinem Kollegen sprechen, leider hat er ihn noch nicht erreicht. „Ich kann mir vorstellen, dass das einfach zu viel für ihn war. Er hat sich in einer sehr schwierigen Lage befunden und sich vielleicht gedacht: ‚Wenn die mich nicht wollen, dann gehe ich‘.“

Obielu würde Zornedinger Pfarrer gern bei sich aufnehmen - für einige Stunden

Obielu würde seinem Glaubensbruder gerne anbieten, zu ihm ins Pfarrhaus nach Petershausen zu kommen. „Ich hätte ihn zu mir geholt, damit er sich wenigstens mal ein paar Stunden ausruhen kann.“ Und um ihm Mut zu machen: „Ich würde ihm sagen, dass es mir leid tut, in welcher Lage er sich befindet. Und ich würde ihm sagen, dass auch Jesus Christus vom eigenen Volk verfolgt und gekreuzigt wurde. Und er hat noch am Kreuz gesagt: ,Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.‘ Ich würde meinem Mitbruder sagen, dass nicht alle Menschen gegen ihn sind und er seine Arbeit weiter machen soll wie bisher.“

Obielu bedauert sehr, was Ndjimbi-Tshiende widerfahren ist. „Das ist sein Stückchen vom Kreuz, das er tragen muss.“ Obielu selbst hat noch keinerlei Anfeindungen wegen seiner Herkunft erlebt. „Ich bin in meinem 16. Jahr in Deutschland und habe das Glück, dass mir bis heute niemals etwas Rassistisches passiert ist. Und ich hoffe auch, dass es niemals dazu kommt. Ich fühle mich hier wohl und tue meinen Dienst.“

Ein wichtiges und tolles Zeichen findet Obielu die Lichterkette. „Das ist ein Beweis dafür, dass nicht alle gegen ihn sind.“ Jetzt sei es an der Erzdiözese München-Freising zu entscheiden, wie es mit Ndjimbi-Tshiende weitergehe. „Das steht noch nicht fest“, erklärt Sprecherin Bettina Göbner. „Sein Rücktrittsgesuch zum 1. April wurde angenommen, aber es ist noch nicht klar, welche Aufgabe er übernimmt.“ Es sei jedoch davon auszugehen, dass Ndjimbi-Tshiende in der Diözese München-Freising bleibe.

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

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