Keinen Platz im Leben findet Beckmann (Ansgar Wilk, Mitte) mehr. In Doppelrollen zu sehen: Julia Uttendorfer und Herbert Müller. Foto: INK

Vergessen und ausgeschlossen

Bergkirchen - Schwere Kost oder anspruchsvolle Stücke hat das Hoftheater Bergkirchen noch nie gescheut. Nun kneift es auch nicht vor einem Drama mit dem Untertitel „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“.

Selbst die Elbe hat ihn bei seinem Selbstmordversuch wieder „ausgespuckt“. Der Kriegsteilnehmer Beckermann verzweifelt nach seiner Heimkehr am Leben. Die Gesellschaft hat ihn vergessen und ausgeschlossen. Er steht „Draußen vor der Tür“. Das ist auch der Titel des packenden, grotesken Nachkriegsdramas von Wolfgang Borchert (1921-1947), das der Norddeutsche Rundfunk im April 1947 erstmals als Hörspiel ausstrahlte.

Einen Tag nach der Hamburger Uraufführung im November des Jahres verstarb der erst 26 Jahre alte Autor, der schwerkrank aus französischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Der Untertitel seines Dramas heißt „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“. Das Hoftheater Bergkirchen hat es in der wirkungsvollen Inszenierung von Herbert Müller in seinen Spielplan aufgenommen und schauspielerisch glänzend besetzt. Das Ensemble geht damit auch auf Tournee, denn in Schulen gehört das Lehrstück über die Auswirkungen des Krieges auf die Menschen seit Jahrzehnten zur Pflichtlektüre.

Wo war Gott bei all dem Grauen? Beckmanns Aufschrei will niemand hören, und auf seine Fragen findet er keine Antwort. Die Mitmenschen haben sich längst angepasst und die Vergangenheit verdrängt.

Der Stoff über die Folgen des Krieges auf die Menschen, die wegschauen, berührt auch heute. Wie die Reaktion des Premierenpublikums zeigte, hat das Stück nichts von seiner Aktualität verloren. Die Zuschauer dankten den Darstellern mit lang anhaltendem, herzlichem Applaus für die brillante Leistung. (ink)

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